Tschechisch gesagt: Erlassaktion „Milostivé léto“

„Milostivé léto“

Seit September läuft in Tschechien wieder die Aktion „Milostivé léto“ (Erlassjahr). Die Menschen können sich dabei ihren Schulden bei öffentlichen Institutionen entledigen.

Im Rahmen der Aktion muss ein Schuldner – dlužník, der eine Schuld – dluh bei öffentlichen Institutionen hat, nur die ursprünglich eingeforderte Summe und eine Gebühr für den Gerichtsvollzieher zahlen. Weitere Gebühren – poplatky und Zinsen – úroky werden erlassen – prominout.

Der Begriff Erlassjahr – Milostivé léto hat eine lange Tradition. Er bezeichnet einen Zeitraum, in dem die Menschen von etwas entlastet werden. Die Wurzeln liegen in der Bibel. Die erste Erwähnung gibt es im Alten Testament: Jedes 50. Jahr sollten die Israeliten ihren untergebenen Volksangehörigen einen vollständigen Schuldenerlass – prominutí dluhů gewähren. Die Sklaven sollten freigelassen werden – propustit otroky und ihnen ihr Eigentum zurückgegeben werden – vrátit majetek, das sie in Folge ihrer Verschuldung – zadlužení verloren hatten.

Seit 1300 ruft auch die römisch-katholische Kirche ein Erlassjahr aus, genannt auch Jubeljahr – Jubilejní rok oder Heiliges Jahr – Svatý rok. Dabei geht es um Sündenvergebung – odpuštění hříchů, wobei der Papst den Gläubigen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen einen vollständigen Ablass – odpustek gewährt.

Sommer - Léto | Foto: Zephyrka,  Pixabay,  Pixabay License

Das tschechische Wort – léto hat zwei Bedeutungen. Als erste fällt der Sommer – léto ein, diese ist aber im Schuldenkontext falsch. Ein – léto gilt nämlich auch für das Kalenderjahr. In der Singularform ist es ziemlich veraltet. Man verwendet es etwa in der Jahresangabe Anno Domini – Léta Páně. Auf die Pluralform kann man im Tschechischen hingegen öfters stoßen: ein Jahr heißt – jeden rok, fünf Jahre sind aber – pět let. Die Redewendung „in meinen Jugendjahren“ drückt man etwa so aus – za mých mladých let.

Auch der Gebrauch des Wortes gnadenvoll beziehungsweise gnädig – milostivý geht hierzulande langfristig zurück. Noch vor etwa 100 Jahren war es Teil einer höflichen Anrede, besonders als: gnädige Frau – milostivá paní. Auf Wiederhören! Na slyšenou!

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