Tschechische Fußballnationalmannschaft: Zwei Niederlagen, aber Glaube an neuen Weg

Die Tschechen konnten das Spiel gegen England unter anderem wegen des Platzverweises von Pavel Šulc nicht für sich entscheiden

Mit Trainer Santi Denia hat die tschechische Fußballnationalmannschaft einen neuen Weg eingeschlagen. Das ist bereits zu sehen, obwohl bisher nur zwei Niederlagen in der Nations League zu Buche stehen.

Die Fans skandierten am Dienstagabend nach dem Spiel erneut seinen Namen: Santi Denia. Dabei hatte die tschechische Nationalmannschaft mit ihrem neuen Coach gerade zum zweiten Mal zu Hause in Prag verloren. 0:2 lautete das Endergebnis gegen die von Thomas Tuchel trainierten Engländer in der Nations League.

Er habe die Sprechchöre für sich nicht gehört, sagte später Santi Denia bei der Pressekonferenz. Aber wichtig seien nicht er selbst, sondern nur die Spieler.

Rote Karte verändert Spiel

Santi Denia | Foto: Daniel Ordóñez,  Radio Prague International

Dass seine Schützlinge gegen den Gegner mit den Superstars wie Harry Kane und Jude Bellingham letztlich verloren, hatte wenig mit der Leistung zu tun. Vielmehr war es eine Rote Karte, die sich der Offensivspieler Pavel Šulc nach grobem Foulspiel in der 23. Minute einhandelte und die das Spiel komplett änderte. Denia wollte Šulc den Platzverweis anschließend nicht groß ankreiden, es sei eine normale Spielsituation gewesen:

„Er verlor den Ball und hat versucht, ihn wieder zurückzuerobern. Wir glauben an Šulc. Er ist wichtig für das Team, wenn auch nicht im nächsten Spiel, da er dann gesperrt ist, sondern wieder danach. Er ist ein sehr guter, ein unglaublicher Spieler.“

In der Begegnung waren die Tschechen allerdings dann zu zehnt und mussten gegen eines der besten Teams der Welt bestehen. Von den Engländern wurden sie phasenweise im eigenen Strafraum eingeschnürt. Dies bekannte auch Matěj Kovář nach der Partie in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Der Torhüter zeigte sich dennoch überzeugt vom Weg unter dem neuen Trainer:

„Die Bälle flogen uns nur so um die Ohren. Aber wir haben eine anständige Partie gezeigt dafür, dass wir nur noch zehn waren. Ich bin froh, dass wir uns bemüht haben, im Sinne der neuen Identität zu spielen, die uns der Trainer gegeben hat, obwohl wir einer weniger auf dem Platz waren.“

Pavel Šulc verließ nach einer Verletzung bereits in der 25. Minute das Spielfeld | Foto: Slavek Ruta,  Zuma Press / Profimedia

Ähnlich positiv über die Vorgaben des spanischen Übungsleiters hatten sich die tschechischen Nationalspieler schon nach der Auftaktbegegnung in der Nations-League-Saison am vergangenen Samstag geäußert. Da verlor Tschechien im Prager Stadion Eden mit 1:2 gegen Kroatien, hätte aber der Leistung nach ein Unentschieden verdient gehabt.

Individuelle Fehler

Foto: Vít Šimánek,  ČTK

In der zweiten Hälfte gegen Kroatien und in den ersten 20 Minuten gegen England war das neue Konzept bereits deutlich zu erkennen: mit kurzen Pässen sich nach vorne zu kombinieren und bei Ballverlust sofort ins Gegenpressing zu gehen. Es sind wichtige Elemente der spanischen Fußballschule. Oder wie Santi Denia nach dem England-Spiel unserem Kollegen aus der spanischen Redaktion von Radio Prag International auf die Frage nach dem Konzept antwortete:

„Die Überzeugung, dass dieser Weg, wie wir spielen wollen, der richtige ist und dass wir Spieler mit dem passenden Profil dafür finden. Das Engagement der Spieler in der Defensive und dann die Freiheit, von hinten aufzubauen, mit guten Torhütern und guten Mittelfeldspielern, um Geschwindigkeit zu haben.“

Allerdings wurde das erste Gegentor am Dienstag wie auch schon jenes am Samstag durch einen individuellen Fehler kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit eingeleitet.

„Das ärgert uns schon, vor allem da es sich wiederholt hat. Aber es ist ein Prozess, die Fehler wird es geben. Es liegt allein an uns, die Qualität und unsere individuellen Leistungen immer weiter zu verbessern, und dann verschwinden auch die Fehler“, bekannte Mannschaftskapitän Ladislav Krejčí, der nach einer Verletzung ins Team zurückgekehrt war.

Begegnung mit Spanien

Nicht vergessen darf man zudem, dass die Tschechen neu in der Nations League A sind und es mit absoluten Spitzenteams zu tun haben. Die nächsten beiden Begegnungen bestreiten sie auswärts. Am Samstag kommt es dabei zum pikanten Duell mit den Weltmeistern aus Spanien. Denia, der viele Jahre lang spanische Nachwuchsnationalteams angeleitet hat, trifft dabei auf seinen langjährigen Trainerkollegen Luis de la Fuente.

„Zwölf Jahre lang haben wir zusammengearbeitet. Im Jahr 2015 haben wir wohl sogar einhundert Tage miteinander verbracht. Er ist mein Kollege und mein Bruder. Aber wir als tschechisches Nationalteam wollen gegen Spanien gewinnen. Es ist schwer, aber warum nicht?“, so Denia.

Autor: Till Janzer
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