Revolution im tschechischen Fußball: Spanier Denia übernimmt Nationalteam
Ein anderer Spielstil – das ist sicher die Idee dahinter, dass der spanische Trainer Santi Denia die tschechische Fußballnationalmannschaft übernommen hat. Der Coach hat sich vergangene Woche bei einer Sonderpressekonferenz des Verbandes vorgestellt.
Vor zwei Jahren holte Santi Denia mit dem spanischen Olympia-Fußballteam die Goldmedaille. Es war ein weiterer großer Erfolg für den Coach, der zu aktiven Zeiten unter anderem bei Atletico Madrid spielte. Renommiert wurde Denia aber besonders nach seiner aktiven Karriere, nämlich als Trainer unterschiedlicher Jugendnationalteams Spaniens. Er holte mit der U17 und mit der U19 jeweils den EM-Titel. Mit der U21 wurde er Vizeeuropameister. Jetzt beginnt für ihn eine neue Aufgabe…
Er sei der neue Nationaltrainer Tschechiens, Vamos Česko! So hat sich Santi Denia vergangene Woche im Video des Fußballverbandes FAČR vorgestellt, um anschließend erstmals auf die Fragen der hiesigen Journalisten zu antworten. Etwa danach, wie er den tschechischen Fußball sehe, nachdem das Nationalteam im Juni bei der WM keinen einzigen Sieg einfahren konnte und in der Vorrunde ausschied.
„Der Fußball in Tschechien hat kein allgemeines Problem, er ist stark. Für uns Trainer ist es entscheidend, die richtigen Spieler auszusuchen und das Profil des Teams zu wählen. Wir wollen uns sicher verbessern. Es geht vor allem um Details, die auf höchstem Niveau den Unterschied ausmachen. Mental sind die tschechischen Spieler stark, und wir müssen das Beste aus ihnen herausholen“, so der 52-jährige Coach, der mit vollem Namen Santiago Denia Sanchez heißt.
Spielerische Mängel unter Koubek
Dass nun ein Ausländer das Nationalteam übernimmt, ist eine Revolution im tschechischen Fußball. Immer wieder einmal stand das zur Diskussion, zuletzt Anfang des Jahres. Damals wurde ein Trainer für die Playoffs zur WM und das anschließende Championat gesucht. Sogar Jürgen Klinsmann wurde mit der tschechischen Elf in Verbindung gebracht. Doch kurzfristig entschied man sich wieder für eine tschechische Lösung, den Trainer-Veteranen Miroslav Koubek. Zwar gelang es dem 74-jährigen Coach, das tschechische Team erstmals nach 20 Jahren wieder zu einer WM zu führen. Doch dort konnte es nicht überzeugen – weder den Ergebnissen nach und schon gar nicht vom Spielerischen her.
Koubek trat nach dem frühen Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft von seinem Amt zurück. Und die Verbandsführung war dann zu einer großen Veränderung bereit. Pavel Nedvěd ist der Manager der Nationalmannschaft:
„Wir haben eine Persönlichkeit mit internationalen Erfahrungen gesucht, die uns weiterbringen kann. Und wir wollen gemeinsam ein Umfeld aufbauen, das zusammen an einer langfristigen Vision arbeiten wird.“
Erstmal wurde Denia aber nur mit einem Vertrag für zwei Jahre ausgestattet, also bis zur nächsten EM. Der Kontrakt kann jedoch verlängert werden.
Ausländische Trainer haben es im tschechischen Spitzenfußball bisher häufig schwer gehabt. Eines der ersten Beispiele war Mitte der 1990er Jahre Jürgen Sundermann. Der Deutsche führte Sparta Prag zwar zum Titel und startete auch gut in die folgende Saison, dennoch wurde er abberufen. Unter anderem war immer auch die Sprachbarriere hinderlich. Der tschechische Rekordmeister Sparta hat aber mit dem aktuellen Trainer Brian Priske aus Dänemark auch schon das Gegenteil bewiesen.
Sichtung möglicher Spieler
Nationaltrainer Denia kommuniziert auf Englisch. Aber sein Staff solle nicht nur aus Spaniern bestehen, sondern auch aus Tschechen, betont der Neue. Direkter Assistent ist indes Pablo Amo. Beide wollen sich so schnell wie möglich hier im Land einleben und mit der Fußballliga vertraut machen.
„Ich habe mir die Begegnungen des ersten Liga-Spieltags angeschaut. Es ist sehr wichtig, die Begegnungen zu sehen, die Spieler zu sichten und die erste Liga aufzusaugen, in der ja die meisten aus dem Nationalkader antreten. Es geht nicht nur um Sparta oder Slavia Prag, sondern wir wollen alle Vereine und alle Stadien besuchen“, sagt der Chefcoach.
Santi Denia hat in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre im Übrigen mit einem Tschechen zusammen bei Atletico Madrid gespielt. Es ist Radek Bejbl. Er hält große Stücke auf seinen alten Bekannten:
„Ich habe Denia als tadellosen Typen, Kumpel und Mitspieler kennengelernt. Er ist aufrichtig, verantwortungsvoll und fleißig. Und wie ich ihn in seiner Karriere als Spieler und Trainer erlebt habe, adeln ihn diese Tugenden im Privaten wie im Arbeitsleben. Wir können sicher erwarten, dass die Nationalmannschaft mehr spielerische Elemente zeigen wird und sich dem annähert, wie in Spanien Fußball gespielt wird.“
Die Zeit drängt allerdings. Denn schon Ende September steht die Nations League an. Tschechien ist in dieser Liga neu in die erste Division aufgestiegen und wird sich zum Auftakt mit Kroatien und England messen. Dritter Gegner in der Gruppe ist Spanien, für Denia dann ein besonders pikantes Duell.
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