Sieg verspielt: Tschechische Fußballer bei der WM unter Druck
Die Begegnung hatte das tschechische Team als Schlüsselspiel bei der Fußball-WM ausgegeben. Doch gegen Südafrika sprang nur ein Unentschieden heraus. Zudem wirft die Leistung der Spieler viele Fragen auf.
Die Ernüchterung kam in der 83. Minute des zweiten Vorrundenspiels Tschechiens bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Der Gegner aus Südafrika erzielte den 1:1-Ausgleich. Teboho Mokoena verwandelte einen Elfmeter, nachdem Mittelfeldspieler Pavel Šulc unglücklich einen der wenigen Schussversuche der Südafrikaner mit der Hand geblockt hatte.
Wie beim ersten WM-Spiel gegen Südkorea vor einer Woche konnte das tschechische Team eine frühe Führung nicht über die Zeit bringen und auch keinen zweiten Treffer nachlegen. Dabei hatten die Schützlinge von Trainer Miroslav Koubek losgelegt wie die Feuerwehr, sodass Mittelfeldspieler Michal Sadílek bereits nach sechs Minuten die 1:0-Führung erzielte. Auch Anfang der zweiten Hälfte machte die Mannschaft noch Druck, wurde aber danach, wie schon in der ersten Hälfte, sehr passiv. Insgesamt stand am Ende nur 38 Prozent Ballbesitz für das tschechische Team zu Buche. Für eine als Schlüsselspiel bezeichnete Begegnung ein erstaunlich niedriger Wert. Trainer Koubek zeigte sich bei der Pressekonferenz nach dem Spiel auch nicht erfreut darüber, erklärte dies jedoch so:
„Viele Mannschaften gestalten ihre Spiele aus einem etwas nach hinten gezogenen Block heraus. Das spielt doch im Fußball überhaupt keine Rolle. Ich bin zufrieden, dass wir uns eine ganze Reihe an Torchancen herausgearbeitet haben. Ballbesitz, Übergewicht oder Dominanz, was soll das? Wenn der Gegner abdreht und den Ball diagonal spielt, ist doch alles unter Kontrolle. Ich habe keine Chancen der Südafrikaner gesehen – ein paar Flanken zwar, zwei oder drei Mal ein Eindringen in den Strafraum, ansonsten aber nur Schüsse neben das Tor. Fußball sieht halt so aus.“
Kein wirklicher Fußball
Das sah der Trainer des südafrikanischen Teams, Hugo Broos, anders…
„Tschechien ist ein physisch starkes Team, das aber nicht gerne wirklichen Fußball mit vielen Pässen spielt, sondern eher die Bälle nach vorne schlägt. Aber ich denke, wenn man Fußball mag, hat einem eher unser Spiel heute gefallen als das von Tschechien“, so der Coach.
Tatsächlich zeigten sich die Schützlinge von Broos – nach dem jeweiligen Anfangsdrang der Tschechen – sehr viel ballsicherer und technisch besser als ihre Gegner. Pavel Horváth ist ehemaliger Nationalspieler und Fußball-Experte beim Sportsender des Tschechischen Rundfunks und war erstaunt:
„Ich muss sagen, es ist eine unangenehme Erkenntnis, dass die Spieler aus der südafrikanischen Liga technisch und fußballerisch besser waren als unsere. Das war nicht so schön anzusehen.“
Chance weiter vorhanden
Wie schon im Auftaktspiele gegen Südkorea, das Tschechien mit 1:2 verloren hat, schienen die Spieler recht schnell entkräftet. Auch Mannschaftskapitän Ladislav Krejčí äußerte sich besorgt über diesen wiederkehrenden Leistungsabfall.
„Ich würde sagen, dass die Anfänge der beiden Halbzeiten von unserer Seite ordentlich waren. Ich habe da Entschlossenheit und Mut gespürt. Leider ist das im weiteren Verlauf aber verlorengegangen. Wir müssen uns jetzt ins Gesicht sagen, wo das Problem liegt. Zugleich müssen wir umschalten und uns klarmachen, dass wir weiter im Rennen sind und eine Chance haben. Und so müssen wir auch ins letzte Spiel gehen. Wir wissen, dass wir da den Sieg brauchen“, merkte der Innenverteidiger an.
Denn nur so kann man noch das selbst gesteckte WM-Ziel erreichen: den Einzug ins Sechzehntelfinale. Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe A bei der WM tritt Tschechien am Mittwoch kommender Woche gegen Co-Gastgeber Mexiko an. Und im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt werden die Gäste die meisten der 80.000 Fans gegen sich haben. Die Mexikaner haben sich bereits am Donnerstag mit einem 1:0-Sieg gegen Südkorea vorzeitig für die nächste Runde qualifiziert.








