20 Jahre Warten hat ein Ende: Tschechiens Fußballer fahren zur WM
Die tschechische Fußballnationalmannschaft der Männer hat es geschafft: Sie spielt im Sommer bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Im Play-off-Finale am Dienstagabend besiegten die Tschechen das Team aus Dänemark. Wie schon im Halbfinale gewannen sie auch diesmal das Elfmeterschießen.
Die Tribünen im Stadion auf der Letná bebten unter den Freudentänzen der Zuschauer, als Michal Sadílek am späten Dienstagabend den entscheidenden Elfmeter rechts unten im dänischen Tor versenkte. Damit haben sich die tschechischen Fußballer für die Weltmeisterschaft qualifiziert, die am 11. Juni startet. Es ist die erste WM-Teilnahme für das Land seit 20 Jahren.
Die Mannschaft von Trainer Miroslav Koubek entschied das Play-off-Finale gegen Dänemark im Elfmeterschießen – wie schon am vergangenen Donnerstag das Halbfinale gegen Irland. Es gab noch weitere Parallelen: Nach der Verlängerung stand es 2:2 unentschieden, alle Tore waren nach Standardsituationen gefallen, und in der Entscheidung vom Elfmeterpunkt war erneut der tschechische Torhüter Matěj Kovář ein Faktor. Am Dienstagabend parierte er den Versuch von Anders Dreyer.
„Ich habe mir zugetraut, ein oder zwei Elfmeter zu halten. Letztlich war es einer. Zugleich war ich überzeugt, dass meine Mitspieler drei bis vier Elfmeter verwandeln. Die Qualifikation war unser aller Traum. Ich habe jetzt keine Worte. Wir sind einfach froh, nach 20 Jahren wieder dabei zu sein“, berichtete Kovář nach der Zitterpartie.
Noch entscheidender als der gehaltene Elfmeter war jedoch, dass zwei dänischen Schützen die Nerven versagten und sie den Ball an die Latte beziehungsweise übers Tor jagten.
Auf der anderen Seite zeigt dies auch den Vorzug des tschechischen Teams. Mit dem eigenen Publikum im Rücken bewies es mentale Stärke. Trainer Koubek hat den Spielern in kurzer Zeit wieder Selbstvertrauen gegeben und sie zu einem Team geformt. Das hatte unter seinem Vorgänger Ivan Hašek gefehlt, sodass dieser im Oktober von seinem Posten abberufen wurde. Allerdings äußerte Leverkusen-Stürmer Patrik Schick nicht nur große Freude über das Erreichte, sondern sprach auch bisherige Unzulänglichkeiten an:
„Es ist ein riesiger Erfolg. Wir werden auf der größten Bühne des Fußballs spielen. Die Euphorie ist daher groß, darauf haben wir hingearbeitet. Wir müssen uns allerdings auch reinen Wein einschenken. Denn in beiden Spielen haben wir fußballerisch nicht viel gezeigt. Aber wir haben uns an den taktischen Plan gehalten, den wir für die Begegnung ausgegeben hatten. Deswegen konnten wir uns qualifizieren.“
Tschechien tritt bei der Weltmeisterschaft in der Gruppe A an, die Auslosung der Gruppen hatte bereits Anfang Dezember stattgefunden. Zwei der drei Spiele bestreitet man in Mexiko. Zum Auftakt geht es am 12. Juni in Guadalajara gegen Südkorea, dann folgt sechs Tage später im US-amerikanischen Atlanta die Begegnung mit Südafrika. Zum Abschluss der Vorrunde muss die tschechische Mannschaft am 24. Juni im Azteken-Stadion in Mexiko City gegen das Heimteam antreten.
Viele Beobachter sprechen von einer relativ einfachen Gruppe. Dies wollte Trainer Koubek so aber nicht stehen lassen, als er sich am Dienstagabend knapp zu den WM-Gegnern äußerte:
„Die Frage ist, ob das überhaupt eine leichte Gruppe ist. Ich glaube das nicht. Mexiko als Heimmannschaft und die anderen beiden Teams werden durchaus eine schwierige Mission. Aber sicher wird es für uns aus psychischer Sicht einfacher, dort zu spielen als in den Play-off-Begegnungen.“
Erstmals wird nach der Vorrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft ein Sechzehntelfinale bestritten. In dieses ziehen nicht nur die Gruppenersten und Gruppenzweiten ein, sondern auch acht der zwölf drittplatzierten Teams. Konkret könnte so schon ein Sieg aus den drei Vorrundenpartien zum Weiterkommen reichen. Das sollte auch Tschechien Hoffnung machen.
Im Übrigen wird Miroslav Koubek mit seinen 74 Jahren der älteste Trainer bei der WM sein. Denn der um vier Jahre ältere Niederländer Dick Advocaat ist vor gut einem Monat aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Er war zuvor Nationalcoach von Deutschlands Gruppengegner Curacao.








