Elfmeter-Krimi gegen Irland: Tschechien zittert sich ins Finale der WM-Playoffs

Jan Kliment (11) feiert mit seinen Mitspielern, nachdem er im Elfmeterschießen den Siegtreffer erzielt hat

In einem durchwachsenen Spiel hat die tschechische Fußballnationalmannschaft am Dienstag im Playoff-Halbfinale zur Weltmeisterschaft Irland geschlagen. Nun trifft man am Dienstag in Prag auf Dänemark.

Jan Kliment erzielte den entscheidenden Treffer | Foto: Michal Kamaryt,  ČTK

Erst das Elfmeterschießen brachte am Donnerstagabend ein Ende der Zitterpartie – und aus tschechischer Sicht ein erfolgreiches. Nachdem es in der regulären Spielzeit 2:2 stand und die Verlängerung torlos endete, verschoss Gegner Irland zweimal, und Jan Kliment verhalf Tschechien schließlich ins Finale der WM-Playoffs. Für den tschechischen Nationaltrainer Miroslav Koubek, der bereits 74 Jahre alt ist, war es die Premiere in seiner Rolle. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel bezeichnete er die Begegnung als eine „epische Schlacht“:

Miroslav Koubek | Foto: Pavel Lebeda,  ČTK

„Der Verlauf war wie erwartet. Die irische Mannschaft hat bestätigt, dass sie stark in den Zweikämpfen ist und mit hohem Tempo spielen kann. Wir waren in den Zweikämpfen in der ersten Halbzeit und vielleicht auch im ganzen Spiel über schwächer. Aber das darf nicht verwundern, denn Irland ist in diesem Bereich wirklich dominant und herausragend.“

Matěj Kovář | Foto: Pavel Lebeda,  ČTK

Koubek lobte den Kampfgeist seiner Schützlinge, räumte aber auch ein, dass es „Raum für Verbesserungen“ gebe. Und tatsächlich war die Leistung der Tschechen in der ausverkauften Prager Eden-Arena, in der auch Präsident Petr Pavel zu den Zuschauern gehörte, eher durchwachsen. Nachdem Irland in der 19. Minute einen Foul-Elfmeter verwandelte und kurz darauf Tschechiens Torwart Matěj Kovář für ein unglückliches Eigentor sorgte, waren die Sorgen beim Spielstand von 0:2 schon groß. Doch in der 27. Minute dann der Anschlusstreffer: Leverkusen-Stürmer Patrik Schick versenkte einen Strafstoß. Erst kurz vor Ende der regulären Spielzeit rettete dann der neue Mannschaftskapitän Ladislav Krejčí die Tschechen in die Verlängerung. Auch in den 30 Extra-Minuten konnte die Leistung des Teams aber nicht wirklich überzeugen. Nachdem das Elfmeterschießen mit 4:3 ausging, zeigte sich Kapitän Krejčí dennoch überwiegend zufrieden:

Ladislav Krejčí jubelt nach seinem Tor | Foto: Vít Černý,  ČTK/AP

„Ich fühle mich gut. Der Start war natürlich nicht gut, es hat gedauert, bis wir ins Spiel gefunden haben. Aber das ist in einem neuen System immer so. Wir waren in allen Momenten kampfeswillig, und dafür wurden wir dann in der Lotterie am Ende belohnt, die zu unseren Gunsten ausging.“

Im Finale der WM-Playoffs trifft Tschechien nun am Dienstag kommender Woche auf Dänemark. Erneut hat man Heimrecht und spielt in Prag. Nationaltrainer Koubek hielt sich am Donnerstag bedeckt hinsichtlich der Chancen. Tomáš Souček ließ aber anklingen, dass es durchaus nicht einfach werden könnte, die Dänen zu bezwingen.

Tomáš Souček | Foto: Michal Kamaryt,  ČTK

„Wir werden uns jetzt intensiv auf Dänemark vorbereiten. Denn das ist ein schwerer Gegner, dieses Team ist besser als das irische. Wir werden alles geben müssen.“

Souček, der als Mittelfeldspieler bei West Ham United unter Vertrag steht, hatte im November im Übrigen seine tschechische Kapitänsbinde abgeben müssen. Der Grund: Die Mannschaft war nach dem siegreichen Qualifikationsspiel gegen Gibraltar nicht zu den tschechischen Fans gegangen und hatte sich nicht bei ihnen bedankt. Am Donnerstag gab sich Souček Mühe so zu wirken, als sei ihm der Zwischenfall mittlerweile egal. Man könne ihm die Binde nehmen, nicht aber sein Herz, so Souček im Interview für das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen. Überraschenderweise wurde Souček aber erst in der zweiten Hälfte eingewechselt und stand nicht bereits in der Start-Elf.

Sollten die Tschechen die Begegnung mit Dänemark für sich entscheiden, wären sie damit zur Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA qualifiziert. Es wäre die erste WM-Teilnahme nach 20 Jahren.

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