Tschechische Krone weiterhin stark

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Die tschechische Nationalbank hat sich zu Beginn der Woche für eine Intervention auf dem Devisenmarkt entschieden, um den nach wie vor anziehenden Kurs der Krone wieder abzuschwächen. Mehr als ein kurzfristiges Nachgeben der tschechischen Währung erreichte sie allerdings nicht. Mehr dazu von Rudi Hermann im folgenden Beitrag, es liest Olaf Goldschmidt.

Erstmals seit dem Oktober 1999 hat die tschechische Zentralbank zwei Instrumente gleichzeitig angewendet, um den starken Kurs der tschechischen Krone etwas nach unten zu drücken. Neben einer Senkung des zweiwöchigen Reposatzes um 0.25% auf das bisherige absolute Minimum von 4.5% griff sie auch zu einer direkten Intervention. Nach der Schätzung von Devisenhändlern dürfte sie Kronen im Wert von 300 bis 400 Millionen Euro verkauft und damit den Kurs von 32.20 Kronen pro Euro auf 32.70 gedrückt haben. Allerdings nur mit kurzfristigem Erfolg, denn die billigere Krone fand das Interesse grosser ausländischer Banken, und die gestiegene Nachfrage bewirkte umgehend wieder einen Kursanstieg auf 32.15 Kronen pro Euro.

Die Krone verhält sich damit so, wie es Nationalbankgouverneur Zdenek Tuma vergangene Woche vorausgesagt hatte, als er meinte, längerfristig sei mit einem mässigen Anziehen des Kurses zu rechnen. Diese Aussage wird Tuma nun zur Last gelegt, weil sie den Kampf von Regierung und Zentralbank gegen die starke Krone erschwere. Die Ansicht, der Kurs der tschechischen Währung werde eher zulegen als nachgeben, gründet auf der Erwartung massiver Devisenzuflüsse im Zuge grosser Privatisierungsvorhaben der Regierung in den Bereichen Energie und Telekommunikation. Leidtragender ist bei einer solchen Entwicklung die tschechische Exportindustrie, deren Erzeugnisse dadurch auf den ausländischen Märkten teurer werden und die nach Mitteln und Wegen suchen muss, ihre Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Und weil die Exporte in der offenen tschechischen Wirtschaft ein wesentliches Zugpferd für das Wirtschaftswachstum sind, könnte sich eine Verlangsamung des Ausfuhrwachstums mittelfristig auch auf die ganze Wirtschaftslage negativ auswirken. Nota bene zu einem Zeitpunkt, in dem der Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten im Zuge der globalen Konjunkturabflachung härter wird. Auf der anderen Seite verbilligt eine starke Krone die Importe, was im Klartext bedeutet, dass sich tschechische Bürger für ihr Geld mehr ausländische Waren oder Dienstleistungen kaufen können.

Die tschechische Nationalbank ist trotz des relativ bescheidenen Erfolgs ihrer jüngsten Intervention zu ähnlichen Schritten jedoch erneut bereit, sollte die Situation dies verlangen, wie Gouverneur Zdenek Tuma gegenüber den Medien erklärte.

Autoren: Rudi Hermann , Olaf Goldschmidt
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