Tschechische Musiker auf einem Jazz-Festival in der Schweiz

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Der tschechische Jazz ist in der Schweiz so gut wie unbekannt. Doch mindestens in der kleinen Stadt Olten kann es nun anders sein. Über das dortige Jazz-Festival berichtet aus der Schweiz unser freier Mitarbeiter Alexander Schneller.

Am vergangenen Wochenende fanden in Olten, einer schweizerischen Kleinstadt, zwischen Basel und Zürich gelegen, die 3. Jazztage statt. Was hat das, werden Sie sich, liebe Hörerinnen und Hörer, fragen, mit Radio Prag zu tun? Nun, das kleine, aber feine Festival in der Schweizer Provinz hatte als thematischen Schwerpunkt Jazz aus der Tschechischen Republik gesetzt. Dies deshalb, weil Jazz aus Tschechien in der Schweiz so gut wie unbekannt ist. So konnte man am Samstag und Sonntag Abend tschechischen und Prager Jazz vom Feinsten geniessen.

Den Samstag Abend eröffnete das Emil Viklicky Trio feat. Steve Houben. Eine Formation übrigens, die man in den Prager Klubs immer wieder antrifft. Der exzellente Pianist und Komponist Viklicky, kongenial unterstützt vom Bassurgestein Frantisek Uhlir sowie der Schlagzeuglegende Laco Tropp vermochten zusammen mit dem belgischen Saxofonisten und Flötisten Steve Houben das Publikum zu überzeugen. Feinfühlig vorgetragene Balladen ebenso wie rasante Interpretationen von Standards oder Eigenkompositionen zeugten vom hohen Niveau der Musikanten.

Das zweite Konzert am Samstag bestritt die famose 18 köpfige Kontraband des Pianisten, Komponisten und Arrangeurs Milan Svoboda, den Radio Prag in seiner Sendereihe "All that Jazz of Praha!" kürzlich vorgestellt hat. Die Superbigband, die sich stilistisch schwer einordnen lässt, begeisterte das Publikum mit ihren kompakten Unisonoteilen ebenso wie mit dem hohen Standard der vorgetragenen Soli. Jazz, Swing, Brass Band Music und Rock verschmolzen zu einer einzigartigen, atmosphärisch dichten Musik, wobei auch eine gehörige Portion unterschwelligen Humors nicht fehlte.

Die eigentliche Sensation aber bildete der Abschluss der Jazztage am späten Sonntag Abend. Es war den Veranstaltern gelungen, eine ganz besondere, in dieser Besetzung auch in Prag kaum zu hörende Formation zusammenzustellen. So trafen zwei so unterschiedliche Charaktere wie der feinfühlige und virtuose Pianist Milan Svoboda und das quirlige, vor Energie sprühende Improvisationswunder Jiri Stivin aufeinander. Das Milan Svoboda Quartett mit dem wunderbaren Trompeter Michal Gera sowie der kompakten Rhythmusgruppe Martin Lehky E-Bass und Ivan Audes Schlagzeug und die zahlreichen Flöten sowie das Altsaxofon von Altmeister Stivin rissen das zahlreiche Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Und so kam es am Ende gar zu einer Standing Ovation und zwei wunderschönen Zugaben.

Nach diesen wahrhaft gelungenen Vorstellungen tschechischer Jazzer ist zu hoffen, dass zumindest in dieser Region der Schweiz Jazzmusik aus Prag einen Namen hat. Einen hervorragenden, wie man aus den vielen begeisterten Reaktionen der Zuhörer schliessen darf.

Autor: Schneller Alexander
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