Tschechische Wirtschaft im Aufwind

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Die statistischen Daten der tschechischen Wirtschaft haben für das erste Quartal 2000 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode ein Wachstum des Brutto-Inlandproduktes um satte 4.4 % angezeigt. Deuten diese Zahlen auf die definitive Überwindung der Probleme der letzten Jahre hin, so warnen Kommentatoren allerdings davor, sie allzu hoch einzuschätzen. Mehr dazu von Rudi Hermann.

Das tschechische Statistische Amt hat am Montag die Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung Tschechiens im ersten Quartal dieses Jahres bekanntgegeben. Erstmals seit langer Zeit kam es dabei zu einer erfreulichen Überraschung, wurde doch ein Wirtschaftswachstum im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode von vollen 4.4 % verzeichnet. Solch positive Zahlen konnten letztmals im Jahr 1997 zur Kenntnis genommen werden, seither plagte sich die tschechische Wirtschaft jedoch mit Problemen und Rezession herum. Jetzt allerdings scheint die Trendwende, von der die Politiker hoffnungsvoll schon seit Monaten sprechen, definitiv geschafft. Denn nicht nur die nackten Zahlen sind positiv, sondern auch die Entwicklungen, die hinter ihnen stehen. So wird das Wirtschaftswachstum nicht nur, was gefährlich wäre, vom privaten und öffentlichen Konsum gezogen, sondern auch von wieder besser fliessenden Investitionen und sich steigerndem Export.

Wirtschaftskommentatoren führen das anziehende Wachstum auf die Konjunkturlage in den Ländern der Europäischen Union, dem bedeutendsten Wirtschaftspartner Tschechiens, zurück. Allerdings warnen sie davor, den Quartalswert von 4.4% Wachstum allzu euphorisch einzuschätzen. Einerseits werden die Berechnungsmethoden des statistischen Amts dafür ins Feld geführt, die im Hinblick auf die Ölpreisentwicklung ein möglicherweise etwas zu optimistisches Bild ergeben hätten. Zweitens wurde angemerkt, dass das erste Quartal im Vorjahr drei Arbeitstage weniger enthalben habe, und schliesslich wies Ministerpräsident Milos Zeman auch darauf hin, dass dieses eine relativ tiefe Vergleichsbasis darstelle. Damals habe sich die tschechische Wirtschaft nämlich in der Talsohle befunden. Deshalb könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Daten für das zweite bis vierte Quartal ähnlich hoch ausfallen würden. Man werde jedoch zufrieden sein, so Zeman, wenn über das ganze Jahr ein Wachstum von rund zwei Prozent erreicht werden könne. Dieser Ansicht neigen sowohl auch das Statistische Amt wie die Nationalbank zu, die trotz der erfreulichen Ergebnisse des 1. Quartals Jahreswerte in der Gegend von 1.5 % Wachstum prognostizieren.

Autor: Rudi Hermann
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