TV-Generaldirektor Zelezný wurde in Untersuchungshaft genommen

Vladimír Zelezný (Foto: CTK)

Eine der schillernsten und zugleich zwiespältigsten Persönlichkeiten des tschechischen öffentlichen Lebens, der Generaldirektor des Privatsenders TV Nova Vladimír Zelezný, sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. Am Mittwoch stellte der Untersuchungsrichter bei der Staatsanwaltschaft den Antrag, gegen den 56-jährigen eine Haftstrafe zu verhängen. Wie es zu dieser plötzlichen Vorgehensweise der tschechischen Ermittler im "Fall Zelezný" gekommen ist, dazu mehr von Lothar Martin.

Vladimír Zelezný (Foto: CTK)
Eine überraschende Wandlung nahm der Verlauf der sechsstündigen Vernehmung des hiesigen Medienzares am Dienstag bei der tschechischen Polizei. Noch am frühen Nachmittag war Zelezný suggeriert worden, dass die Vorwürfe in der gegen ihn vorliegenden Strafanzeige abgemildert werden. Der Fernsehboss war im April beschuldigt worden, seine Gläubiger hintergehen zu wollen. Nun aber sollte ihm "lediglich" der Versuch dieser Straftat attestiert werden. Doch dem ist augenscheinlich nicht so. Denn der Betrugsverdacht, der im Raume steht und aufgrund dessen der TV-Nova-Chef nun in Untersuchungshaft genommen wurde, bleibt bestehen: er soll seinen früheren Partner beim Auf- und Ausbau der 1994 gegründeten Fernsehstation, den US-Geschäftsmann Ronald Lauder, angeblich um etwa 23 Millionen US-Dollar (knapp 50 Millionen Mark) gebracht haben. Zelezný, der wegen seines kometenhaften Aufstiegs in internationalen Medienkreisen als "Tschechiens Berlusconi" bezeichnet wird, bestreitet diese Vorwürfe.

Der tschechische Staat, der erst unlängst den Rechtsstreit mit dem Lauder-Unternehmen CME beim Schiedsgericht in Stockholm verloren hat, weil er dessen Ansicht nach die von Lauder in Tschechien getätigten Investitionen nicht wie vereinbart geschützt habe, sieht sich wohl nun mehr denn je in der Affäre Zelezný zum Handeln gezwungen. So hat die Prager Polizei erst vergangenen Woche die Büros von TV Nova durchsucht und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Kurz darauf wurde Zeleznýs Anwalt Ales Rozehnal verhaftet. Er soll sich an einem Geldtransfer über Konten in Liechtenstein beteiligt haben, bei dem Kapital der Lauder-Firma CME abgeflossen sein soll.

Der Fall bleibt ein heiß diskutiertes Thema hierzulande, gerade weil noch keine neuen, weiterreichenden Begründungen für Zeleznýs einstweilige Festnahme öffentlich gemacht worden sind. Der Sendebetrieb von TV Nova werde durch das Fehlen seines Direktors nicht beeinträchtigt, teilte Martin Chalupský, der Sprecher der die Sendelizenz von Nova besitzenden Gesellschaft CET 21, der Nachrichtenagentur CTK mit. TV Nova hat sich seit seiner Gründung zu einem der umsatzstärksten Sender in Mitteleuropa entwickelt. Laut Medienberichten führte die deutsche Bertelsmann AG bereits Gespräche über einen Einstieg. Sollten sich die bisher bekannten Vorwürfe gegen Zelezný bestätigen, wird sie diese Gespräche wohl bald mit einem anderen Fernsehchef führen müssen. Denn in diesem Fall drohen Vladimír Zelezný bis zu acht Jahre Haft.