Unaufhaltsamer Schwund der Kulturdenkmäler in Tschechien

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Jedes Jahr verschwinden auf dem Gebiet der Tschechischen Republik bis zu 50 kulturgeschützte Objekte oder Kulturdenkmäler. Häuser, historische Portale, Mühlen werden von einem gemeinsamen, merkwürdigen Schicksal erwischt: sie werden verbrannt, heimlich umgebaut, gestohlen, man lässt sie absichtlich verfallen. Die Mittwochausgabe der Tageszeitung Mlada Fronta Dnes befasst sich mit diesem Thema, Dagmar Keberlova fasst zusammen.

Fachexperten aus dem Staatlichen Institut für Denkmalschutz in Prag können nur ungefähre abschätzen, wie viele Kulturdenkmäler tatsächlich verschwinden. Zwar gibt es ein Verzeichnis aller Kulturobjekte in der Tschechischen Republik, in dem allerdings auch Kulturdenkmäler figurieren, die längst in Asche verwandelt wurden. Aufgrund der veralteten Statistiken hat in diesem Jahr das Kulturministerium eine umfassende Aktion gestartet, bei der bis 2007 die Fachexperten alle Kulturdenkmäler besuchen und ihren Zustand überprüfen werden. Wie viele Kulturdenkmäler aufgrund des schlechten Umgangs seitens ihrer Besitzer oder aufgrund von Bränden verkommen, wird man nach wie vor nicht feststellen können. Oft ist es nämlich den Experten zufolge so, dass die Besitzer die Objekte absichtlich verfallen oder verbrennen lassen. Kein einfaches Unterfangen für die Fachexperten. Diese würden laut den Besitzern verbieten, dass sie die Güter nach ihrem Gutdünken verwalten und hiermit seien die Besitzrechte verletzt. So passiere es oft, dass der Besitzer Rekonstruktionen eines Objektes anmeldet und in Realität reißt er entweder das ganze Objekt bis auf die Fassade oder auch mit dieser nieder und der Schaden ist nicht mehr wieder gut zu machen. Eine wirkungsvolle Lösung dieses Problems wurde noch nicht gefunden und die Experten geben zu, dass die Tschechische Republik rechtlich auf kommerziellen Druck auf diesem Gebiet nicht ausreichend vorbereitet ist.