Vaterschaftsurlaub

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Seit dem 01.01. 2001 können in Tschechien auch die Männer gleich nach der Geburt die Pflege des Sprösslings übernehmen. Der neu geschaffene Vaterschafts- oder Erziehungsurlaub kann bis zu einer Dauer von drei Jahren ausgedehnt werden. Wie es mit dem Vaterschaftsurlaub in Tschechien in der Praxis aussieht, erfahren Sie in diesem Beitrag von Olaf Barth.

Nach der bis zum 01. Januar gültigen Regelung konnten in den ersten 28 Wochen nach der Geburt lediglich Frauen in den sog. Mutterschaftsurlaub gehen. Bereits seit einigen Jahren gab es hierzulande aber die Möglichkeit, den erweiterten Mutterschaftsurlaub - also ab der 28.Woche des Kindes - auch auf den männlichen Partner zu übertragen - der somit in Vaterschaftsurlaub ging. Finanziell ist die junge Familie so oder so aber keineswegs auf Rosen gebettet. Denn der junge Vater bekommt, während er sich zuhause um das neue Familienmitglied kümmert, nicht etwa einen bestimmten Prozentsatz seines letzten Gehaltes bezahlt, sondern nur den gesetzlichen Mindestbetrag von 2400 Kc - umgerechnet ca. 140 DM. Wie es um ihre finanzielle Situation bestellt war, wollte ich von Monika Cevelova wissen, deren Ehemann, Anton Kaimakov, insgesamt zwei Jahre in Vaterschaftsurlaub war, während sie selbst die Brötchen verdiente: Wie kam es denn überhaupt zu diesem ja doch noch etwas ungewohnten Schritt, fragte ich den Vater, Anton Kaimakov:

"Das war eigentlich ganz einfach. Als ich nämlich von Russland nach Prag umgezogen bin, hatten wir beide keine Arbeit und für mich, als ausländischen Schauspieler, war es auch schwer hier eine Anstellung zu finden. Also haben wir abgemacht, dass derjenige, der zuerst einen gutbezahlten Job findet, arbeiten geht und der andere das Kind betreut. Meine Frau fand eine gute Arbeit und ich blieb bei unserem Sohn." Von Schwierigkeiten bei der Säuglingspflege weiß er aber auch zu berichten:

"Am Anfang war es unheimlich schwer, denn eine Mutter, die ja ihr Kind schließlich im Körper getragen hat, spürt einfach viel besser, was das Kind möchte und braucht. Mich hat es eine zeitlang schon ganz schön genervt, wenn das Balg ständig weinte und ich nicht wusste, was es wollte." Aber nach ein paar Monaten hatten sich Vater und Sohn schließlich aufeinander eingespielt. Probleme mit Freunden oder auch dem späterem Arbeitgeber habe es überhaupt keine gegeben, meint Herr Kaimakov. Eher im Gegenteil, viele hätten sich positiv und ermunternd geäußert. Und würde er das Ganze wiederholen?:

"Ich denke, dass meine Ehefrau das nicht noch einmal zulassen würde...", antwortet er verschmitzt und diplomatisch zugleich.

Autor: Olaf Barth
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