Vejprty und die Brandkatastrophe mit acht Toten

Foto: ČTK / Slavomír Kubeš

Es ist eine der schlimmsten Brandkatastrophen in Tschechien seit der Wende von 1989. Am frühen Sonntagmorgen starben acht Menschen in einem brennenden Behindertenheim in der Gemeinde Vejprty / Weipert. Seitdem wird untersucht, was zu dem tragischen Unglück an der Grenze zu Sachsen geführt hat. Dabei geht es auch um die Frage, ob nicht die deutsche Feuerwehr hätte helfen können.

Um zehn vor fünf Uhr am Sonntagmorgen geht bei der Feuerwehrleitstelle des Kreises Ústí nad Labem / Aussig ein Notruf ein. Es geht um einen Brand im Behindertenheim von Vejprty. Michal Zavoral ist Einsatzleiter bei der Feuerwehrleitstelle:

Foto: ČTK / Slavomír Kubeš
„Vor Ort lokalisierten die Einsatzkräfte ein Feuer im Gemeinschaftsraum, es breitete sich aber auf drei weitere Räume aus. 29 Menschen wurden im Haus mit Gasmasken ausgestattet und in Sicherheit gebracht. Bei acht weiteren Menschen musste leider der Tod festgestellt werden aufgrund von Rauchvergiftungen.“

Die Toten waren alle Heimbewohner. In dem Haus leben Menschen mit geistigen oder multiplen Behinderungen.

Rund zwei Dutzend weitere Anwesende mussten ärztlich behandelt werden. Vier von ihnen waren schwer verletzt. Dabei gab es auch Unterstützung durch die Johanniter aus Annaberg-Buchholz.

„Zwei deutsche Rettungswagen haben geholfen und Verletzte in Krankenhäuser in der Umgebung gebracht“, so Michal Zavoral.

Jitka Gavdunová (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš)
In Vejprty sind die Menschen geschockt von dem Ereignis. Tschechische Medien bezeichneten es als die zweitgrößte Brandkatastrophe im Land seit 1990. Vor zehn Jahren waren in Prag bei einem Feuer in einem Busbahnhofsgebäude neun Obdachlose ums Leben gekommen. Jitka Gavdunová ist Bürgermeisterin von Vejprty:

„Für unsere Stadt ist das eine große Tragödie. Denn das Heim gehört seit Langem zu uns, und wir kennen die Bewohner von klein auf. Der Tod der Menschen ist schwer zu ertragen.“

Die bürgerdemokratische Politikerin lobte dabei den schnellen Einsatz der Rettungskräfte und der Feuerwehr. Andernfalls hätte die Zahl der Opfer vielleicht noch höher gelegen, sagte Gavdunová. Als Erste war die Freiwillige Feuerwehr aus Vejprty vor Ort.

Foto: ČTK / Slavomír Kubeš
„Sie brauchte nur neun Minuten. Dabei sitzen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr nicht irgendwo und warten auf den Einsatz. Sie mussten alle von zu Hause los. Das lief hervorragend“, so die Bürgermeisterin.

In der Folge kam auch die Berufsfeuerwehr aus nahen Städten. Insgesamt waren sechs Löschzüge im Einsatz mit 37 Mitgliedern. Weniger gut lief hingegen die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem sächsischen Nachbarort Bärenstein. Dabei gibt es einen Vertrag über grenzüberschreitende Einsätze. Jitka Gavdunová:

„Auch aus Deutschland hätte die Feuerwehr anrücken können, Bärenstein ist nur fünf Minuten von uns entfernt. Doch die Bürokratie ist so kompliziert, dass sie gar nicht über den Brand informiert wurden.“

Foto: ČTK / Slavomír Kubeš
Gegenüber dem MDR bemängelte die Bürgermeisterin, dass sie nicht einfach drüben anrufen und um Hilfe bitten könne. Denn jeder Notruf nach Sachsen muss von einer zentralen Leitstelle ausgehen. Die Generaldirektion der tschechischen Feuerwehr wies die Kritik jedoch zurück. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass ausreichend eigene Löschzüge zur Verfügung standen und Deutschland nicht informiert werden müsse, hieß es.

Die tschechische Polizei hat am Sonntag begonnen, zur Brandursache zu ermitteln. Am frühen Montagnachmittag waren noch keine Ergebnisse bekannt. Das Gebäude hatte keine Rauchmelder, außer auf den Toiletten. Laut der Bürgermeisterin ist dies bereits mehr, als vom Gesetzgeber gefordert.

Andrej Babiš (Foto: ČTK / Slavomír Kubeš)
Wegen des Ausmaßes der Tragödie besuchte auch Premier Andrej Babiš (Partei Ano) die Stadt an der Grenze zu Sachsen. Der Regierungschef versprach unkomplizierte Hilfe. Zugleich sagte er:

„Wir müssen auswerten, was es zu verbessern gilt. Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit der deutschen Seite. Oder den Brandschutz solcher Einrichtungen.“

Die Überlebenden der Brandkatastrophe wurden im Übrigen am Sonntag in einem anderen Trakt des Heimes untergebracht sowie in einem weiteren Gemeindegebäude.

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