Von Václav Havel inspiriertes Videomapping und Traumbilder in Dejvice: Signal-Festival in Prag
Insgesamt 21 Lichtinstallationen sind beim 14. Signal-Festival in Prag zu sehen. Am Donnerstagabend hat das beliebte Lichterfest in der tschechischen Metropole begonnen.
Über der astronomischen Uhr auf dem Altstädter Rathaus ist in diesen Tagen am Abend anstelle von Apostelfiguren ein Videomapping zu sehen. Es trägt den Titel „Das Leben in der Wahrheit“ und wurde von der ukrainischen Künstlerin Svitlana Reinish kreiert. Sie ging ihren Worten zufolge von den Gedanken von Václav Havel und seinem Essay „Die Macht der Machtlosen“ aus. Vom selben Text ließ sich ebenfalls die Designstudentin Karolína Schulzová inspirieren. Ihre Lichtinstallation findet sich im Hof der Maria-Schnee-Kirche auf dem Jungmann-Platz. Kurator Daniel Burda beschrieb das Kunstwerk in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Im Hof sind Vitrinen zu sehen, in denen verschiedene Sätze aufleuchten mit Worten, wie man sie von jemandem erwarten würde, dem alles völlig egal ist. Doch ein Satz sticht besonders hervor, nämlich dass ein einziger Mensch reiche. Es ist ein Gedanke, mit dem sich auch Václav Havel befasste, als er in der kommunistischen Diktatur lebte und zu ergründen versuchte, warum niemand etwas gegen das System unternahm.“
Außer den Stationen mit Lichtinstallationen im Stadtzentrum gibt es wie immer noch eine weitere Festival-Route. Die Veranstalter haben sie dieses Jahr vom Stadtteil Vinohrady in den Stadtteil Dejvice verlegt. Mit seinem Videomapping am Gebäude des erzbischöflichen Seminars verwandelt dort der deutsche Künstler Felix Frank die Architektur in einen lebendigen Organismus und kreiert Traumbilder. Dies geschieht ganz im Zeichen des Festivalmottos „Dream On!“.
In Podbaba nahe der Moldauinsel Císařský ostrov wird wiederum der Fluss mit Lichtstrahlen belebt. Die Mitglieder des Disman-Kinderensembles des Tschechischen Rundfunks haben sich den Ort angeschaut und ihn im Rundfunk beschrieben:
„Wir sehen hier Lichter, die einen Ring im Wasser bilden. Ich finde es sehr romantisch, es sieht wie ein Spiegel aus.“
„Mich erinnert das an ein Tor in eine andere Dimension. Denn wenn sich der Lichtkreis ausdehnt, sieht es so aus, als befände sich im Inneren gar nichts.“
Eine der größten Installationen, die in diesem Jahr zu sehen ist, befindet sich im General-Lázaro-Cárdenas-Park in Dejvice. Daniel Burda:
„Es ist eigentlich eine 20 Meter lange Reihe von 1500 herabhängenden Glühbirnen. Aus der Ferne erscheint das Objekt als eine scheinbar chaotische Ansammlung blinkender Birnen. Es ist ein Spiel mit dem Betrachter. Jim Campbell, der aus der Filmbranche stammt, hat die Installation wie einen Film kreiert. Dies bedeutet, dass ein bestimmter Inhalt vorhanden ist. Dieser ist jedoch nur aus einer spezifischen Perspektive, in einem gewissen Abstand und mit einem bestimmten Grad an Unschärfe zu sehen.“
Unter den 21 Installationen sind nicht nur reine Lichtprojektionen. Einige verbinden die visuelle Show mit Theater. Dazu gehöre die Inszenierung „Voda“ („Wasser“) des Theaterensembles Laterna magika in der alten Kläranlage im Stadtteil Bubeneč, schildert Daniel Burda.
„Der Leiter der Laterna magika, Radim Vizváry, ist der Regisseur des Werks. Es handelt sich um eine Multigenre-Collage von nonverbalem Theater, Akrobatik, Gesang und auch Videomapping. Es ist keine abendfüllende Theatervorstellung. Die Inszenierung dauert etwa zehn Minuten lang, damit sie weiteren Besuchern gezeigt werden kann.“
Das Signal-Festival in Prag läuft noch bis Sonntag (18. Oktober). Die Lichtinstallationen sind täglich von 19 Uhr bis Mitternacht zu sehen. Mehr erfahren Sie unter www.signalfestival.com.














