Vor 720 Jahren: Mit dem Mord an Wenzel III. starben die Přemysliden aus
Mit der Ermordung des 16-jährigen Königs Wenzel III. am 4. August 1306 in Olomouc / Olmütz wurde eine mehr als 500 Jahre dauernde Familiendynastie beendet.
Die Přemysliden waren die erste böhmische Königsfamilie. Die Thronbesteigung durch den Stammvater Přemysl der Pflüger (Přemysl Oráč) gehört zu den Gründungsmythen der tschechischen Staatlichkeit. Auf ihren Höhepunkt gelangte die Dynastie mit der Regierung Wenzels II. (1271–1305), der unter anderem das böhmische und das polnische Königreich vereinte.
Dieses Erbe trat der einzige männliche Nachkomme und damals 15-jährige Wenzel III. an. Der jugendliche König musste sich aber auch um die herrschenden politischen Anspannungen kümmern. Seine Vermählung mit Viola Elisabeth von Teschen, der Tochter eines schlesischen Fürsten, war strategischer Natur, um seinen Einfluss im heutigen Südpolen zu stärken.
Angespanntes Verhältnis zur Landwehr
Im Sommer 1306 berief Wenzel III. die böhmische und mährische Landwehr nach Olmütz ein. Die Truppen sollten von dort aus nach Polen ziehen, um die Herrschaft der Přemysliden militärisch zu festigen. Die Adligen kamen jedoch nur zögerlich und unwillig zusammen. Grund war vor allem, dass sie ihr Gefolge selbst bezahlen sollten – das waren sie aus der Wohlstandszeit unter Wenzel II. nicht gewohnt. Der Adel war in der Regel nur bereit, einen Feldzug selbst zu finanzieren, wenn für ihn der Gewinn von Grundstücken dabei heraussprang.
Das Vorhaben in Polen diente jedoch allein dem Prestige des Königs, was für die Landwehr wenig attraktiv war. Daher war die Stimmung in Olmütz angespannt, voller Misstrauen und unausgesprochener Konflikte. Von wem Wenzel III. am 4. August aber ermordet wurde, ist bis heute unklar. Theorien darüber gibt es viele. Sie verweisen auf politische Rivalen, ausländische Mächte oder auch Intrigen innerhalb des böhmischen Adels.
Sicher ist allerdings, dass die männliche Linie der Přemysliden an diesem Tag ausgestorben ist. Wenzel III. wurde zunächst im Dom von Olmütz beigesetzt, später wurden seine Gebeine ins Kloster Zbraslav bei Prag verbracht. Auf den Thron folgte ihm sein Schwager Heinrich von Kärnten. Damit begann in Böhmen aber eine Zeit der Unsicherheit und gewaltsamen Auseinandersetzungen, die letztlich den Luxemburgern den Weg an die Macht eröffneten.
Im Prager Nationalmuseum ist derzeit die Ausstellung „Přemyslovci. Panovnická dynastie a její doba“ (Die Přemysliden. Eine Herrschaftsdynastie und ihre Zeit) zu sehen. Sie dauert noch bis 15. Oktober.







