Walpurgisnacht in Tschechien - die Philip-und-Jakobs-Nacht

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Von Marketa Maurova.

Es ist überliefert, dass am Tag vor dem 1. Mai, in der Walpurgisnacht, (in Tschechien spricht man allerdings von der Philip-und-Jakobs-Nacht) Hexen zu Versammlungen mit Teufeln zusammenfliegen und allerschlimmsten schwarze Kräfte entfesseln. Sie entnehmen dadurch dem Vieh und der ganzen Wirtschaft den Ertrag und übertragen diesen auf ihren eigenen Besitz. Die Hexen begeben sich auf fremde Felder und Wiesen und schleppen einen Tuch hinter sich her, in dem sie den Tau sammeln. Danach wringen sie diese Tücher, begießen damit ihre Felder und rauben dadurch den anderen die Ernte.

Damit die Hexen den Leuten, Tieren und dem Haus keinen Schaden zufügen können, wurde früher eine Reihe magischer Vorkehrungen getroffen. Man steckte Wacholder in den Mist und grüne Zweige ins Dach, hinter die Balken und Fenster. Die Hausfrauen malten das Zeichen des Kreuzes auf die Tür, segneten das Haus und die Ställe und räucherten sie aus. Die Männer schossen und knallten mit der Peitsche in der Nähe des Hauses, um die Hexen zu vertreiben.

Zur Philipp-und-Jakobs-Nacht gehörten auch das Feuermachen und die sog. Hexenverbrennung. Man zündete Feuer auf Berggipfeln an, wo die Jungen einen hohen Holzstapel aufschichteten. Manchmal wurde das Holz auch mit Petroleum begossen, um ausgiebiger zu brennen, damit das Feuer auch aus der Ferne sichtbar ist. In einigen Gegenden wurde auf den Gipfel des Holzstapels eine Hexenfigur aus Fetzen und Stroh gebunden. Nach dem Entzünden des Feuers wurde gesungen - Jungen und Mädchen nahmen brennende Zweige in die Hände, schwangen sie und warfen sie in die Höhe. Die Mutigsten sprangen über das Feuer.

Ein weiterer Gebrauch ist die Aufrichtung der Maie. Dafür wurde meistens eine gut gewachsene Fichte oder Tanne ausgewählt, von der die Rinde abgeschält wurde. Oben wurde der Baum mit bunten Schleifen, Halstüchern und mit einem, mit zwei oder drei Kränzen geschmückt. In einigen Gegenden wurde auf dem Wipfel der Maie auch eine junge Birke befestigt. Kleinere Maibäume wurden von Burschen auch unter das Fenster ihrer Geliebten gesteckt.

In der Gegenwart baut man in den Dörfern, aber auch in manchen Städten einen gemeinsamen, bis zu 30 m hohen Maibaum. Nachdem er aufgerichtet worden war, muss er gut bewacht werden, damit ihn niemand absägt und stiehlt. Dies wird bis heute als eine große Schande wahrgenommen.

Von allen Bräuchen erfreut sich gerade heute die Hexenverbrennung der größten Popularität. Sie ist besonders bei jungen Leuten beliebt, es handelt sich dabei aber um ein Ereignis, an dem sich alljährlich die ganze Gemeinde beteiligt. Rund um den Stapel laufen Kinder, man brät Würstchen, es wird Bier und Wein getrunken und zu den Klängen einer Gitarre oder eines Akkordeons gesungen. Auf einigen Burgen und Burgruinen und in einigen Städten werden Treffen der "Hexen" in Kostümen veranstaltet.

Eine Parallele zur Philip-und-Jakobs-Nacht stellt die Walpurgisnacht in germanischen Ländern oder das Beltine-Fest der Kelten dar.