Wenn man mal musste: Museum historischer Toiletten und Nachttöpfe

Foto: Martina Schneibergová

In der tschechischen Hauptstadt gibt es eine Reihe von Museen verschiedener Art. Doch jenes, das vor einer Woche in Prag eröffnet wurde, ist in Mitteleuropa einzigartig: Es nennt sich „Museum historischer Toiletten und Nachttöpfe“.

Foto: Martina Schneibergová
Nahe des Karlsplatzes in der Straße Vyšehradská befindet sich das jüngste Museum Prags: das Museum historischer Toiletten und Nachttöpfe. Zuvor waren die Exponate in einer Dauerausstellung in der Festung Třebotov bei Prag zu sehen, erzählt Jan Sedláček. Er ist der Besitzer der historischen Sammlung. Da aber das Interesse der Besucher groß war, brachte er die Sammlung in die tschechische Hauptstadt und eröffnete ein eigenes Museum dafür:

„Die Tourismus-Zentrale CzechTourism hat vor einigen Jahren eine Umfrage durchgeführt. Damals belegte die Dauerausstellung in Třebotov den vierten Platz unter den beliebtesten Besucherzielen hierzulande. Zudem sagten uns viele der Gäste, dass die Festung nicht ganz einfach zu erreichen sei, obwohl sie sehr schön in Stand gesetzt worden sei. Wir fanden dann ein Haus in Prag und haben es gründlich umgebaut. Im Erdgeschoss und im Keller ist das Museum untergebracht. Ich bin Bauingenieur von Beruf, mir machen solche Neugestaltungen viel Spaß.“

Foto: Martina Schneibergová
Als Jan Sedláček vor Jahren die mittelalterliche Festung in Třebotov in Stand setzte, fand er dort in der Mauer die Reste eines Aborts. Dieser wurde früher als „prevét“ bezeichnet und diente den Bewohnern der Burg im Mittelalter als Klosett. Zudem stieß er auf einen Raum aus der Barockzeit, der auch als Toilette genutzt worden war. Sedláček begann, sich für die Geschichte der Hygiene zu interessieren. Die höchste Sterblichkeit sei in der Vergangenheit nicht durch Kriege, sondern durch Infektionskrankheiten verursacht worden, sagt er. Diese verbreiteten sich wegen der schlechten Hygiene massenhaft. Dazu gehörte auch der Umgang mit Exkrementen, so der Museumsbesitzer.

Wie der Weg zum heutigen Klo war, das wird im neuen Museum auf einer Zeitleiste im Eingangsraum dargestellt. In den Kellerräumen sind dann Hunderte historischer Nachttöpfe zu sehen, sie wurden von unterschiedlichen Bevölkerungsschichten genutzt.

Foto: Martina Schneibergová
„Die Gegenstände hier sind unterschiedlicher Herkunft, es gibt spezielle Nachttöpfe für Herren, Damen oder Kinder. Die Exponate unterscheiden sich natürlich auch in Design und Material, die Nachttöpfe sind aus Porzellan, Glas, Steingut, Blech oder Metall. Wir haben uns bemüht, sie chronologisch zu ordnen. Zu den interessantesten Exponaten gehört ein Nachttopf, der für den Dampfer Titanic produziert wurde. Auch Passagiere in der ersten Klasse, wo es normale Toiletten gab, hatten einen derartigen Nachttopf zur Verfügung. Den haben sie wohl benutzt, wenn ihnen übel wurde.“

Zudem konnte man früher in Zügen den Schaffner um einen Nachttopf bitten. Ein Prachtstück in der Ausstellung stammt aus dem US-amerikanischen Pacific Express. Normalerweise wurden die Töpfe einfach aus dem Fenster des Zugs entleert, erzählt Sedláček. Er bemüht sich, die Museumssammlung um besonders wertvolle Exponate zu erweitern:

Foto: Martina Schneibergová
„Dies ist eine ´washiki´ - eine historische japanische Toilette. Der Behälter ist aus Porzellan. Es gibt nur sehr wenige solche historischen Exponate in Privatsammlungen. Dieses Exponat haben wir erst kürzlich erworben, genauso wie einen silberneren Nachttopf sowie einen Nachttopf, den Fürstin Mathilda Nostitz unserem Museum geschenkt hat.“

Viele der historischen Nachttöpfe sehen wie luxuriöse Porzellanschüsseln aus. Einige der Exponate sind handbemalt, einige bedruckt oder sonst wie verziert. Neben runden Töpfen zeigt die Ausstellung auch ovale Porzellanbehälter:

´Bourdalou´ (Foto: Martina Schneibergová)
„Interessant sind die so genannten ´Bourdalou´. Benannt wurden sie nach dem französischen Prediger Louis Bourdaloue. Dieser soll Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich lange und spannende Predigten gehalten haben, sodass es nach einigen Stunden die Damen manchmal nicht mehr aushalten konnten. Eine Dienerin reichte ihnen diesen ovalen Topf – das Bourdalou – in den sie unter den langen und breiten Röcken ihre Blase entleeren konnten. Die Dienerin räumte das Bourdalou dann wieder weg.“

Zu den weiteren Kuriositäten zählen die französischen so genannten Hochzeits-Nachttöpfe. Die Porzellanbehälter sind lustig bemalt. Sie wurden aber nicht zu ihrem ursprünglichen Zweck benutzt.

Foto: Martina Schneibergová
„Die Töpfe wurden speziell für die Hochzeitsgäste produziert. Nachdem das Hochzeitspaar schlafen gegangen war, füllten die Hochzeitsgäste diese Töpfe mit Schokolade, Nüssen und Obst. Dann weckten sie die Neuvermählten und man aß gemeinsam alles auf. Wir haben da mehrere Sorten dieser französischen Töpfe.“

Von der Sammlung der Nachttöpfe geht es in den Museumssaal im Erdgeschoss, wo verschiedene historische Klosetts zu sehen sind. Das erste Wasserklosett konstruierte Sir John Harrington 1596 für die englische Königin. Es dauerte aber noch einige Hunderte Jahre, bis die Toiletten mit Wasserspülung zur Normalausstattung von Mietshäusern und Wohnungen wurde. Im Museum sind vor allem historische Toilettentische zu sehen, in denen sich ein Klosett versteckt.

Nachttopf aus dem Schlafzimmer von Abraham Lincoln (Foto: Martina Schneibergová)
„Alle Gegenstände, die hier zu sehen sind, haben ihre eigene Geschichte, die oft kurios ist. Dieser Nachttisch mit eingebautem Klosett war ursprünglich ein Schmuckkasten. Es scheint, dass die Leute lieber ein Sitzklo als einen Schmuckkasten hatten. In den Vitrinen sind die wertvollsten Exponate.“

Dazu gehört beispielsweise ein Nachttopf aus dem Schlafzimmer von US-Präsident Abraham Lincoln. Jan Sedláček will seine Sammlung noch erweitern, aber vor allem um besonders interessante Exponate. Ein Traum für ihn wäre, die Toilette aus einem Raumschiff für das Museum zu erwerben. Vorläufig müssen sich die Besucher mit einem Foto eines Weltraumklosetts begnügen.

Foto: Martina Schneibergová
Das Museum ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es liegt nahe des Karlsplatzes, in der Vysehradská-Straße 12, im zweiten Prager Stadtbezirk.