Wirtschafts-Wochenrückblick: 28. Januar bis 3. Februar

Foto: Mohylek, Wikimedia CC BY-SA 3.0

Trotz des Embargos ist der tschechische Export von landwirtschaftlichen Produkten nach Russland gewachsen. Ebenfalls gestiegen ist aber auch das Volumen der Schwarzarbeit. Dies sind nur einige der vielen Themen im aktuellen WirtschaftsCzech. Es sind Meldungen vom 28. Januar bis 3. Februar 2015.

Andrej Babiš (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Vizepremier und Finanzminister Andrej Babiš (Partei Ano) ist überrascht von einem Strategiepapier zur Zusammenarbeit mit Russland. Babiš zufolge soll Industrie- und Handelsminister Jan Mládek (Sozialdemokraten) ein solches Strategiepapier zur Stärkung des Exports nach Russland ausgearbeitet haben. In der Koalition aber habe man angeblich über eine solche Vorlage nicht gesprochen.

In dem Strategiepapier wird unter anderem vorgeschlagen, weitere Diplomaten nach Moskau zu entsenden, die Zusammenarbeit mit den Regionen Russlands zu stärken und ein neues Büro der staatlichen Wirtschaftsagentur CzechTrade in Kasan einzurichten. In dem Dokument werde ebenso auf eine bessere Zusammenarbeit mit den Medien hingewiesen, schreibt die Tageszeitung „Hospodářské noviny“. Dazu sollen beispielsweise positive Themen über Russland stärker hervorgehoben werden.

Wie der Finanzminister gegenüber dem Blatt erklärte, sei über dieses Dokument innerhalb der Koalition nicht gesprochen worden. Wenn die Pläne von Minister Mládek aber Waren betreffen, die nicht den europäischen Sanktionen gegenüber Russland unterliegen und deren Export für die tschechische Industrie von Bedeutung ist, dann könne man darüber debattieren, sagte Babiš.


Illustrationsfoto: Kristýna Maková
Unklarheit in der Planung, Klarheit aber bei den Zahlen: Der tschechische Export von landwirtschaftlichen Produkten nach Russland ist gewachsen. Trotz des Embargos wiesen die Ausfuhren von Januar bis Ende November einen Anstieg von 22 Prozent aus. Die tschechischen Bauern setzten Waren für insgesamt 2,75 Milliarden Kronen (98 Millionen Euro) in Russland ab, wie aus Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Prag hervorgeht. Steigerungsraten wurden vor allem bei Tiernahrung, Bier, Mohn, Süßwaren und Malz verzeichnet. Am stärksten vom Einfuhrstopp Moskaus betroffen waren hingegen Milchprodukte und Nahrungsergänzungsmittel, sagte ein Sprecher des tschechischen Landwirtschaftsministeriums.


Foto: Kristýna Maková
Das Volumen der Schattenwirtschaft in Tschechien ist im vergangenen Jahr um rund zehn Milliarden Kronen (360 Millionen Euro) gestiegen. Der Gesamtumfang lag bei 612 Milliarden Kronen (ca. 22 Milliarden Euro). Für dieses Jahr wird ein leichter Anstieg auf 614 Milliarden Kronen (23 Milliarden Euro) erwartet.

Der Anteil der grauen Wirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Tschechien beträgt 15 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt mit 18,5 Prozent noch höher. In Tschechien ist der Wert seit 2009 um fast zwei Prozentpunkte gesunken. Das geht aus einer Studie der Kreditkarten-Gesellschaft Visa hervor. Der Studie zufolge könnte der Staat bei einem Zuwachs der elektronischen Zahlungen die Schattenwirtschaft besser kontrollieren. Sollten beispielsweise zehn Prozent der Bevölkerung mehr elektronische Zahlungen vornehmen, würde der Anteil der Schattenwirtschaft binnen vier Jahren um vier bis sechs Prozent reduziert werden. Mit der erhöhten Durchführung elektronischer Transaktionen könnten so in Tschechien bis zu 40 Milliarden Kronen (1,4 Milliarden Euro) mehr versteuert werden. In die hiesige Schattenwirtschaft fließt mit rund zwei Dritteln die Schwarzarbeit ein, durch die dem Staat Steuereinnahmen entgehen.


Foto: Mohylek, Wikimedia CC BY-SA 3.0
Positive Meldungen kamen hingegen von zwei Firmen unterschiedlicher Branchen. So verbuchte die Bierbrauerei Nymburk / Nimburg vergangenes Jahr insgesamt mehr als 150 Millionen Kronen (5,35 Millionen Euro) Umsatz. Dies ist ein Anstieg um sechs Prozent gegenüber 2013. Ein noch größeres Plus verzeichnete der Möbelhersteller Dřejovas aus dem ostböhmischen Svitavy / Zwittau: Sein Umsatz erhöhte sich im Vorjahr um 19 Prozent und lag bei über 120 Millionen Kronen (ca. 4,4 Millionen Euro).