Wirtschafts-Wochenrückblick: 30. Juli bis 5. August

Foto: Ladislav Bába, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Die Krise in der Ukraine könnte sich negativ auf die tschechische Exportindustrie auswirken. 700 bis 1000 Arbeitsplätze seien aufgrund der EU-Sanktionen gefährdet, glaubt Industrie- und Handelsminister Jan Mládek. Dafür hofft Indien auf Investitionen und Knowhow aus Tschechien: Insbesondere tschechische Produzenten von Spitzentechnologie sind in dem asiatischen Land gefragt. Dies sind nur zwei der Wirtschaftsthemen aus der vergangenen Woche. Die Berichte dazu sind im aktuellen WirtschaftsCzech zusammengefasst, es sind Meldungen vom 30. Juli bis 5. August 2014.

Jan Mládek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Republik)
Beim Verband tschechischer Unternehmen in der Rüstungs- und Verteidigungsindustrie zeigt man sich besorgt über mögliche Gegenmaßnahmen Russlands in Reaktion auf die EU-Sanktionen. Russland könne sich mit dem Exportverbot von Rüstungsgütern aus der EU leicht arrangieren, in Tschechien seien deswegen aber viele Firmen bedroht, warnte der Verbandsvorsitzende Jiří Hynek.

Industrie- und Handelsminister Jan Mládek (Sozialdemokraten) glaubt zwar nicht an größere Probleme für die tschechische Wirtschaft. Am Donnerstagabend nach Bekanntgabe des Umfangs der EU-Sanktionen sprach er aber davon, dass 700 bis 1000 Arbeitsplätze hierzulande deswegen gefährdet sein könnten. Für Exporteure nach Russland hat das Ressort daher am Freitag auch online eine Broschüre mit Hinweisen herausgegeben. Demnach müssen Exporteure von sogenannten Dual-Use-Gütern (die zivil und militärisch genutzt werden können) beim Industrieministerium eine Ausfuhrerlaubnis beantragen. Exporteure von Gütern, die unter Umständen auch in der Ölindustrie genutzt werden könnten, müssen entsprechende Anträge beim Finanzministerium stellen.


Foto: Pogaface, Wikimedia CC BY-SA 3.0
Anders als derzeit Russland bietet Indien einen wachsenden Markt für tschechische Unternehmer: Sie sollen helfen, die indische Wirtschaft noch mehr in Schwung zu bringen. Dazu erhofft sich das asiatische Land vor allem Knowhow und Investitionen beim Ausbau der nationalen Infrastruktur, die für die neue Regierung des Landes große Priorität habe. Das erklärte der indische Botschafter in Tschechien, Venkatesan Ashok, jüngst bei einem Seminar vor Wirtschaftsvertretern aus Ostrava / Ostrau.

Zu den Wirtschaftszweigen in Indien, in die auch tschechische Unternehmer investieren könnten, gehören neben Ausbau und Modernisierung der Eisenbahn auch die Stromerzeugung und das System einer Wasserreinigung mittels Kläranlagen. Nach Aussage des Botschafters in Prag suchen indische Unternehmen zudem nach tschechischen Produzenten von Spitzentechnologie, die ihnen eine Plattform für den Export mit Europa anbieten könnten. Ashok nannte auch mehrere große tschechische Firmen, die bereits in Indien tätig sind oder sich für aktuelle Aufträge beworben haben, so Sigma pumpy, Vítkovice, Tatra, Škoda Power Doosan und Škoda Transportation.


Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Raucher müssen in Tschechien noch in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Zigaretten sollen um drei bis vier Kronen pro Zigarettenpackung steigen. Das tschechische Abgeordnetenhaus hatte einer Erhöhung der Verbrauchssteuer auf Zigaretten und Tabakwaren am 30. Juli zugestimmt. Grund dafür ist eine Richtlinie der EU, gemäß der jedes Mitgliedsland mindestens 90 Euro Steuern pro 1000 verkaufte Zigaretten einziehen muss. Wegen des derzeit schwachen Kronenkurses war nun eine Steuererhöhung nötig, weil die EU-Richtlinie die Steuerhöhe in Euro berechnet.

Durch die erneute Erhöhung der Verbrauchssteuer auf Tabakwaren wird der tschechische Staat künftig in etwa 2,8 Milliarden Kronen (103 Millionen Euro) mehr einnehmen als bisher. In diese Berechnung wurde allerdings eine Bevorratung durch die Händler nicht einbezogen. Schon zum 1. Januar 2014 war die Tabaksteuer angehoben worden: Dennoch stiegen die Preise erst ein paar Monate später, da die Händler laut Schätzungen Tabakwaren im Wert von 20 Milliarden Kronen (740 Millionen Euro) noch zu Ende des Vorjahres eingekauft hatten.


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Raucher zahlen in Zukunft mehr, die tschechischen Rentner dagegen müssen Einkünfte aus Nebenjobs künftig nicht mehr besteuern. Das Verfassungsgericht hat am Mittwoch vergangener Woche jenen Teil einer früheren Steuerreform aufgehoben, mit dem arbeitenden Senioren der Steuerfreibetrag aberkannt worden war. Die Richter gaben der Beschwerde einer Gruppe von Senatoren Recht. Bereits für das laufende Jahr 2014 können daher alle arbeitenden Senioren den Steuerfreibetrag geltend machen, ohne Rücksicht darauf, ob sie Rente beziehen oder nicht.

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Die Rentenhöhe liegt in Tschechien bei durchschnittlich 11.000 Kronen, das sind umgerechnet etwa 400 Euro. Viele Senioren, konkret 145.000, arbeiten daher hierzulande weiter, obwohl sie den Ruhestand erreicht haben. Das Durchschnittseikommen der Rentner liegt dank den Hinzuverdiensten daher bei etwa 550 Euro. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt betragen die monatlichen Einkünfte eines Rentners im Durchschnitt 1200 Euro, also mehr als das Doppelte. Die jetzige Wiedereinführung wurde auch vom Seniorenrat der Tschechischen Republik begrüßt. Das Finanzministerium rechnet in diesem Zusammenhang mit einem Rückgang der Staatseinnahmen um etwa 1,7 Milliarden Kronen (62 Millionen Euro).


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Die Supermarktkette Billa setzt laut Landesdirektor Jaroslaw Szczypka verstärkt auf regionale Lebensmittel. Bis 2015 sollen 75 Prozent aller Lebensmittel, die in den Billa-Supermärkten verkauft werden, tschechischer Herkunft sein. Zurzeit kommen 68 Prozent des Sortiments aus Tschechien. Spätestens in drei Jahren sollen regionale Lebensmittel wie beispielsweise Backwaren, Käse und andere Milchprodukte in allen Billa-Filialen angeboten werden. In einigen Supermärkten in Prag soll zudem das Angebot an Delikatessen bedeutend erweitert werden.

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2011 und 2012 verzeichnete das Unternehmen Verluste, voriges Jahr aber schrieb die Rewe-Tochter wieder schwarze Zahlen. Laut Szczypka plant Billa jedes Jahr, acht bis zehn neue Läden in Tschechien zu eröffnen. Zurzeit verfügt die Kette hierzulande über 207 Supermärkte, in diesem Jahr werden vier weitere eröffnet. Billa habe außerdem vor, einen Online-Shop einzurichten. Ein konkretes Datum dafür aber gebe es noch nicht, sagte Szczypka.