Zahl der Dorfläden in Tschechien schrumpft immer weiter

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Die Versorgung der tschechischen Bevölkerung auf dem Land stößt immer häufiger an ihre Grenzen. Der auffälligste Ausdruck dafür ist die beständig schrumpfende Zahl der kleinen Dorfläden. Nur mit dem Geld der wenigen Kunden lassen sich diese Läden nicht halten. Daher greifen immer mehr Gemeinden jetzt zum letzten Strohhalm, in dem sie die Lebensmittelgeschäfte subventionieren.

Zdeněk Strnad (Foto: ČT24)
Vysoká ist eine kleine Gemeinde mit 350 Einwohnern nahe der mittelböhmischen Stadt Příbram. Die Dorfbewohner versorgen sich bereits seit Jahrzehnten in einem kleinen Lebensmittelladen im Ort, der kann aber nur noch durch die Hilfe des Gemeindeamtes weiterbestehen. Für die Vermietung des Gemeindehauses, in dem der Laden ist, verlangt das Amt lediglich den symbolischen Betrag von einer Krone.

„Ein Mietpreis von mehreren tausend Kronen wäre kein echter Gewinn für die Gemeindekasse. Im Gegenteil, um die Dienste des Lebensmittelladens zu erhalten, muss das Geschäft unterstützt werden. Nur das ist wichtig für uns“, sagt Zdeněk Strnad, der Bürgermeister von Vysoká u Příbramě.

Lebensmittelladen in Vysoká u Příbramě (Foto: ČT24)
Dank des Entgegenkommens der Gemeinde ist vor allem den älteren Dorfbewohnern geholfen. Rentner, die sich ein Auto leisten können, müssen so nicht jeden Tag in das fünf Kilometer entfernte Příbram fahren, nur weil sie zum Frühstück frische Hörnchen haben wollen. Die Kosten für den Spritverbrauch wären dabei um einiges höher als der kleine Einkauf selbst. Doch auch Pensionäre, die mit dem Bus in die Bezirksstadt wollten, hätten es nicht leicht, bestätigt Rentnerin Marie Andrýsková:

Jaroslava Ďurišová (Foto: ČT24)
„Der Bus fährt täglich nur am Morgen hin und um 10 Uhr schon wieder zurück. Es ist ziemlich kompliziert, mit dem Bus zu fahren.“

Beim Sortiment kann der kleine Dorfladen freilich nicht mit einem städtischen Supermarkt konkurrieren. Jaroslava Ďurišová, Verkäuferin im Geschäft von Vysoká, sagt aber dennoch:

„Außer Fleisch bekommen die Kunden hier eigentlich alles zu kaufen.“

Fleischerladen auf Rädern in Kosova Hora (Foto: ČT24)
Da Fleisch frisch sein sollte, dafür aber ein größerer Lagerraum benötigt wird, muss im Fall der Dorfläden eine andere Lösung gefunden werden. Wie zum Beispiel in Kosova Hora, einem nicht weit entfernten Dorf im Bezirk Příbram. Im Ort und dessen Umgebung kommt mehrmals in der Woche der Fleischerladen auf Rädern vorbei – ein Angebot, das die Einwohner sehr schätzen. Einer der Fleisch verkaufenden Kleintransporter-Fahrer ist František Spilka:

„Wir fahren zehn bis zwölf Gemeinden an. Wir liefern dreimal in der Woche, und zwar am Mittwoch, Donnerstag und Freitag.“



Bäckerei in Kovářov (Foto: ČT24)
In anderen ländlichen Kommunen, wie im Umfeld von Písek in Südböhmen, übernehmen die Verkaufsläden kleinerer Lebensmittelproduzenten die Versorgung der Bevölkerung. Dazu gehören beispielsweise die Geschäfte der Bäckerei in Kovářov oder der Minimolkerei in Mlaka. Trotz all dieser Initiativen aber haben es die „krámy“ – wie die Tschechen diese kleinen Läden nennen – weiter schwer, im harten Konkurrenzkampf zu bestehen. Sichtbarer Beleg dafür sind diese Daten: Gab es im Jahr 2000 noch über 10.600 dieser Dorfläden, so ist ihre Zahl bis heute auf 7256 gesunken. Das ist fast ein Drittel weniger als noch vor 14 Jahren.