Zeman attackiert tschechische Journalisten

Milos Zeman (rechts), Foto: CTK

Sie sind es schon gewohnt von ihm als "Pinscher" oder "Jauchegrube" bezeichnet zu werden. Doch am Dienstag fügte der tschechische Premier, Milos Zeman, in seiner Abschiedsrede vor dem Abgeordnetenhaus noch ein paar weitere Nettigkeiten an die Adresse der tschechischen Journalisten hinzu. Olaf Barth berichtet.

Milos Zeman (rechts), Foto: CTK
Gegenüber den versammelten Volksvertretern brachte Zeman seine Überzeugung zum Ausdruck, der Tschechischen Republik drohe eine "Mediokratie", eine permanente Rebellion der Unfähigen. Dieses System werde von unfähigen Unternehmern, unfähigen Politikern und unfähigen Journalisten geschaffen, die gemeinsam darum bemüht seien, den Einfluss der freien Wahlen zu schwächen und statt dessen lieber hinter den Kulissen manipulierten, dozierte Zeman.

Doch der scheidende Premier, der für seine negative Einstellung und deftigen Äußerungen gegenüber Medienvertretern bekannt ist, wollte sich anscheinend ein Denkmal der besonderen Art setzen und gipfelte darum in der Beleidigung (ZITAT): "Das dämlichste Geschöpf der Erde ist gegenwärtig der tschechische Journalist".

Wie die Vertreter der hiesigen Journalistenzunft darauf reagieren, fragte ich Radko Kubicko, den stellvertretenden Vorsitzenden des Journalistensyndikats:

Milos Zeman (links), Foto: CTK
"Wir haben dazu eine Erklärung herausgegeben, aus der ich nun ein Stück zitieren werde, weil dies unseren Standpunkt gut trifft: 'Es hätte uns, den Journalistenverband, sehr überrascht, wenn Premier Zeman seine Abschiedsrede nicht dazu genutzt hätte, eines seiner beliebten Bonmots an die Adresse der Journalisten zu richten. Es passt einfach zu dem Bild, dass er seit Jahren von sich geliefert hat. Nichtsdestoweniger, die tschechischen Journalisten sind Bürger wie alle anderen auch und genauso wie man nicht behaupten kann, dass alle tschechischen Politiker dämlich sind, darf man dies auch nicht über Journalisten sagen..."

Auch Pressevertreter seien selbstverständlich nicht unfehlbar. Wenn es zu Fehlern komme, könne man über diese sachlich diskutieren oder sich an die Ethikkommission des Journalistenverbandes wenden. Aber ein solches Pauschalurteil dürfe sich ein Regierungschef einfach nicht erlauben, meint Kubicko.

Weitere rechtliche Schritte schließt er allerdings aus:

"Ich denke, diese Mode, immer gleich zu klagen, ist nicht in Ordnung. Man sollte diese Angelegenheiten in direkten Diskussionen zwischen den Beteiligten, bzw. Betroffenen regeln und nicht vor Gericht."

Wirklich bedenklich stimmt aber, dass Milos Zeman für seine Rede auch noch allgemeinen Beifall der Mandatsträger erntete. Und so äußerten sich auch zahlreiche Oppositionspolitiker. Der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten, Jan Kasal, merkte z.B. an, der Premier habe mit dem Gesagten in vielerlei Hinsicht Recht, habe allerdings vergessen zu erwähnen, dass es auch ehrliche Journalisten gebe. Dem stellvertretenden Vorsitzenden der ebenfalls oppositionellen ODS, Jan Zahradil, gefiel gar der Ausdruck Mediokratie gut und der kommunistische Fraktionschef Vojtech Filip urteilte, der Regierungschef habe viel Wahres gesagt, denn das Problem im Informationszeitalter liege darin, welche Informationen die Bürger bekämen.

Möglicherweise ist es ja so, dass manche Politiker sich der Bedeutung der von ihnen so viel genutzten Schlagwörter Demokratie und Meinungsfreiheit nicht so ganz bewusst sind.

Autor: Olaf Barth
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