Zusammenbruch von Private Investors

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Die Gesellschaft Private Investors, in Tschechien bekannt als grösste Firma für den Handel mit amerikanischen Aktien, hat ihren Konkurs beantragt. Aus einer dürren Pressemitteilung ging hervor, dass die Gesellschaft nicht mehr in der Lage sei, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Finanzexperten schliessen aber die Möglichkeit nicht aus, dass es zu betrügerischen Machenschaften gekommen ist. Mehr dazu von Rudi Hermann im folgenden Beitrag.

Die Nachricht vom Zusammenbruch der Investitionsgesellschaft Private Investors schlug in der tschechischen Wirtschaftswelt wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Denn noch im Februar hatte das Unternehmen sein Jahresergebnis für das Jahr 2000 vorgestellt, und diese Zahlen hatten günstig ausgesehen: Umsatz 140 Millionen Kronen, Reingewinn 11 Millionen Kronen, Handel mit amerikanischen Aktien auf fremde Rechnung mit einem Volumen von 17.2 Milliarden Kronen. Private Investors beschäftigte im Februar 80 Angestellte und hatte zwei Tochtergesellschaften, Online Investors und Online Investors Slovakia.

Als Grund für die Anmeldung des Konkurses gab die Firma Private Investors an, auf Grund der Entwicklung der amerikanischen Aktienmärkte ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können. Die Verbindlichkeiten von Private Investors werden von der Kommission für Wertpapiere, dem Aufsichtsorgan für den Wertpapierhandel, auf 350 Millionen Kronen geschätzt, wobei die Sprecherin der Wertpapierkommission, Rakda Prochazkova, sich auf Angaben des Unternehmens berief. Die Wirtschaftszeitung Hospodarske noviny schrieb allerdings, unter Experten bestehe die Befürchtung, die Schulden könnten bis 18 Millionen Dollar, umgerechnet also etwa 700 Millionen Kronen, ausmachen.

Die von Privte Investors angegebene Begründung, auf Grund der Entwicklung der amerikanischen Aktienkurse in Zahlungsschwierigkeiten gekommen zu sein, löste allerdings unter einigen Fachleuten Stirnrunzeln aus. Der Direktor für Portfoliomanagement einer in Prag tätigen ausländischen Bank meinte gegenüber der Zeitung Hospodarske noviny, ein Nachlassen der Kurse sollte sich zwar auf den Vermögenswert der Investoren auswirken, denen die Investitionsgesellschaft das Aktienkonto verwaltet, nicht aber auf die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft als solcher. Das Geld des Unternehmens und der Klienten sollte klar getrennt sein, meinte der Bankexperte.

Deshalb stellt sich die Frage, die in Tschechien, nach all den unseligen Erfahrungen mit zusammengebrochenen Finanzhäusern, immer zuerst gestellt wird - ob es nicht um Betrug geht. Die Tatsache, dass niemand vom Management von Private Investors nach der Anmeldung des Konkurses telefonisch für eine Stellungnahme zu erreichen war, liess selbstverständlich Gerüchte in Umlauf kommen. Der Chef der Wertpapierkommission, Frantisek Jakub, bezeichnete in einem Gespräch für die Tageszeitung Mlada Fronta dnes das Verhalten der Manager von Private Investors bei der Anmeldung des Konkurses als eher seltsam. Er könne auch nicht sagen, ob die Aktien, mit denen spekuliert worden war, der Gesellschaft oder den einzelnen Anlegern gehörten. Jakub erklärte, nach dem Konkursantrag seien als erstes die Wertpapier- und Bankkonten blockiert worden. Der Eingang zu den Räumlichkeiten der Firma sei versiegelt und unter Bewachung gestellt worden. Dennoch traue er sich nicht, zu sagen, ob und in welchem Zustand man die Bücher vorfinden werde. Wenn aber etwas entfernt worden sei, dann handle es sich um einen Gesetzesbruch auf der strafrechtlichen Ebene, auf den man natürlich angemessen reagieren werde.

Den Anlegern, die über die Gesellschaft Private Investors in amerikanische Aktien investierten, bleibt die Hoffnung auf Entschädigungszahlungen durch den für solche Fälle zuständigen Garantiefonds. Entsprechende Ansprüche können sie auf der Grundlage des Gesetzes über die Wertpapiere beim Fonds deponieren. Der Fonds sollte 90 % der angelegten Mittel auszahlen, allerdings nur bis zu einer Gesamthöhe von 400 000 Kronen. Auch geschieht die Auszahlung nicht sofort, sondern erst mit einigen Monaten Verzögerung.

Autor: Rudi Hermann
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