50 Jahre lang verfolgt: Ausstellung über Kollektivierung der Landwirtschaft

Foto: Archiv des Instituts für das Studium totalitärer Regime

Die gewaltsame Kollektivierung in der Landwirtschaft wurde in den 1950er Jahren in der Tschechoslowakei sehr gründlich durchgeführt. Den Bauern wurde ihr Eigentum geraubt, viele von ihnen wurden ins Gefängnis geschickt. Eine Ausstellung über den Bauernstand in der NS-Zeit und während des Kommunismus wurde im Prager Landwirtschaftsmuseum eröffnet.

Kollektivierung  (Foto: Archiv des Instituts für das Studium totalitärer Regime)
Fotografien, Dokumente, Gegenstände sowie historische Filmaufnahmen sind in der Ausstellung zu sehen. Während der NS-Okkupation waren die Bauern gezwungen, hohe Abgaben an die Besatzer zu entrichten. Diese waren häufig so hoch, dass die Bauern auch noch um ihre Häuser kamen. Ihr Eigentum bekamen sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Sie konnten es aber nur sehr kurz nutzen. Im Februar 1948 kamen die Kommunisten an die Macht in der Tschechoslowakei. Die Bauern waren ihnen ein Dorn im Auge. Zeitzeuge Miroslav Vodňanský dazu:

„Vor der Ernte 1948 wurde alles wieder beschlagnahmt, auch wenn der damalige Ministerpräsident Gottwald behauptete, dass keine landwirtschaftliche Genossenschaften oder Kolchose errichtet würden.“

Die Kommunistische Partei wollte jedoch die Autorität der einflussreichen Bewohner auf dem Lande untergraben und damit die Stellung der Kommunisten festigen. Historiker Jiří Urban arbeitet im Institut für das Studium totalitärer Regime:

Gut der Familie Vodňanský  (Foto: Archiv der Familie Vodňanský)
„Das Ministerium der nationalen Sicherheit hat in der Zusammenarbeit mit den Parteifunktionären in den Regionen immer eine betroffene Bauernfamilie ausgesucht. Diese wurde dann im Rahmen der Durchsetzung der Kollektivierung verurteilt.“

Die verurteilte Familie durfte bei der Zwangsübersiedlung nur das Allernotwendigste von ihrem Grund mitnehmen, erinnert sich Miroslav Vodňanský:

„Jeder bekam, was er gerade wollte. Jemand wollte Pferde haben, jemand zwei Hektar und ein anderer fünf Hektar Ackerboden. Alles wurde verteilt, sodass am Abend nichts mehr übrig blieb.“

Jiří Urban  (Foto: Archiv des Instituts für das Studium totalitärer Regime)
Die Worte des Zeitzeugen bestätigte auch Historiker Urban:

„Der Neid der Menschen, die sich dafür einsetzten, dass die Bauernfamilie aus dem Dorf vertrieben wurde, ging weit. In dem Moment, wo es zur Aussiedlung der Familie kam, rissen sie wie Geier alles an sich, was vor Ort vom Grundbesitzer und seiner Familie übrig war.“

Die Kollektivierung der Landwirtschaft stieß auf den Widerstand der Bauern. Das kommunistische Regime reagierte darauf mit harten Repressionen. Ein ähnliches Schicksal wie viele andere hatte auch die Familie von Václav Švéda. Er entschied sich, gegen das kommunistische Regime zu kämpfen und schloss sich der Widerstandsgruppe der Brüder Mašín an. Er habe versucht, mit ihnen zu flüchten, erinnert sich seine Tochter Ludmila Zouharová:

Die Ausstellung über die Verfolgung des Bauernstandes ist im Prager Landwirtschaftsmuseum bis 30. September dieses Jahres zu sehen. Das Museum ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

„In Ostdeutschland wurde er angeschossen und verbrachte 16 Monate in Haft. Danach wurde mein Vater zum Tode verurteilt und hingerichtet.“

Ihr Eigentum bekamen die Bauernfamilien erst nach der Wende von 1989 wieder zurück. Nach mehr als 40 Jahren kommunistischer Verwaltung befand es sich oft in einem erbärmlichen Zustand.