50 Jahre „Liebe nach Fahrplan“ – Ausstellung zum Oscar-Film in Prag

Foto: Martina Schneibergová

Vor 50 Jahren landete Jiří Menzel erstmals mit einem Film einen Welterfolg: Damals wurde „Liebe nach Fahrplan“ uraufgeführt. Die Handlung spielt auf einem tschechischen Bahnhof am Ende des Zweiten Weltkriegs. Für den Streifen erhielt Menzel später den Oscar. Nun wurde im Nationalen Technikmuseum in Prag dazu eine Ausstellung konzipiert.

Foto: Martina Schneibergová
Auf zwei Bildschirmen laufen Ausschnitte aus Jiří Menzels Oscar-Film. Vor den Plakaten und Fotos hängt die blaue Eisenbahneruniform, die der Hauptheld, Bahnamtsanwärter Miloš Hrma im Film trug. In der Verkehrshalle des Technikmuseums sind zudem Modelle von Lokomotiven, ein historischer Telegraphenapparat und weitere Geräte zu sehen. Sie erinnern an die Atmosphäre im Film „Liebe nach Fahrplan“. Museumsleiter Karel Ksandr:

„Der Film behandelt ein Thema, das dem Technikmuseum nahe steht, nämlich das der Eisenbahn. Darum wird die Ausstellung gerade hier inmitten unserer monumentalen Exponate gezeigt. In unseren Sammlungen befindet sich zudem die Draisine, mit der der Bahninspektor im Film gefahren ist. Sie ist auch in der Ausstellung zu sehen. Mir bedeutet der Streifen sehr viel, weil er sehr menschlich ist, auch wenn er eine schwere Zeit beschreibt.“

Jiří Menzel  (Foto: Martina Schneibergová)
Regisseur Jiří Menzel hat auch seine Oscar-Statue dem Museum geliehen, diese hatte er 1968 für „Liebe nach Fahrplan“ erhalten. Er sei dankbar für die Ausstellung, sagte der Filmemacher:

„Als ich mit dem Kameramann Jaromír Šofr damals zu drehen begann, haben wir nicht geahnt, dass man sich den Film auch 50 Jahre später noch anschauen wird. Wir hatten aber Glück, was die literarische Vorlage von Bohumil Hrabal sowie die sehr guten Schauspieler betrifft. Der Film entstand zwar während des kommunistischen Regimes, aber in einer Zeit, die im Vergleich mit den 1950er Jahren entspannter war. Bohumil Hrabal durfte publizieren. Und es war damals auch eine glückliche Ära des tschechischen Films. ‚Liebe nach Fahrplan‘ durfte auch im Ausland und damit sogar in den USA gezeigt werden. Er hat den Oscar erhalten. Aber es gibt viele gute Filme, und andererseits sind viele Oscar-Filme nicht gut. Ich bin zurückhaltend in dieser Hinsicht. Es freut mich jedoch, dass ich den Oscar habe.“

Foto: Martina Schneibergová
Michal Novotný leitet die Sammlungen zur Eisenbahn des Prager Technik-Museums. Er hat die Ausstellung zusammengestellt. Die Draisine aus dem Oscar-Film durfte Novotný zufolge in der Schau nicht fehlen:

„Schwieriger war es, weitere Exponate zusammenzutragen, die die damalige Zeit auf einem kleinen Bahnhof dokumentieren sollten. Aus dem Grund zeigen wir einige kleinere Modelle von Lokomotiven, die während der NS-Zeit vermutlich im ‚Protektorat Böhmen und Mähren‘ gefahren sind. Wir Bahnexperten schätzen an dem Film, dass er sehr präzise die Atmosphäre auf einem Bahnhof mit allen Details vermittelt, einschließlich des Bahnbüros.“

Oscar  (Foto: Martina Schneibergová)
Der Oscar, den Regisseur Menzel dem Museum geliehen hat, steht in der Eingangshalle.

Die Ausstellung über den Film „Liebe nach Fahrplan“ ist im Nationalen Technikmuseum noch bis 30. April 2017 zu sehen. Das Museum ist täglich außer montags von 9 bis 17.30 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.