50 Jahre Radio Freies Europa

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Schon ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Radio Freies Europa seine ersten Sendungen in den Äther blies. Damals noch aus mobilen Anlagen, die sich um die tschechoslowakische Grenze herumbewegten. Mehr zur Geschichte des Senders von Alexandra Klausmann.

Die kommunistische Propaganda zu durchbrechen war die Aufgabe von Radio Freies Europa. Der Sender, mit Sitz in München, wurde vor fünfzig Jahren auf Initiative der amerikanischen Regierung gegründet und vom amerikanischen Kongress finanziert. Dabei bei der Gründung der tschechoslowakischen Redaktion waren Persönlichkeiten, wie Pavel Tigrid und Ferdinand Peroutka und weitere Emigranten, die nach der Wende 1989 wichtige Positionen in der tschechischen Politik einnahmen zum Beispiel, Ivan Medek oder Egon Lansky. Die Redakteure des Senders bestanden fast ausschliesslich aus Emigranten, die nicht nur der Sprache ihres Landes mächtig waren, sondern auch die Zustände und die Mentalität dort sehr gut kannten.

Kein Wunder, dass Radio Freies Europa den kommunistischen Machthabern ein Dorn im Auge war, denn nicht einmal sie konnten Äther und Kurzwellen kontrollieren. Deshalb versuchten sie, wenigstens den Sender einzuschüchtern. Im Februar 1981 explodierte eine Bombe im Münchner Sendegebäude, die Täter wurden allerdings nie ausfindig gemacht. Die Redakteure von Radio Freies Europa waren aber auch individuellen Anschlägen ausgesetzt. Im Jahre 1954 wurde der Leiter der azerbaidschanischen Redaktion ermordet, ein belorussischer Redakteur ertrank unter misteriösen Umständen, ein bulgarischer Korrespondent wurde in London umgebracht.

Im Oktober 1993 bot die Tschechische Republik dem Sender an, nach Prag überzusiedeln. Der nahm, aus Kostengründen das Angebot an, denn mit dem Ende des Ostblocks versiegten auch die Finanzquellen aus den USA, im Jahre 1996 ganz. Setdem fliessen die Gelder des Senders nun hauptsächlich aus den Taschen amerikanischer und tschechischer Unternehmen und Stiftungen.

Vor zwei Jahren rückte der Sender wieder in den Mittelpunkt des Interesses als er beschloss auch in den Iran und Irak zu senden, die beide dagegen scharfe Proteste einlegten. Aus Angst vor Anschlägen musste ein Kompromiss gefunden werden: während die Redaktion ihren Sitz in Prag hat, befinden sich die Sendeanlagen ausserhalb Tschechiens. Das neueste Projekt von Radio Freies Europa sind Sendungen auf albanisch für Bewohner des Kosovo. In den 50 Jahres seines Bestehens hat sich beim Radiosender so einiges angesammelt: Im Archiv von Radio Freies Europa an der amerikanischen Stanford University, befinden sich 61 Tausend Tonbänder und 7,5 Millionen Seiten von Sendetexten und weiteren Dokumenten.

Autor: Alexandra Klausmann
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