„Etwas für die Freiheit unseres Volkes tun“ – 60 Jahre Radio Freies Europa

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Radio Freies Europa (RFE) – das war sozusagen die Propagandawaffe der Amerikaner gegen den Kommunismus. Am 1. Mai 1951 begann RFE aus München zu senden, von Anfang an war eines der Zielländer die damalige Tschechoslowakei. Heute hat der Sender seinen Sitz in Prag und gerade in der tschechischen Hauptstadt wird in diesen Tagen auf unterschiedliche Weise an den Start der Sendungen vor 60 Jahren erinnert. Im Folgenden mehr über Radio Freies Europa, unter anderem aus den Erinnerungen früherer Mitarbeiter.

Sitz des Radios seit 2008 (Foto: Khalil Baalbaki, Tschechischer Rundfunk)
„Es meldet sich die Stimme der freien Tschechoslowakei, Sie hören den Rundfunksender Freies Europa“– so lauteten in der Übersetzung die legendären Worte am 1. Mai 1951. Mit den Vorbereitungen für den Sender hatten die Amerikaner bereits Ende der 40er Jahre begonnen. Radio Freies Europa galt als Antwort auf den Eisernen Vorhang, mit dem die Sowjetunion ihren Einflussbereich abgesteckt hatte. Die Amerikaner sahen das Radio als einzige Möglichkeit, um hinter den Vorhang zu gelangen. Das sollte in den Landessprachen geschehen, und deswegen wurden Mitarbeiter auch unter den tschechoslowakischen Exilanten gesucht.

Vladimír Beneš (links). Foto: Karel Michal, Tschechischer Rundfunk
„Ich bin im Jahr 1951 zu Radio Freies Europa gekommen, kurz nach Start der Sendungen. Ich war in einem Lager vor allem für Studenten in Ludwigsburg. Als der Sender anfing zu senden und verschiedene Leute brauchte, sind sie auch in die Lager gekommen, haben gefragt und eine Probe gemacht, ob sich jemand als Sprecher eignet“, erinnert sich Vladimír Beneš, der 1948 aus der Tschechoslowakei geflohen war.

Beneš wurde dann aber kein Sprecher, sondern fand Platz im Produktionsteam von RFE. Über 40 Jahre lang war er dort beschäftigt.

Tibor Molek (Foto: Šárka Ševčíková, Tschechischer Rundfunk)
Tibor Molek war nach der Machtergreifung der Kommunisten von der Universität geflogen. 1952 floh er unter dramatischen Umständen aus Bratislava. Auch er fand Arbeit bei RFE:

„Ich war seelisch und psychisch zufrieden, dass ich damit etwas für die Freiheit unseres Volkes tun kann – der Kampf gegen den Kommunismus.“

Diesen Kampf muss die Führung in Prag auch tatsächlich als Gefahr empfunden haben. Das Regime suchte nach Wegen, um die Sendungen zu stören. Die Kommunisten taten sich dabei schwer, zumindest am Anfang, wie der Historiker Jiří Pernes sagt:

Jiří Pernes
„Ab 1953 gelang es ihnen aber, die Ausstrahlung von Radio Freies Europa zumindest in allen größeren Städten zu stören. Wirklich aber nur in den größeren Städten und dem Umland. Wenn man aufs Land fuhr oder dort wohnte, dann konnte man die Sendungen mehr oder weniger ungestört verfolgen.“

Die Amerikaner reagierten wiederum, indem sie auf der Kurzwelle die Frequenzen wechselten. Natürlich versuchte Prag auch den Sender zu unterwandern, bekannt ist die Affäre Minařík. So hieß ein späterer Agent, der in den 70er Jahren bei RFE als Sprecher beschäftigt war. Aber auch allgemein waren die Angestellten des Senders in Gefahr. 1981 explodierte sogar eine Bombe in der tschechoslowakischen Redaktion, es gab drei Verletzte. Nicht einmal während der Reformbewegung 1968, dem Prager Frühling, getrauten sich die Angestellten, in ihre Heimat zu fahren:

„Das war nicht möglich, wir waren die Feinde Nummer eins. Niemand hat das gewagt, würde ich sagen“, so Beneš.

Er und seine Kollegen konnten deswegen erst nach 1989 wieder ihre eigentliche Heimat besuchen. Ganz zurückgegangen sind Vladimír Beneš und Tibor Molek aber nicht, beide leben bis heute in München.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs war indes die Aufgabe der tschechoslowakischen Sendungen erst einmal erfüllt. Dennoch wurden sie aufrecht erhalten. Erst Kostengründe führten zur Einstellung im Jahr 2002. Zu diesem Zeitpunkt hatte Radio Freies Europa seinen Sitz bereits von München nach Prag verlagert. Heute sendet RFE aus der tschechischen Hauptstadt vor allem in den Nahen Osten.