800. Jubiläum der heiligen Agnes von Böhmen – Kardinal Meisner las Messe im Prager Veitsdom

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Vor allem die Christen in Tschechien halten jenes Ereignis für ein Vorzeichen der Samtenen Revolution: Die Heiligsprechung von Agnes von Böhmen fand in Rom nämlich am 12. November 1989 statt, also kurz vor den Demonstrationen, die den politischen Umsturz ins Rollen brachten. In diesem Jahr sind 800 Jahre seit der Geburt der heiligen Agnes vergangen. Mit einem festlichen Gottesdienst erreichten die Feierlichkeiten zum Agnes-Jubiläum am Samstag im Prager Veitsdom ihren Höhepunkt. Den Gottesdienst zelebrierte der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner.

Agnes von Böhmen
An dem Gottesdienst zum Gedenken an die heilige Agnes nahmen im Veitsdom nicht nur kirchliche Würdenträger und Vertreter der Regierung teil, sondern auch viele Vertreter karitativer Organisationen. Denn die Přemyslidenprinzessin Agnes ist durch ihr Engagement für Kranke und notleidende Menschen bekannt geworden. Nicht zufällig wurde der Kölner Erzbischof vom Papst zu dem Jubiläum nach Prag entsandt. Denn Kardinal Meisner hat eine besondere Beziehung zu Tschechien. Zu kommunistischen Zeiten weihte er als Bischof von Erfurt-Meiningen geheim einige Priester aus der Tschechoslowakei.

Kardinal Meisner erinnerte in seiner Predigt im Veitsdom unter anderem an die internationale Dimension der Tätigkeit der hoch gebildeten Přemyslidin. Agnes war Tochter des böhmischen Königs Přemysl Ottokar I. und Cousine der ungarischen Prinzessin, der heiligen Elisabeth, die als eine der Hauptpatroninnen Deutschlands gilt, so Joachim Meisner:

Joachim Meisner (Foto: ČTK)
„Die heilige Agnes wurde – wie ihre Cousine Elisabeth – zur barmherzigen Samariterin der armen Leute und zum Engel der Rechtlosen durch ihren Einsatz und durch ihre Fürsprache bei ihrem königlichen Bruder. Die bewegte politische und kirchenpolitische Geschichte Böhmens und Mährens sind verantwortlich, dass es nicht wie bei Hedwig und Elisabeth zu einer baldigen Heiligsprechung kam, aber sie blieb im Gedächtnis und den Herzen der Bewohner Böhmens und Mährens immer präsent.“

Erst 1874 wurde Agnes von Böhmen seliggesprochen. Unter den tschechischen Gläubigen wurde jahrzehntelang erzählt, dass nach einer Heiligsprechung von Agnes glückliche Tage für ihre Heimat anbrechen würden. Unter anderem auf Initiative des damaligen Prager Kardinals František Tomášek gelang es, den Prozess der Heiligsprechung zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

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Joachim Meisner war am 12. November 1989 in Rom dabei. Im Petersdom habe er unter den Priestern im Ornat auch einige der von ihm heimlich geweihten tschechoslowakischen Priester entdeckt. Er habe Angst gehabt, dass sie nach der Rückkehr nach Prag eingesperrt würden, erzählt der Kardinal. Sie hätten ihm jedoch geantwortet, dass sie nicht mehr in die Katakomben gehen, sondern als Priester Gottes zurückkehren: Wenn die selige Agnes von Böhmen heiliggesprochen werde, dann bräche eine neue, bessere Zeit für unser Volk und unser Land an, hätten die Priester ihm damals gesagt. Und dies hat Kardinal Meisner nicht vergessen:

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„Dieses Ereignis, das die Wende ankündigte, hat mich als DDR-Bürger und späteren Bischof von Berlin hier in Rom emotional tiefer berührt als der Fall der Berliner Mauer. Präzise fünf Tage nach den Feierlichkeiten in Rom kam es am 17. November zur so genannten Samtenen Revolution in Prag, und am 23. April 1990 konnte der Heilige Vater, der selige Papst Johannes Paul II., den ersten Besuch in einem ehemals kommunistischen Land nach der Wende in Prag machen. Als ihn am Prager Flughafen Präsident Václav Havel begrüßte, hat der Präsident – wie bekannt - gesagt: ´Heiliger Vater, ich weiß nicht, was ein Wunder ist. Aber dass Sie heute bei uns in Prag sind, ist ein Wunder!´“

So Joachim Kardinal Meisner während des Gottesdienstes zum 800. Jubiläum der heiligen Agnes von Böhmen.