Aida an der Eger - der Kultursommer in Loket

Burg Loket (Foto: CzechTourism)

Die Burg steht auf einem Felsen, der auf drei Seiten vom Fluss Ohře / der Eger umflossen wird. Aus dem Grund wird der Ort mit der mittelalterlichen Burg Loket / Ellbogen genannt. Die einzigartige Landschaftskulisse mit dem romantischen Bauwerk im Hintergrund inspirierte die kulturinteressierten Bewohner vor etwa 60 Jahren dazu, unterhalb der Burg eine Freilichtbühne zu errichten. Theater wurde dort jedoch nur etwa zehn Jahre lang gespielt. Mit der Zeit fiel die Open-Air-Bühne von Loket der Vergessenheit anheim. Um die Wiederbelebung des Theaterlebens unterhalb der Burg an der Eger machte sich nach der Wende von 1989 der tschechische Opernsänger Jan Ježek verdient.

Burg Loket (Foto: CzechTourism)
Bereits zum 9. Mal kann man im Juli unterhalb der Burg Loket Opernvorstellungen sehen, die auch dank der umliegenden Landschaft unvergesslich bleiben. Auf dem Programm stehen, wie der Initiator des Festivals von Loket, Jan Ježek sagt, sechs Opernvorstellungen und drei Konzerte:

„Eine traditionelle Vorstellung ist für uns Dvořáks Rusalka – allein aus dem Grund, dass im Jahre 1949 diese Freilichtbühne eben mit einer Rusalka-Vorstellung eröffnet wurde. Ich würde empfehlen, dass, wer Loket besuchen will, mit Rusalka anfangen und dann weitere unserer Inszenierungen besuchen sollte. In diesem Jahr wird zudem Smetanas Verkaufte Braut gespielt, die vor einem Jahr neu inszeniert wurde. Denn wir halten uns daran, dass wir die neu inszenierte Oper auch noch im nächsten Jahr aufführen. Neu wird dieses Jahr Verdis Aida gespielt. Auf der Bühne wird übrigens auch ein Kamel nicht fehlen. Man könnte vielleicht darüber diskutieren, ob gerade diese Oper ins Milieu unterhalb der Burg passt. Aber wir haben sehr gute Solisten für die Inszenierung ausgesucht. Da ich selbst auch Opernsänger bin, habe ich versucht Sänger anzusprechen, die mir am besten gefallen haben. Mein Wunsch hat sich inzwischen erfüllt, nämlich dass die Solisten von alleine Interesse bekunden, in Loket aufzutreten.“

Sopranistin Helena Kaupová wird in Loket nicht zum ersten Mal singen. Sie hat sowohl die Hauptrolle in der Rusalka als auch in der Verkauften Braut übernommen. Sie sagt, es sei ein großer Unterschied, im Theater oder auf einer Open-Air-Bühne zu singen, aber sie gehe das Risiko gern ein.

„Ich meine, dass wir alle Profis sind, und wir müssen uns auch in verschiedenen unerwarteten Situationen behelfen können. Auf der improvisierten Bühne in der Prager Šárka habe ich erlebt, dass über die Bühne Zuschauer marschiert sind, die zu spät gekommen sind, oder dass ab und zu ein Hund zu uns auf die Bühne rannte. Man nimmt es eben so hin, dass man ein Bestandteil der Natur ist. Es hat seinen Zauber, auf der Freilichtbühne zu singen, und wenn ich Zeit habe, mache ich gern mit.“

Über lustige Erlebnisse von den Open-Air-Inszenierungen könnte Helena Kaupová schon ein Buch schreiben, wie sie sagt. Eine Geschichte aus Loket ließ ich mir jedoch von ihr erzählen:

„Einmal mussten wir in Loket wegen eines Gewitters die Rusalka-Vorstellung plötzlich abbrechen. Es kam zu einem Stromausfall, und alle Sänger und Zuschauer rannten zum Parkplatz zu den Autos. Ich habe mich im Kostüm der Rusalka in mein Auto gesetzt. Dann habe ich eine ältere Frau mit Stock gesehen und ich habe ihre angeboten, sie mit dem Auto mitzunehmen. Sie hat mich angeguckt und sagte: ´Sie sind diese Rusalka! Können Sie mir sagen, wie diese Oper eigentlich endet?´ ´Na, es hat ein schlechtes Ende.´ ´Wieso?´ hat die Frau gefragt. ´Die Rusalka wird ihn ertränken.´ ´Da tut es mir gar nicht Leid, dass ich die Oper nicht mehr zu Ende sehen werde, wenn es so schlimm endet,´ sagte sie. Aber die Musik, sagte ich, ist doch trotz des schlechten Endes sehr schön.“

Viele der Zuschauer kommen regelmäßig nach Loket. Es gibt Opernfans, die sich keine der Neuinszenierungen entgehen lassen, sagt der Initiator und Leiter des Festivals Jan Ježek.

„Was Dvořáks Rusalka anbelangt, die schon traditionell zum Kultursommer in Loket gehört, so gibt es Leute, die jedes Jahr kommen, um diese Oper zu sehen. Dank unserer Zusammenarbeit mit den Reisebüros und auch dank unseren Webseiten gewinnt das Festival auch unter den ausländischen Opernfans an Popularität. Heutzutage kommen etwa 25 Prozent der Besucher aus dem Ausland. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Theaterbesucher, die aus den nahe gelegenen Regionen Bayerns und Sachsens kommen, wie man annehmen könnte. Es kommen oft Opernfans aus Wien, Berlin, Hamburg sowie aus der Schweiz und auch die Zahl der japanischen Besucher steigt. Ich bin froh, dass das Festival nicht mehr nur ein regionales Kulturereignis ist, sondern dass es wirklich allmählich international bekannt geworden ist. In den letzten Jahren sind auch Theaterfans aus den USA im Publikum aufgetaucht.“

Inzwischen haben die Festivalveranstalter angefangen, mit ausländischen Theatern zusammenzuarbeiten. Jan Ježek meint, dass ab dem nächsten Jahr der Kultursommer in Loket mit Recht als ein internationales Festival bezeichnet werden kann.

„Wir wollen einerseits mit dem Theater in Plauen zusammenarbeiten. Und vor allem möchten wir mit dem Festival der Barockoper in Bayreuth näher kooperieren, und zwar nicht nur bei Aufführungen von Barockopern, sondern auch bei der Weiterbildung junger Musiker. Gemeinsam könnten wir während des Sommers Meisterkurse für junge Sänger und Musiker organisieren.“

Wenn es den Veranstaltern gelingt, ihre Pläne zu verwirklichen, wird die Zahl der Opernvorstellungen sowie der Festivalkonzerte in den nächsten Jahren steigen. Geplant ist zudem eine gemeinsame tschechisch-norwegische Opernvorstellung, die wahrscheinlich 2011 in Kooperation mit dem Festival in Halden entstehen wird.

Jan Ježek ist für viele Prager Theaterbesucher vor allem der „Jean Valjean“ aus dem Musical Les Misérables. Es kann sein, dass auch dieses Musical mal in Loket erklingen wird. Denn dies ist einer der Wünsche von Jan Ježek.

„Es ist bestimmt nicht verwunderlich, dass ich eine besondere Beziehung zu diesem Musical habe. Ich habe Jean Valjean bei den Prager Premieren sowohl im Jahre 1992, als auch im Jahre 2003 gesungen. Obwohl ich mit dem Thalia-Theaterpreis für etwas anderes ausgezeichnet wurde, ist Jean Valjean für mich im Musicalgenre eine Herzensangelegenheit. Aus dem Grund würde ich Les Misérables gern in Loket aufführen – wenigstens als ein Konzert. Hoffentlich klappt es binnen zweier Jahre.“

Der Kultursommer in Loket beginnt am 11. Juli und wird bis zum 26. Juli dauern. Mehr über das Festival erfahren Sie unter: www.loketfestival.info .

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