Aids und HIV-Ansteckung in Tschechien nehmen zu – Junge Leute wenig aufgeklärt

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Die Tschechische Republik gehört weiter zu den Ländern, in denen die Verbreitung des HIV-Virus vergleichsweise niedrig ist. Dennoch ist seit dem Jahr 2012 ein Trend zu beobachten, der alarmierend ist. Die Zahl der Neuansteckungen ist seither jährlich auf neue Rekordwerte gestiegen, und auch die mangelnde Informiertheit über die Vorsorge gegen Aids und HIV unter der jungen Generation stimmt bedenklich.

Martin Kámen (Foto: YouTube)
Der Fotograf Martin Kámen ist Vorsitzender des Projekts Art For Life. Dieses Projekt hat er mit fünf Freunden vor sieben Jahren spontan gegründet mit dem Ziel, diese Thematik wieder mehr in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Zum einen hatten sich mehrere Leute aus dem Freundeskreis geoutet, mit dem HIV-Virus infiziert zu sein, zum anderen habe man festgestellt, wie wenig Aufklärung über diese Krankheit in Tschechien betrieben wird, sagt Kámen:

„In Tschechen wurde gleich nach der Wende von 1989 eine große Kampagne zu Aids und HIV geführt, so dass meine Generation und auch die Älteren gut informiert sind. Die Jüngeren haben zwar gewisse Kenntnisse darüber, doch sind sie nicht ausreichend. Viele wissen zum Beispiel nicht, wann und warum man sich zu Aids testen lassen sollte. Oft wissen die Jugendlichen auch nicht, wodurch man sich mit dem Virus anstecken kann.“

Haus des Lichts (Foto: ČT24)
Die Unwissenheit reicht soweit, dass manch junger Tscheche glaubt, dass die Infektion beim Küssen oder durch die gemeinsame Benutzung von Handtüchern übertragen werde. Möglicherweise ist das auch einer der Gründe, weshalb die Zahl der Neuansteckungen mit dem HIV-Virus in jüngster Vergangenheit ständig steigt. Im Jahr 2013 hat das nationale tschechische Referenzlabor für HIV/Aids 235 Menschen registriert, die sich mit dem Virus infiziert haben, in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sind bereits wieder 208 neue Fälle hinzugekommen. Und die Dunkelziffer ist noch viel höher, sagt der Direktor der Einrichtung Dům světla (Haus des Lichts), Jiří Pavlát:

Jiří Pavlát (Foto: Adéla Paulík Lichková, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
„Es ist sicher, dass die tatsächliche Zahl der mit dem HIV-Virus infizierten Personen noch größer ist. In der Vergangenheit wurde oft spekuliert, ob es nun zwei-, drei- oder zehnmal mehr Menschen sind, inzwischen aber gibt es einen Index dafür. Und dieser Index besagt, dass die Zahl der tatsächlich angesteckten Personen um das Zweieinhalbfache höher ist als die Zahl der Personen, bei denen das Virus diagnostiziert wurde.“

Das Haus des Lichts ist eine Institution, die von der Tschechischen Aidshilfe betrieben wird. Neben der präventiven Aufklärung über die Krankheit oder der Vermittlung anonym gehaltener Aidstests nimmt das Haus des Lichts auch Menschen auf, die wegen ihrer Erkrankung an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Dies sei zwar nicht die Regel, sagt Jiří Pavlát, aber:

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„Das passiert bei uns in fünf bis sechs Fällen jährlich. Das Erstaunliche daran ist, dass eine Untersuchung etwas ganz anderes aussagt. In einer Umfrage haben alle auf die Frage, ob sie jemanden aus der Familie beziehungsweise Verwandtschaft ausgrenzen würden, der HIV positiv ist, geantwortet, dass dies nicht der Fall sei. In der Praxis sieht es leider etwas anders aus, diese Menschen haben ein sehr trauriges Schicksal.“

Die Ansteckung mit dem HIV-Virus wird hierzulande seit dem Jahr 1985 beobachtet. In den zurückliegenden 29 Jahren sind in Tschechien 2330 Personen HIV-positiv getestet worden, darunter 380 Frauen. 423 Menschen sind bislang an Aids erkrankt, 219 sind daran verstorben.