Als Ziegel fielen und Schornsteine einstürzten: Stärkstes Erdbeben in Westböhmen vor 40 Jahren

Bei Erdbeben denkt man am ehesten an andere Gegenden der Welt wie etwa Japan oder Kalifornien, aber nicht an Mitteleuropa. Doch kurz vor Weihnachten 1985 waren in Westböhmen, an der Grenze zu Deutschland, sehr deutlich die Erdstöße zu spüren, und es kam zu Schäden. Es war das stärkste Erdbeben in der modernen tschechischen Geschichte.

Foto: Profimedia

Die Tschechische Republik liegt nicht am Rand einer großen tektonischen Platte, dennoch ist die Erdkruste hierzulande nicht völlig stabil. So können sich Spannungen aufbauen, die sich dann in Form von Erschütterungen entladen. Die seismisch aktivste Gegend ist der Egergraben in Westböhmen. Gerade hier kommt es – wie etwa wieder seit diesem November – regelmäßig zu Schwarmbeben. Das sind Serien schwächerer Erschütterungen, die auch mehrere Wochen lang anhalten können.

Das Beben von 1985

Am 21. Dezember 1985 erreichte die seismische Aktivität in Westböhmen ihren bisherigen Höhepunkt. Um 11.16 Uhr kam es zu einem Beben mit der Stärke von 4,6 auf der nach oben offenen Richterskala. Das Epizentrum lag bei der Gemeinde Nový Kostel in einer Tiefe von acht Kilometern. Es handelte sich um das stärkste Beben, das seit den Möglichkeiten genauer Messung bisher auf tschechischem Boden registriert wurde.

In einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern wurden damals Hauswände beschädigt, fielen Ziegeln von den Dächern, und manche Schornsteine stürzten ein. Aus einigen Brunnen verschwand das Wasser, sogar die Heilquellen in Františkovy Lázně / Franzensbad waren betroffen. Obwohl es sich im globalen Vergleich um ein mittelstarkes Beben handelte, waren die Bewohner der Gegend geschockt – einige flüchteten zu Verwandten in andere Regionen, manche übernachteten sogar in Zelten, obwohl es fror.

Die seismische Aktivität hielt auch noch in den folgenden Tagen an, aber keine der Erschütterungen erreichte noch einmal dieselbe Stärke. Experten schätzen, dass das Maximum für ein Beben auf tschechischem Boden bei 5,5 auf der Richterskala liegt. Geologische Funde deuten jedoch an, dass es in den vergangenen 20.000 Jahren hierzulande auch Erschütterungen mit einer Stärke von bis zu 6,5 gegeben haben kann.

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