Analog statt digital: Der Kult um den Prager Fotoautomaten

Fotoautomat

Vor der Neuen Bühne des Nationaltheaters in Prag wird derzeit Schlange gestanden. Doch die Besucher drängen sich nicht etwa um die letzten Tickets einer Vorstellung, sondern sie wollen Fotos machen. Denn auf dem Innenhof des Theaters steht ein Fotoautomat, der auf TikTok, Instagram und Co gerade für Aufsehen sorgt.

Fotoautomat | Foto: Lina Zimmermann,  Radio Prague International

Ein blecherner Kasten steht auf dem Platz vor dem Prager Nationaltheater – und vor ihm meist eine lange Schlange junger Menschen. Der Grund für den Andrang: ein Hype auf Social Media. Hinter der Aluminiumfassade verbirgt sich ein Fotoautomat aus den 1960er Jahren – einer von weltweit nur 50 Stück, der noch analoge Schwarz-Weiß-Streifen druckt.

Auch Esther und ihre Freundin stehen an, um sich ablichten zu lassen. Der Trubel um den Automaten ist auch an den beiden deutschen Touristinnen nicht vorbeigegangen.

„Wir haben den auf TikTok gesehen, da ist er total im Trend gerade. Viele posten ihre Bilder davon und irgendwie sah das total nostalgisch aus.“

Betrieben wird der Apparat von der Firma „Fotoautomat“. Seit 2007 restauriert das Unternehmen alte Automaten aus den 1960er Jahren – mit dem Ziel, das Erbe der analogen Fotografie zu bewahren, wie es auf der Website heißt. Platziert werden die Geräte dann meist an Orten die von Kultur und Kunst geprägt sind.

Bei dem Prager Exemplar schützt eine Aluminiumverkleidung vor Wind und Wetter und ein eingebauter Temperaturregler sorgt dafür, dass Hitze und Kälte der Technik nichts anhaben können. Allerdings dauert es vier Minuten bis die Bilder entwickelt sind, und wirklich günstig ist der Fotospaß mit fünf Euro pro Streifen auch nicht. Für Esther und ihre Freundin ist das aber kein Problem.

„Klar dauert es ein wenig, aber das ist halt etwas Besonderes. Es ist nicht wie ein Selfie mit dem Handy. Man hat am Ende etwas in der Hand, also so richtig old school.“

Fotoautomat | Foto: Lina Zimmermann,  Radio Prague International

Doch nicht nur Touristen sind begeistert. Auch in der Modewelt ist die Nachfrage groß: In Magazinen wie Elle oder Vanity Fair tauchten die Retro-Automaten bereits auf. Und selbst große Modehäuser wie Dior, Hermès oder Chanel nutzen sie für Kampagnen. So ließ sich etwa Karl Lagerfeld einst für Chanel in einem der Automaten ablichten.

Der Trend rund um analoge Bilder besteht schon länger. Auch Polaroid- und Einwegkameras feierten in den letzten Jahren ihr Comeback. Viele junge Menschen wollen in der schnelllebigen und digitalen Welt wieder etwas Greifbares, was sie als Erinnerung in den Händen halten können. Die analogen Streifen aus dem Automat halten dabei bis zu 100 Jahre. Auch das war für Esther ein Grund vorbeizuschauen. Sie möchte gemeinsame Bilder mit ihrer Freundin haben, die nicht nur lang halten, sondern auch Charakter haben.

Informationstafel | Foto: Lina Zimmermann,  Radio Prague International

Perfekte Ergebnisse darf man jedoch nicht erwarten: In dem Automaten ist kein Spiegel integriert, um sich selbst zu sehen, und die Bilder werden ohne Vorwarnung geschossen. Und wer zu nah an die Linse gerät, riskiert ein verschwommenes Foto. Der Automat ist also eher für spontane Schnappschüsse geeignet, als für perfekte und durchgestylte Instagram-Posts. Ist der Hype also wirklich gerechtfertigt? Für Esther jedenfalls schon:

„Ja auf jeden Fall, wenn man schon in Prag ist, dann kann man das einfach mal mitnehmen.“

Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten ist der Fotoautomat eine nette Abwechslung. Lange Wartezeiten sollte man allerdings einplanen, gerade am Wochenende ist der Andrang groß.

Wer sich dem Trend anschließen möchte, findet den Prager Fotoautomaten auf der Piazetta am Nationaltheater. Er ist rund um die Uhr nutzbar.

Autor: Lina Zimmermann
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