Analyse: Niedrigere Rückfallquote dank offenen Strafvollzugs
In einer offenen Strafvollzugsanstalt können sich die Insassen bedeutend besser auf das Leben nach der Freilassung vorbereiten als in üblichen Gefängnissen. Dies ist das Resultat einer neuen Expertenanalyse in Tschechien.
Die Vorbereitung auf die Rückkehr in die Freiheit und das schrittweise Gewöhnen an alltägliche Abläufe – auch darum bemühen sich die Gefängnisinsassen noch vor ihrer Freilassung in Jiřice, das etwa 30 Kilometer nordöstlich von Prag liegt. Zum Alltag gehört beispielsweise, rechtzeitig für die Arbeit aufzustehen. In diesen Tagen wurde eine Analyse veröffentlicht, in der die Vorteile eines offenen Strafvollzugs in Tschechien ausgewertet wurden.
Die Experten vom Think-Tank České priority (Tschechische Prioritäten) haben dafür 298 Männer begleitet, die unterschiedlich lange vor ihrer Freilassung im offenen Gefängnis Jiřice untergebracht waren. Sie verglichen die Bedingungen für die Insassen mit anderen Menschen ähnlichen Alters, die für die gleichen Straftaten einsitzen. Zdeněk Rosenberg ist Chefökonom der Denkfabrik. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks fasste er die Resultate der Analyse zusammen.
„Dieser Vergleich zeigt, dass Personen, die am Programm des offenen Strafvollzugs teilgenommen haben, eine um etwa 40 Prozent niedrigere Rückfallquote aufweisen als Menschen in den üblichen Gefängnissen. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis.“
Am wenigsten rückfällig waren jene Männer, die sechs bis sieben Monate vor der Freilassung in Jiřice verbrachten. Das ist der Analyse zufolge eine ausreichend lange Zeit, um die richtigen Gewohnheiten zu entwickeln. Andersherum sei es aber nicht zu viel, sodass die Insassen die Motivation verlieren würden. Auch dies mache einen großen Unterschied im Vergleich zu einem herkömmlichen Gefängnis aus, sagt Lenka Ouředníčková. Sie ist Mitbegründerin des Zentrums Rubikon, das Menschen, die das Gefängnis verlassen, unter die Arme greift:
„Im Gefängnis werden die Menschen vom Personal geweckt, es wird ihnen gesagt, wo sie arbeiten sollen, und sie werden auch dort hingeführt. Dann bekommen sie Mittagessen, die Mahlzeit wird für sie zubereitet. Es bleibt im Grunde genommen kein Raum für sie, die Dinge zu erlernen, die sie für den Alltag brauchen.“
In Jiřice gibt es den offenen Strafvollzug seit 2017. Die Kapazität des Gefängnisses beträgt 32 Personen. Die Insasssen müssten eine Reihe von Regeln einhalten und die Verantwortung für sich übernehmen, erklärt die Sprecherin des Strafvollzugsdienstes, Markéta Prunerová:
„Die Zuweisung in den offenen Strafvollzug erfolgt nicht automatisch. Ausschlaggebend sind die Erfüllung festgelegter Kriterien, die Eignung der verurteilten Personen für dieses Vollzugsregime sowie ihre Motivation, sich zu ändern.“
Vom Gefängnis in Jiřice aus gehen die Verurteilten regelmäßig zur Arbeit. Im Unterschied zu anderen Strafvollzugsanstalten sind sie dort nur zu zweit in einem Raum untergebracht. Sie haben zudem die Möglichkeit, ihre Zukunft zu planen und eine Therapie anzufangen.
In Tschechien gibt es bisher nur diese einzige offene Einrichtung. Justizminister Jeroným Tejc (parteilos) dazu:
„Offene Strafvollzugsanstalten können und werden niemals herkömmliche Gefängnisse ersetzen. Sie können jedoch eine wichtige und sinnvolle Ergänzung darstellen.“
Nächstes Jahr soll eine offene Vollzugsanstalt für Frauen in Velké Přílepy, nordwestlich von Prag, eröffnet werden. Lenka Ouředníčková vom Zentrum Rubikon ist der Meinung, dass es künftig in jedem Kreis Tschechiens eine Einrichtung für Freigänger geben sollte.







