Angespannte Lage in Bosnien: Tschechien entsendet 150 Soldaten

Die tschechische Reservekompanie, die nach Bosnien geschickt wurde, besteht aus Mitgliedern des 43. Luftlande-Regiments aus Chrudim

Die Sicherheitslage in Bosnien und Herzegowina ist derzeit angespannt. Tschechien hat deshalb im Rahmen der EUFOR-Mission über 150 Soldaten in das Balkanland entsendet.

Nachdem der Serbenführer Milorad Dodik vor Kurzem erklärt hat, dass Polizei und Justiz der bosnischen Zentralregierung in seinem Landesteil nicht mehr das Sagen hätten, scheint sich die Lage in Bosnien und Herzegowina immer weiter hochzuschaukeln. Dodik, Präsident des Teilstaates Republika Srpska, der überwiegend von bosnischen Serben bewohnt ist, war Ende Februar wegen der Missachtung internationaler Vorgaben von einem Gericht in Sarajewo verurteilt worden. Nun wird er von der Staatsanwaltschaft mit einem Haftbefehl gesucht. Und Beobachter schließen angesichts der separatistischen Bestrebungen des prorussischen Serbenchefs eine gewalttätige Eskalation des Konflikts nicht mehr aus.

Milorad Dodik | Foto: Radivoje Pavicic,  ČTK/AP

Die Europäische Union hat deshalb beschlossen, im Rahmen der EUFOR-Operation Althea weitere Soldaten nach Bosnien und Herzegowina zu verlegen. Sie stammen aus Italien, Rumänien und aus Tschechien. Die hiesige Verteidigungsministerin Jana Černochová (Bürgerdemokraten) erklärte am Mittwoch:

„Wir wurden am Freitag (7. März, Anm. d. Red.) vom Kommandostab der Operation darüber informiert, dass Truppenteile angefordert werden. Deshalb haben wir 155 Angehörige der tschechischen Armee entsendet. Gestern in den Abendstunden wurde mir mitgeteilt, dass sie vor Ort sind.“

Die tschechische Verstärkungseinheit besteht aus Kräften des 43. Fallschirmjägerbataillons, das sonst im ostböhmischen Chrudim stationiert ist. Nach Bosnien gelangten die Soldaten auf dem Landweg sowie mittels eines Militärflugzeuges. Nun sollen sie für einen Monat im Camp Butmir in Sarajewo eingesetzt werden. Laut Černochová werden die Angehörigen der tschechischen Streitkräfte in dem Balkanstaat vor allem Aufklärungsarbeit leisten:

Tschechische Soldaten mit ihren rumänischen und italienischen Kollegen haben die Aufgabe,  die Sicherheit des Landes zu erhöhen. | Foto: Operation EUFOR Althea

„Es handelt sich eher um eine Präventivmaßnahme. Ich denke nicht, dass es zu einer Aktivierung unserer Soldaten kommt.“

Die EUFOR-Operation in Bosnien-Herzegowina läuft seit 2004 und umfasst aktuell regulär 1500 Kräfte. Sie schließt an die Friedensmission der UN an. Zentrale Aufgabe der europäischen Truppen ist die Kontrolle der Einhaltung des Dayton-Abkommens, mit dem 1995 der Bosnienkrieg beendet wurde.

Tschechien ist seit 2010 bei der EUFOR-Mission vertreten. So entsendete man bisher zwei Offiziere in die Leitungsebene des Einsatzes. Die Abstellung der jetzigen Verstärkung ist durch ein Mandat beider Parlamentskammern vom November 2024 gedeckt.

Tschechische Soldaten mit ihren rumänischen und italienischen Kollegen haben die Aufgabe,  die Sicherheit des Landes zu erhöhen. | Foto: Operation EUFOR Althea
Autor: Ferdinand Hauser | Quelle: Český rozhlas
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