Afghanistan: Razzia wegen totem Attentäter

Foto: Archiv vp.army.cz

Die Militärpolizei hat am Dienstag die Räume des Generalstabs in Prostějov durchsucht. Es geht dabei um den ungeklärten Tod eines afghanischen Armeeangehörigen, der vergangenes Jahr einen tschechischen Soldaten getötet haben soll.

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Tomáš Procházka  (Foto: Archiv der tschechischen Armee)
Prostějov / Proßnitz in Mähren gilt als einer der wichtigsten Militärstützpunkte in Tschechien. Dort ist unter anderem eine Spezialeinheit der tschechischen Armee stationiert, die im Kampf gegen den internationalen Terrorismus eingesetzt wird. Die laufende Mission in Afghanistan könnte aber nun zum Problem für die Elitetruppe werden. Wegen eines Vorfalls in Shindand in der Provinz Herat im vergangenen Jahr kam es am Dienstag nämlich zu einer Razzia in den Räumen des Generalstabs in Prostějov. Jana Zechmeisterová ist Sprecherin des Verteidigungsministeriums:

„Am 23. Juli führte die Militärpolizei dort strafrechtliche Ermittlungen durch. Es ging dabei um den Tod eines Angehörigen der afghanischen Streitkräfte in dessen Heimatland im Oktober vergangenen Jahres.“

Kurze Zeit vor diesem Vorfall war der Hundeführer Tomáš Procházka von einem afghanischen Militärangehörigen ermordet worden. Der mutmaßliche Täter wurde von Einheiten der Allianz verhaftet, kam aber unter ungeklärten Umständen ums Leben. Erstmals erhob die New York Times im November vergangenen Jahres schwere Vorwürfe gegenüber den Truppen aus Tschechien und den USA – die Rede war von Folter und Mord. Premier Andrej Babiš sagte damals gegenüber Medien, Zitat:

„Die Soldaten genießen unser Vertrauen und unseren Respekt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu so etwas hätte kommen können. Das sind skandalöse Desinformationen, die wir entschieden zurückweisen.“

Aleš Opata  (Foto: Miroslav Šindelář,  Archiv der Armee der Tschechischen Republik)
Das Verteidigungsministerium ging sogar noch weiter und erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen die US-Zeitung. Ressortsprecher Jan Pejšek sagte damals, Zitat:

„Der Bericht schadet dem guten Namen der Koalitionsstreitkräfte sowie deren Anstrengungen, eine afghanische Armee aufzubauen. Die Anschuldigungen und Dokumente im Artikel der New York Times weisen wir zurück.“

Dennoch versprach die Armeeleitung, den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen. Der damals frischgebackene Generalstabschef Aleš Opata versicherte, Zitat:

„In jeder Armee eines demokratischen Landes wird eine solche Angelegenheit ordentlich und nach gewissen Standards untersucht.“

Doch scheinbar haben die tschechischen Ermittler nicht genug getan. Dies zumindest sieht die afghanische Seite so und hat vor gut zwei Wochen eine diplomatische Note nach Prag geschickt. Darin fordert Kabul die Herausgabe von weiterem Beweismaterial. Zu einem großen Teil könne das jedoch nicht gewährleistet werden, da die Ermittlungen vor allem in Afghanistan abgelaufen seien, meint die Leiterin des Wehrausschusses im Abgeordnetenhaus, Jana Černochová. Man wolle an die afghanischen Behörden das weiterleiten, was man könne. Insgesamt erwartet die Bürgerdemokratin einen guten Ausgang der Ermittlungen für die tschechische Armee:

Foto: Archiv der tschechischen Armee
„Ich hoffe, dass wir nach der Untersuchung einer Sache sicher sein können: Dass tschechische Soldaten mit der Gewalt, die diesem Terroristen angetan wurde, nichts zu tun gehabt haben.“

Tschechien hat derzeit 345 Soldaten in Afghanistan. Bisher sind bei der Mission am Hindukusch 14 Mann ums Leben gekommen. Allein im vergangenen Jahr mussten außer dem Hundeführer Procházka noch drei weitere Opfer beklagt werden. Bei der Aufklärung zum Tod der drei soll es jedoch ebenfalls einen umstrittenen Einsatz der tschechischen Armee gegeben haben, bei dem mutmaßliche Mittäter getötet wurden.