Aus Kalifornien nach Prag: Nachlass der Olympiasiegerin Olga Fikotová kommt ins Nationalmuseum

Olga Fikotová Connolly war eine tschechoslowakische Leichtathletin und Diskus-Olympiasiegerin von 1956. Sie starb im vergangenen Jahr im Alter von 91 Jahren in Kalifornien. Ihre Familie hat nun dem Nationalmuseum in Prag ihren Nachlass vermacht.

Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

Zwei Monate waren vier Kisten mit dem Nachlass von Olga Fikotová Conolly aus Übersee unterwegs. Nun sind sie im Depot des Nationalmuseums eingetroffen. Darin enthalten ist eine Reihe von Dokumenten und Fotos, aber auch etwa ein Diskus, mit dem sie trainiert hatte. Der Historiker Jan Lomíček vom Nationalmuseum in Prag hält die Sammlung für äußerst vollkommen und wertvoll:

„Der Diskus ist als Gegenstand zwar interessant, aber es gibt hier auch Alben mit Zeitungsausschnitten, die ich viel spannender finde. Sie dokumentieren die Sportkarriere von Harald Conolly und Olga Fikotová, später Conolly.“

Foto: Pavel Novak,  Tschechischer Rundfunk

Der Sport war zunächst nur ein Hobby für die 1932 geborene Olga Fikotová. Dennoch wurde sie, damals Medizinstudentin, 1955 Meisterin der Tschechoslowakei im Diskus-Werfen. Ein Jahr später verteidigte sie ihren Titel und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Melbourne. Dort stellte Fikotová dann mit einem Wurf von 53,69 Metern einen neuen olympischen Rekord auf und gewann Goldmedaille in ihrer Disziplin. Jan Lomíček:

Olga Fikotova und Harold Connolly  (1960) | Foto: Mario De Biassi,  Angelo Cozzi,  Mondadori Publishers,  public domain

„Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne lernte sie Harald Conolly kennen, einen US-amerikanischen Hammerwerfer. Sie heirateten knapp ein halbes Jahr später in der damaligen Tschechoslowakei, und sie konnte legal in die USA auswandern. Es gibt hier Belege zum Beginn der Beziehung und dem Anfang ihrer Karriere.“

Aus Zeitungen wie „New York Times“, „American Weekly“ oder „Paris Match“ stammen einige der Quellen. Viele Fotos sind aber auch aus der Tschechoslowakei.

„Hier sind die Medienberichte zur Hochzeit. Zu sehen ist der menschengefüllte Altstädter Ring. Trauzeugen waren Dana Zátopková und Emil Zátopek.“

Olga Fikotová-Connolyová | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

Fikotová wollte nach der Hochzeit weiterhin die Tschechoslowakei repräsentieren, dies wurde ihr jedoch von den Behörden verweigert. Von nun an startete sie unter dem Namen Connolly für die Vereinigten Staaten. Sie wurde fünfmal US-Meisterin und nahm noch viermal an Olympischen Spielen teil, gewann aber keine Medaille mehr. Bei ihren letzten Spielen 1972 in München war sie Fahnenträgerin für das US-Team. Der Historiker:

„Ich denke, dass dieser Bestand außerordentlich interessant ist. Er betrifft nicht nur die Sportgeschichte, sondern auch die Geschichte der Gesellschaft zwischen den 50er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Anhand dieses Materials lassen sich viele Phänomene der Zeit illustrieren.“

Foto: Pavel Novak,  Tschechischer Rundfunk

Die Historiker werden die Materialien nun studieren. Da viele der Fotos in den Alben nicht beschrieben seien, müsse ihr Inhalt rekonstruiert werden, sagt Lomíček.

Foto: Pavel Novak,  Tschechischer Rundfunk

„Anschließend lassen wir die Dokumente digitalisieren. Laut einer Vereinbarung mit den Nachkommen wollen wir sie für die breite Öffentlichkeit zugänglich machen. Zudem soll eine Monographie über Olga Fikotová verfasst werden.“