Aus Prag nach Europa: Kaffeehäuser von The Miners zählen zu den 100 besten Cafés der Welt
Die Prager Innenstadt bietet eine große Vielfalt an Cafés. Wer durch die Straßen der tschechischen Hauptstadt schlendert, hat meist die Qual der Wahl für einen Ort, an dem man es sich bei einem Heißgetränk gemütlich machen kann. Doch eine junge Prager Kaffeehauskette hat es geschafft, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und wird nun unter den 100 besten Cafés der Welt gelistet. Was iist hr Erfolgsgeheimnis?
Egal ob Cappuccino, Espresso, Flat white oder einen Salted Caramel Latte – in der Prager Innenstadt kommen Kaffeeliebhaber voll auf ihre Kosten. Neben charmanten kleinen und mondänen großen Cafés haben sich auch weltweite Unternehmen wie Starbucks und Costa Coffee etabliert. Doch es gibt eine weitere Kaffeehauskette in Prag, die vielen noch kein Begriff ist – das könnte sich jedoch bald ändern. Die Niederlassungen von The Miners gehören seit neuestem zu den 100 besten Cafés der Welt. Im Ranking „The world`s 100 best coffee shops“ schafft es die Firma aus Prag auf Platz 40. Doch begonnen hat alles ganz klein. Markenmanager Ilya Aksamentov erinnert sich:
„Wir haben das Miners' Coffee im Jahr 2019 gegründet, mit dem ersten Standort in Prag. Die Philosophie dahinter war von Anfang an, dass The Miners als kultureller Treffpunkt dienen soll. Jeder kann kommen und exzellenten Kaffee, gute Musik und vor allem die Gesellschaft toller Menschen genießen. Wir möchten, dass unser Café ein Treffpunkt für Leute ist, die im Leben etwas erreichen wollen. Und genau das versuchen wir seitdem umzusetzen.“
Die erste Filiale eröffnete im März 2019 in der Straße Slavíkova im Prager Stadtteil Vinohrady. Seitdem hat sich die Café-Kette stetig weiterentwickelt. Mit mittlerweile zwölf Filialen in Prag ist sie die größte der Stadt. Auch international ist The Miners vertreten: In den zurückliegenden Jahren wurden 20 Zweigniederlassungen eröffnet, und zwar auch in Spanien, Polen, Österreich und der Slowakei. Was ist der Grund für den Erfolg?
„Ich denke, es liegt vor allem an der harten Arbeit hinter dem Konzept und den hohen Standards, die wir setzen. Egal, in welche unserer Filialen man geht, man bekommt überall die gleiche Kaffeequalität und den gleichen Service. Es war wirklich schwierig, das zu etablieren. Besonders bei der Anzahl an Standorten, die wir mittlerweile haben. Aber ich denke, wir haben alles richtig gemacht“, so Aksamentov.
Gegründet wurde die Firma von Oldřich Valta und Egor Kolpakov, ihnen haben sich mehrere Dutzend kleinere Investoren angeschlossen. Die beiden Gründer ergänzen sich in ihren Fähigkeiten gut: Valta arbeitete über zehn Jahre lang für Banken im Ausland, und Kolpakov ist Barista. Der Name The Miners, was übersetzt „die Bergarbeiter“ heißt, ist kein Zufall. Für Valta sind es genau diese Menschen, die ehrliche Arbeit verrichten.
Die Kaffeehauskette legt viel Wert auf die Qualität. Um diese in allen Niederlassungen auf dem gleichen Niveau zu halten, werden die Filialen täglich von dafür vorgesehenen Teams gründlich kontrolliert. Der Markenmanager:
„Das Qualitätskontroll-Team weiß, was in unseren Filialen in Prag, Barcelona, Wien und Krakau Tag für Tag passiert. Die Kontrolleure wissen, wie man den Kaffee servieren muss und kennen die Rezepte für jedes Getränk. Es ist wirklich nicht einfach, die Qualität immer beizubehalten und sie in allen Cafés auf das gleiche Niveau zu bringen. Aber ich denke, wir wissen, wie es geht.“
Neben Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Cold brew oder einem Flat white wird in den Filialen auch eine kleine Auswahl an Gebäck angeboten. Diese besteht aus zwei Sorten von Keksen, verschiedenen Kuchen und Zimtschnecken. Außerdem werden Produkte wie Flaschen und Keramik verkauft sowie der hauseigene Kaffee, der in der eigenen Rösterei im Prager Stadtteil Karlín hergestellt wird. Jede geröstete Charge wird nummeriert und von dem Qualitätskontroll-Team probiert. Falls es ein Problem mit dem Kaffee geben sollte, kann also direkt ermittelt werden, wann und wo dieses aufgetreten ist.
Konzept mit Wiedererkennungswert
Aber nicht nur die Qualität des Kaffees ist dem Unternehmen wichtig, sondern auch die Einrichtung. Egal ob in Barcelona, Prag oder Wien – jede Filiale sieht von innen gleich aus. Dabei werde auf hochwertige Materialien und ein ansprechendes Ambiente Wert gelegt, erzählt Ilya Aksamentov:
„Wir versuchen, die Einrichtung so minimalistisch wie möglich zu halten. Pflanzen spielen beim Design eine wichtige Rolle, weil wir nicht wollen, dass sich das Café leer anfühlt. Wir möchten einen grünen und einladenden Raum für unsere Gäste schaffen. Dazu gehört auch die Nutzung von natürlichen Materialien wie Holz und Stein. Das Ganze ist sehr teuer, aber ich denke, das ist es wert. Besonders wenn die Gäste dadurch einen Besuch bei uns noch mehr genießen können als ohnehin schon.“
Der Grund, weshalb die Kaffeehaus-Kette so schnell in mehrere Länder Europas expandieren konnte, ist das Franchise-Programm, das sie seit eineinhalb Jahren verfolgt. Insgesamt entstanden dadurch zehn Filialen, die durch externe Partner geführt werden. Doch bei dieser Zahl soll es nicht bleiben.
„Dieses Jahr – 2025 – werden wir 20 weitere Filialen eröffnen, die alle zu unserem Franchise-Programm gehören“, so Aksamentov.
Zum Vergleich: Starbucks hat (Stand 2024) etwa 40.200 Filialen weltweit, wobei im vergangenen Jahr rund 2100 neue Cafés hinzukamen. Für kommendes Jahr hat sich The Miners laut Mitgründer Oldřich Valta zur Aufgabe gemacht, mehrere Hundert Filialen in Europa zu eröffnen. Doch ganz ohne Hilfe wird das nicht gelingen. Daher werde ein Investor für die geplanten Expansionen gesucht, sagte Valta vor wenigen Wochen dem Nachrichtenportal Seznam Zprávy. Diesem Investor wird demnach die Mehrheit der Firma angeboten, so Valta.
Große Pläne für die Zukunft
Eine der Franchise-Filialen wird demnächst auch in Deutschland zu finden sein — genauer gesagt in Dresden. Aber Amsterdam und Portugal stehen ebenso auf der Liste der Länder, in die The Miners dieses Jahr noch expandieren möchte.
Mit jeder Neueröffnung in eine andere Region stellt sich die junge Café-Kette aber auch immer wieder neuen Herausforderungen. Ilya Aksamentov:
„Jedes Land in Europa hat seine eigenen bürokratischen Richtlinien für gastronomische Betriebe. Das ist uns in Wien zum Verhängnis geworden. Wir wollten innerhalb eines Monats eröffnen, so wie es uns auch versprochen wurde. Weil wir aber lange auf die Konzessionen warten mussten, verzögerte sich alles um drei Monate. Auch die Gehälter und Löhne variieren. Man muss also eine Menge Hausaufgaben erledigen, bevor man über die Grenzen Tschechiens hinausgehen kann. Das ist wirklich enorm.“
Laut dem Nachrichtenportal Seznam Zprávy machte die Kette im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,6 Millionen Euro und einen Brutto-Betriebsgewinn von 300.000 Euro. Für dieses Jahr werden 8,6 Millionen Euro Umsatz angepeilt. Auch hier sind die größten Hechte im Kaffeeteich noch deutlich stärker. Starbucks verbuchte 2024 einen Umsatz von 36 Milliarden US-Dollar. Bis The Miners ihrem amerikanischen Konkurrenten das Wasser reichen kann, ist es wohl noch ein weiter Weg.
Das Ranking hat der Kaffeehauskette jedoch schon zu mehr Popularität verholfen. Es kommen immer mehr Interviewanfragen, auch das Tschechische Fernsehen (ČT) berichtete über das Unternehmen. Doch mit der wachsenden Aufmerksamkeit erwartet Aksamentov auch vermehrt negative Stimmen:
„Viele Menschen kommen vor allem in unsere Filialen in der Innenstadt Prags und erzählen den Baristas, dass sie uns von dem Ranking her kennen würden. Sie wollen sich selbst ein Bild von uns machen. Dadurch erwarte ich auch viele negative Bewertungen, denn die Erwartungen der Gäste liegen hoch. Sie sagen dann vielleicht, dass wir nicht auf Platz 40 liegen sollten, sondern lieber weiter unten, auf Platz 80.“
Doch das hindert die Kette nicht daran, große Pläne zu haben...
„Künftig werden wir die größte Kaffee-Spezialitäten-Kette Europas, da bin ich mir sicher. Und das schaffen wir sogar vielleicht schon nächstes Jahr. Sollten wir bis dahin 20 weitere Filialen eröffnet haben, haben wir bereits 40 Stück. Das bringt uns dann unter die drei größten Europas. Ich glaube, wenn wir in der gleichen Geschwindigkeit weitermachen, dann wird das in naher Zukunft Realität sein. Und anschließend wollen wir natürlich eine der drei größten Kaffee-Spezialitäten-Ketten der Welt werden“, kündigt der Markenmanager an.
Mit der Aufnahme in das Ranking der 100 besten Cafés weltweit hat die junge Prager Kette bereits einen großen Erfolg erzielen können. Ob sie in Zukunft ihre hohen Ziele im internationalen Wettbewerb weiterhin erfolgreich umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Doch in Prag gehört The Miners schon zum festen Bestandteil der Kaffeehaus-Szene.







