Aus Thüringen nach Prag: Eine neue Orgel für das Strahov-Kloster
Im Prager Strahov-Kloster entsteht gerade etwas ganz Besonderes: eine neue Chororgel für die barocke Basilika Mariä Himmelfahrt. Gebaut wurde sie nicht irgendwo, sondern in einer kleinen Werkstatt in Thüringen. Es handelt sich also um ein tschechisch-deutsches Projekt, das musikalisch, handwerklich und kulturell Grenzen überwindet. Am Dienstag beginnt der Transport nach Prag – und damit der Einbau des neuen Instruments. Radio Prag international hat vorab mit den Projektleitern in der Werkstatt in Waltershausen gesprochen.
In einer kleinen Thüringer Werkstatt in Waltershausen riecht es nach Holz, Leim – und Geschichte. Hier entsteht ein Instrument, auf dem nicht nur Musik erklingen wird, sondern das auch ein Stück europäisches Kulturerbe bewahren soll: die neue Chororgel für das Strahov-Kloster in Prag.
Das Strahov-Kloster gehört zu den ältesten Prämonstratenserklöstern der Welt. Seine Bibliothek ist weltberühmt, und auch die Basilika Mariä Himmelfahrt verzaubert viele Besucher mit ihrer barocken Pracht. Die Orgeln spielen dabei eine zentrale Rolle – bei Gottesdiensten, Konzerten und besonderen Anlässen.
Einer der beiden Orgelbauer, die das Projekt leiten, ist Joachim Stade. Gemeinsam mit Stephan Krause führt er die Firma „Orgelbau Waltershausen“. Alle acht Mitarbeiter arbeiten derzeit an dem Prager Orgelprojekt.
„Wir setzen quasi eine Tradition fort von 1724, als Heinrich Gottfried Trost seine berühmteste Orgel baute. Eine Orgel, die im europäischen Raum von Bedeutung ist. Und sie hat auch unsere Tätigkeit sehr stark mitgeprägt“, so Stade.
Die barocke Basilika beherbergt zwei Orgeln: eine große Hauptorgel auf der Westempore – und eine kleinere Chororgel im Altarraum. Letztere wird nun vollständig erneuert. Das alte Instrument stammte aus dem späten 17. Jahrhundert und wurde vermutlich vom Orgelbauer Hans Heinrich Mundt geschaffen. Doch es sei nicht mehr spielbar, sagt der Projektleiter:
„Nur noch einzelne Töne kamen heraus, aber man konnte nicht mehr auf ihr spielen. Es war eine pneumatische Orgel, die in der Zwischenzeit in dieses alte, schöne Gehäuse eingebaut worden ist. Daher bleibt quasi lediglich das alte Gehäuse von 1687. In dieses Gehäuse wird nun ein Teilwerk der Orgel neu eingebaut. Die neue Orgel wird aber so gebaut, dass sie wesentliche Elemente des alten Instrumentes aufgreift. Man kann es nicht als Rekonstruktion bezeichnen, aber das Projekt hat schon wesentliche rekonstruktive Elemente.“
Doch wie kommt eine Werkstatt aus Thüringen zu einem Auftrag in Prag? Wie Joachim Stade sagt, entstand die Verbindung über eine europaweite Ausschreibung – und über Fachleute, die sich in der Orgelbauwelt auskennen...
„Wir sind gezielt angeschrieben worden. Das ist das übliche Verfahren. Insgesamt waren es, soweit ich mich erinnere, sechs Firmen, die angeschrieben wurden. Der Auftraggeber hat dann die Instrumente besichtigt. Und es war wohl im Wesentlichen die Orgel in Worbis, die wir dort neu gebaut haben, die den Auftraggeber überzeugt hat“, so Stade.
Seitdem läuft die Abstimmung eng und regelmäßig – über Pläne, Materialien, Klangvorstellungen.
Es sei ein europäisches Gemeinschaftsprojekt, getragen von gegenseitigem Respekt und der Liebe zur Musik, wie Joachim Stade und sein Kollege Stephan Krause berichten.
„Es ist eine besondere Herausforderung und Ehre, an solch einer Stelle arbeiten zu dürfen. Ich erinnere mich noch gerne an den Moment, als ich das erste Mal diese Kirche betreten habe. Es ist einfach ein faszinierender Raum und somit natürlich ein ganz toller Auftrag“, erläutert Stade.
Und Orgelbauer Stephan Krause ergänzt:
„Die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Auftraggebern ist sehr gut. Wir haben über viele fachliche Dinge sehr ausführlich und einvernehmlich reden können.“
Außerdem meint Joachim Stade:
„Wir haben eine, finde ich, hervorragende Zusammenarbeit, es ist ein sehr angenehmes Verhältnis, wie wir die fachlichen Fragen und auch die vertraglichen Dinge miteinander klären konnten. Wir freuen uns auch weiterhin auf die Zusammenarbeit, vor allen Dingen dann beim Einbau der Orgel und bei der Intonation.“
Der Bau einer Orgel ist Präzisionsarbeit – jedes Teil wird von Hand gefertigt, jede Pfeife einzeln gestimmt. Heute beginnt der nächste große Schritt: der Transport nach Prag. Alles muss millimetergenau passen – für das denkmalgeschützte Gehäuse von 1687. Gebaut wird mit modernen Mitteln – aber in Anlehnung an die historische Bauweise, wie Stade beschreibt:
„Zunächst einmal orientieren wir uns ganz stark am böhmischen Orgelbau, wie er damals gepflegt wurde – also dem Instrument von 1687 als Grundlage. Darüber hinaus muss das Instrument aber auch für heutige Anforderungen gerüstet sein und wird deswegen etwas größer gebaut. Und es fließt, das ist auch vom Auftraggeber gewünscht, unsere mitteldeutsche Orgelbaupraxis mit ein. So entsteht quasi eine Synthese von mitteldeutschem und tschechischem Orgelbau. Es sind 24 Register, und zu diesen 24 Registern gehören 1371 Pfeifen.“
Und Stephan Krause fügt an:
„Im Großen und Ganzen soll es sich am Ende um ein Instrument handeln, das vorwiegend für die Barockmusik geeignet ist, aber durchaus noch eine gewisse Vielfalt im Hinblick auf andere Stilepochen bietet.“
Wenn alles nach Plan läuft, wird die neue Chororgel im Herbst erstmals erklingen – in einem Raum, der seit Jahrhunderten für seine Akustik geschätzt wird. Die feierliche Einweihung ist bereits geplant.
„Der Termin für die Einweihung der Orgel steht schon fest. Es ist der erste 1. Advent, also der 30. November 2025“, so Stephan Krause.
Ein Projekt, das Grenzen überwindet – musikalisch, handwerklich und kulturell. Ein Stück Thüringen für die Goldene Stadt an der Moldau.
Und heute beginnt der nächste große Schritt: der Einbau der Orgel vor Ort in Prag.












