Aussichtspunkte mit Blick auf die Moldau in Prag

Ausblick vom Letná-Park

In drei Teilen stellt Radio Prag International mehrere Tipps für die schönsten Aussichtspunkte an der Moldau vor. Der zweite Teil führt nach Prag.

Kaum irgendwo in der Welt findet man eine so vielfältige Flusslandschaft wie entlang der Moldau in Prag. Auf einer Strecke von 26 Kilometern wechseln sich Inseln, Brücken, Felslandschaften und schließlich die Silhouetten des Hradschin sowie zahlloser Kirchtürme ab. Doch ebenso beeindruckend ist die Moldau von oben, also von Aussichtspunkten an den beiden Ufern.

In Prag könnte man Hunderte Aussichtspunkte besuchen, jede Auswahl von Fremdenverkehrszielen mit einem schönen Blick bleibt daher zwangsläufig unvollständig. Selbst Spaziergänge auf Uferböschungen und Brücken lohnen sich. Es gibt Stellen, an denen die Leute bei schönem Wetter Schlange stehen, um Gruppenfotos oder Selfies zu machen, aber es gibt auch Aussichtspunkte, an denen man die schöne Aussicht auf den Fluss meistens mit niemandem teilen muss, auch wenn diese Stellen nur ein paar hundert Meter von Parkplätzen oder Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel entfernt sein mögen.

Kleine Moldau und große Berounka

Blick auf die Moldau vom Steinbruch Zbraslav aus | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Mancherorts trennen bloß fünfzig Meter die beiden Moldauufer in der Hauptstadt, in anderen Abschnitten ist das Flussbett zehnmal so breit. Dort wo die Moldau nach Prag hineinströmt, knappe eineinhalb Kilometer nach dem letzten Staudamm in Vrané, taucht sie gleichsam zwischen dem abfallenden Steinbruch von Zbraslav und den Hängen der Zvolská homole unter. Über ein Jahrhundert wird in Zbraslav bereits Stein abgebaut. Unweit eines nicht öffentlich zugänglichen Geländes ist die Bergwerksiedlung Baně, von der ein blau markierter Weg bis an den Rand des Steinbruchs führt. Es gibt dort nur eine einzige Stelle, von der man ins Moldautal hinabblicken kann, und zwar eine mehrere Meter lange Abzweigung, die von diesem Weg zu dem Hang mit den Verbotsschildern führt. Pilzsammler kennen sicher noch andere Stellen, doch es ist nicht jedermanns Sache, sich durchs Gestrüpp zu schlagen.

Brücke in Lahovice | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Hinter Zbraslav, zwischen Lahovice und Komořany, verengt sich der Fluss zu einem schmalen Band, das sich jedoch bei Hochwasser in einen großen See verwandeln kann. Von der Brücke in Lahovice ist der Zusammenfluss der Moldau und der Berounka von einem niedrigen Aussichtsturm zu sehen, und der linksufrige Nebenfluss aus Westböhmen ist hier erstaunlicherweise um ein Mehrfaches breiter als der Fluss, in den er einströmt. Bei der Brückenauffahrt steht ein Denkmal, das an das Massaker von Lahovice erinnert. Die Moldau strömt träge in Richtung Pferderennbahn und Chuchle-Hain, danach beginnt ein Abschnitt, den die stark abfallenden Hänge des Děvín auf der einen und die steilen Felsen Branické skály auf der anderen Talseite säumen.

Ausblick vom Turm auf der Brücke von Lahovice Richtung Zusammenfluss von Berounka und Moldau | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Als „Massaker von Lahovice“ ist ein blutiger Kampf zwischen einer SS-Einheit auf dem Rückzug und Aufständischen, die von Wlassow-Truppen unterstützt wurden, ins kollektive Bewusstsein eingegangen. Es trug sich am 7. Mai 1945 zu. Die Deutschen besetzten schließlich die strategisch wichtige Berounka-Brücke, dabei fielen auf der Verteidigerseite 16 Wlassow-Kämpfer und 41 Einwohner von Lahovice, von denen rund die Hälfte, darunter auch Kinder, erst nach dem Kampf umkamen, als die SS-Männer ihre Wut brutal an den Ortsbewohnern ausließen. Ein Denkmal erinnert an das Massaker.

Wie geschaffen für Picknicks

Aussicht vom Hügel Děvín | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International
Blick vom Děvín auf die Moldau und die Felslandschaft Branické skály | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Die Randgebiete des Děvín (310 m) sind wegen ihrer Steppenvegetation als Teil des Naturreservats Prokop-Tal und des Naturdenkmals Ctirad naturgeschützt. Der Sage nach hat sich dort der Mädchenkrieg zugetragen. Hunderte Prager kommen bei schönem Wetter dorthin. Manche genießen den Blick auf die Kirche St. Philipp und Jakob in Zlíchov und die gegenüberliegenden Hochhäuser von Pankrác, auf Podolí, die Felslandschaft Branické skály und natürlich den Fluss von Wiesen aus, auf denen sie in aller Ruhe picknicken. Auf den Hängen und auch direkt bei den Aussichtspunkten treten paläozoische Kalksteine an der Oberfläche hervor, und nicht weit von dort hat Joachim Barrande 1833 seine ersten böhmischen Fossilien, Trilobiten und Kopffüßer, gefunden.

Vávra-Aussichtsturm | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Auch die ebenso vielbesuchten Branické skály am anderen Ufer bestehen aus Kalkstein. Im Inneren dieses Felsmassivs errichtete die Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs eine geheime Fabrik. Oben dehnt sich der Waldpark Dobeška aus, und ganz am Rand, von wo man weite Teile Prags sehen kann, ist ein kleiner hölzerner Aussichtsturm, mit dem der Architekt David Vávra, Mitbegründer des nahen Theaters Sklep, Leben auf den Felsgipfel gebracht hat.

Die Moldau zwischen Burgen

Vyšehrad – Blick auf die Moldau und die Rudererinsel | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International
Vyšehrad – Libussas Bad | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Während Radfahrer und Skater die Moldauufer im Süden Prags mögen, ziehen die Fußgänger den daran anschließenden Flussabschnitt vor, der im Mittelalter eine historische Rolle bei der Entwicklung der ersten Stadtteile spielte. Bei ihnen sind die Ufer und Böschungen zwischen dem Vyšehrad und der Prager Altstadt beliebt. Das Felsmassiv des Vyšehrad ist der einzige Ort in Prag, an dem kein Platz mehr für eine Straße war, daher musste hier am Beginn des 20. Jahrhunderts ein Tunnel durchgebrochen werden.

Aussichtspunkt auf dem Vyšehrad mit Blick auf die Moldau und ihre Brücken | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Die Přemysliden-Burg auf dem Felsmassiv bewachte den Zugang zur Stadt. Die Ruine, Libussas Bad genannt, stammt nicht aus der Zeit, in der Böhmen noch ein Fürstentum war. Sie entstand erst während der Regentschaft Kaiser Karls IV. als Bestandteil der Stadtbefestigung. Heute prägt den Vyšehrad neben der Basilika St. Peter und Paul vor allem das massive Festungsmauerwerk aus dem 17. Jahrhundert. Die daraus aufragenden Bastionen sind heute Orte, an denen Touristen unvergessliche Aufnahmen von den Moldaubrücken mit dem Hradschin im Hintergrund oder von der Moldau mit der Rudererinsel zwischen Podolí und Smíchov machen.

Aussichtspunkt im Letná-Park | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Auf der Letná gab es schon im 19. Jh. beliebte Aussichtspunkte

Letná-Schlösschen | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Die wohl schönste Aussicht auf die Prager Moldau-Brücken bietet der Letná-Park. Ab 1891 wurde dort bereits eine Standseilbahn betrieben, an die bei der Endstation beim Letná-Schlösschen die Křižík-Elektrobahn anschloss. Der Betrieb der Standseilbahn wurde 1916, also relativ früh wieder eingestellt. In der Zwischenkriegszeit führte eine Rolltreppe auf die Letná-Anhöhe. In der sozialistischen Ära rückte die Letná-Anhöhe wieder ins Rampenlicht, und zwar als Ort, von dem der steinerne Stalin auf Prag herabblickte sowie als Versammlungsplatz für die Menschenmassen bei den riesigen Maiumzügen.

Hanau-Pavillon | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Heute unternimmt man hier Spaziergänge oder geht in die Biergärten beim Letná-Schlösschen. Am Westrand des Parks steht der neubarocke Hanau-Pavillon, der seine Entstehung ebenso wie die Standseilbahn der Jubiläums-Landesausstellung verdankt. Gleich daneben befindet sich einer der Orte, von denen man einen wundervollen Blick auf die historischen Stadtteile Prags und den Fluss dazwischen hat. Einige Dutzend Meter weiter ist eine Plattform geschaffen worden, von der man einen fast ebenso guten Ausblick hat wie vom Pavillon.

Das Stalin-Denkmal überdauerte nur ein paar Jahre, es war damals die größte Skulpturengruppe Europas. Den frei gewordenen Platz sollte danach ein Denkmal für die Befreiung der Tschechoslowakei ausfüllen, das jedoch nicht mehr gebaut wurde. Den Sockel, der als Memento erhalten geblieben ist, nutzen seither Skater, und seit 1991 prägt ein neues, monumentales Metronom die Plattform. Auch dieser Ort ist ein viel besuchter Aussichtspunkt.

Metronom am Ort des früheren Stalin-Denkmals | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Das Metronom (ursprünglich „Zeitmaschine“ genannt) ist ein Werk des Bildhauers und bedeutenden Vertreters der kinetischen Kunst Vratislav Novák. Mit dem Pendel ist es 25 Meter hoch. Bis vor wenigen Jahren wurde dort traditionell das Neujahrs-Feuerwerk abgebrannt.

Blick vom Letná-Schlösschen,  vorne Čech-Brücke | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Schwarzer Felsen, Weißer Felsen und Mammutjäger

Die Moldau,  fotografiert vom Schwarzen Felsen beim Friedhof von Libeň | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Die zum Fluss hin abfallende Straße Bulovka trennt zwei Aussichtspunkte in Libeň, die in der Luftlinie nicht allzu weit voneinander entfernt sind. Von beiden kann man das sich wandelnde Gesicht der Libeň-Insel und des Hafens sehen. An den einst öden, doch romantischen Orten sind neue, teure Wohnkomplexe entstanden. Die erwähnten Aussichtspunkte mit den kontrastierenden Namen gehören zum Naturdenkmal Weißer Felsen, bei dem es tatsächlich Gesteine in hellen und dunklen Schattierungen gibt.

Die Moldau vom Weißen Felsen aus | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Der Schwarze Felsen heißt auch „Koráb“, er ist ein wenig beachteter Ort hinter dem Friedhof von Libeň, während der Weiße Felsen erstmals unter diesem Namen in dem Werk „Die Mammutjäger“ von Eduard Štorch erwähnt wird. Die Sippe, der die Romanhelden Mamutík und Kopčem angehören, hatte hier ihr Lager aufgeschlagen. Unter den Habsburgern wurden auf dem Weißen Felsen Weinstöcke angepflanzt. In jüngster Zeit hat man auf dem Nordhang Obstbäume gepflanzt, doch der Garten beginnt schon mit durch Flugsamen angetragenen Gehölzen zuzuwachsen.

Blick von Baba auf die Kaiserinsel mit Kläranlage | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Naturbelassene Landschaft im Norden Prags

Ruine Baba | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Im Norden der Hauptstadt fließt die Moldau am Tiergarten vorüber und strömt ähnlich wie im Süden unterhalb von Hügeln und Felsen dahin. Manche der Aussichtspunkte liegen bis zu 80 Meter über dem Fluss. Bekannt ist vor allem Baba, und zwar wegen einer Gebäuderuine, in der sich früher eine Weinpresse und vielleicht auch eine Kapelle befanden. Das Gebäude wurde in der Zeit der Romantik hergerichtet und erinnert so eher an eine kleine Burg. Darunter teilt die Kaiserinsel die Moldau in zwei Arme, auf ihr sind die zwei kreisförmigen Becken der zentralen Kläranlage zu sehen.

Die Moldau von der Felsformation Podbabské skály aus | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Hinter Baba endet das Tal des Šárka-Baches, und daran schließen die Felsformationen Podbabské skály an, auf denen sich nur selten besuchte Aussichtspunkte befinden. Unten verkehrt eine Fähre zwischen Podbaba und Podhoří in kurzen Zeitabständen. Links liegt in einer Moldaukrümmung das Stadtviertel Sedlec, das gegenüberliegende Ufer ist extrem steil und auf dem Felsvorsprung mit einem langen Geländer gesichert. Einst stand dort die Festungsanlage Na Farkách, deren Bewohner bereits lange vor unserer Zeitrechnung in der Tat einen guten Überblick hatten, was auf dem Fluss unter ihnen geschah. Von der Siedlung Bohnice kann man nicht nur hierhin spazieren, sondern besonders bei Sonnenuntergang sind auch die Aussichtspunkte hinter dem Softball-Spielplatz im Naturschutzgebiet Podhoří beliebte Ziele.

Die Moldau vom nördlichen Aussichtspunkt der Felsen Sedlecké skály aus | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International

Die Natur hat den Norden der Hauptstadt wahrhaft reich bedacht, und so lohnt es sich auf jeden Fall, auch zu den aus Schiefergestein bestehenden Sedlecké skály bei der Schrebergarten-Kolonie zu spazieren, in der sich 1975 das tragischste Flugunglück auf tschechischem Gebiet ereignet hat, oder auf dem anderen Ufer zur ehemaligen Festungsanlage Zámka. Hinter dem Felsen Drahanská rokle strömt die Moldau schon in den Kreis Mittelböhmen. Das Felsmassiv bildet einen eindrucksvollen Scheidepunkt des Flusses, ohne den Prag wahrscheinlich nie entstanden wäre.

Aussichtspunkt der ehemaligen Festungsanlage Zámka | Foto: Miloš Turek,  Radio Prague International
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