Balkan-Syndrom auch in Tschechien

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In Italien beschäftigt das "Balkan-Syndrom", an dem gemäß Presseberichten sechs italienische KFOR-Soldaten starben, bereits seit geraumer Zeit die Öffentlichkeit. Auch in vielen anderen europäischen Staaten ist man wegen der Gefährdung der KFOR-Soldaten beunruhigt. Über das möglicherweise erste tschechische Opfer des Syndroms hören Sie einen Bericht von Olaf Barth.

Laut Angaben der tschechischen Tageszeitung "Mlada fronta DNES" verstarb im vergangenen Jahr der Hubschrauberpilot Michal Martinak kurz nach der Rückkehr aus Bosnien an Leukämie. Nun wird hierzulande spekuliert, ob es sich hierbei um einen Fall des sog. "Balkan-Syndroms" handelt. Also um eine Leukämie- oder andere Krebserkrankung bei Soldaten, die in Bosnien oder im Kosovo im Einsatz waren und dort wahrscheinlich mit schwachradioaktiver uranhaltiger Munition in Kontakt gekommen sind. Die NATO hatte im März vergangenen Jahres zugegeben, im Jahr 1999 während des Kosovo-Krieges 31.000 uranangereicherte Granaten verschossen zu haben. Diese enthielten etwa zehn Tonnen schwachradioaktives Uran.

Die Führung der Tschechischen Armee zeigte sich von der Nachricht überrascht. Der Stabschef der Armeesanitätsdienste General Jan Petras hatte noch am Dienstag gegenüber der tschechischen Nachrichtenagentur CTK erklärt, es seien bisher keine Fälle krebsartiger Erkrankungen bei tschechischen Soldaten, der im Balkan eingesetzten Truppen, aufgetreten. Gleich nach bekannt werden der Nachricht stellte er jedoch ein Expertenteam zusammen, dass die Todesursachen und -umstände im Fall Martinak untersuchen soll.

Martinaks ehemaliger Vorgesetzter, der Leiter der Hubschrauberstaffel Jaromir Docekal, sagte gegenüber "Mlada fronta DNES" (ZITAT): "Er sollte eigentlich nach Bosnien zurückkehren, doch die Ärzte stellten fest, dass seine Blutwerte nicht in Ordnung waren." Bei dem gleichen Test vor der Mission waren keinerlei Probleme aufgetreten.

General Petras äußerte zudem, es müsse genau untersucht werden, ob es die Reste radioaktiver Munition oder andere chemische Produkte seien, die die Soldaten im Balkan offensichtlich gesundheitlich gefährden. Die verwendete Munition schade zwar vermutlich nicht durch ihre Radioaktivität, aber durch das Freisetzen von Schwermetallen, wie Kadmium und Blei. Der Krieg in Bosnien und im Kosovo zwinge die Generäle dazu, erneut die Folgen der modernen Kriegsführung zu analysieren, gab der General zu bedenken.

(ZITAT): "Wir sprechen hier über ökologisch verwüstete Schlachtfelder, denn es gelangen sehr gefährliche und lange wirkende Schwermetalle in Boden, Wasser und Pflanzen. Und in vielen Fällen kann es auch zu genauso verheerenden Reaktionen dieser Stoffe kommen."

Was auch immer bei den Untersuchungen des an Leukämie verstorbenen tschechischen Hubschrauberpiloten Michal Martinak und bei den schon länger bekannten Fällen in Italien, Portugal und vielen anderen Ländern herauskommen mag, eines dürfte schon jetzt klar sein: Das Ammenmärchen vom sauberen Krieg, dass die NATO-Generäle der europäischen Bevölkerung vorgaukeln wollten, ist als solches entlarvt.

Der eigentliche Skandal dabei ist aber, wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Donnerstag schrieb, dass das verwendete Uran erst jetzt zum Skandal wird.

Autor: Olaf Barth
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