Besseres Handynetz auf dem Land: Tschechien will seine Funklöcher schließen

In Tschechien hat der absolute Großteil der Einwohner Zugang zum Handynetz und schnellen mobilen Daten. Es gibt aber auch Orte im Land, an denen die Menschen von einer solchen Versorgung nur träumen können. Nun soll der Netzausbau weiter vorangebracht werden.

Was es heißt, in einem Funkloch zu leben, weiß Hana Jarolímová aus eigener Erfahrung. Sie wohnt gleich hinter einer Talsperre in der Tausend-Seelen-Gemeinde Morávka im schlesischen Teil Tschechiens. Für besseres Handynetz kämpfe der Ort in den Beskiden schon seit mindestens 15 Jahren, sagt Jarolímová, die seit Längerem Mitglied des Gemeinderates ist:

„Bisher ist es meist an den Geldern gescheitert. Es gab zwar Förderprogramme für die Netzanbieter. Sie haben sich aber immer nur die Orte ausgewählt, in denen der Ausbau nicht zu kompliziert und teuer war.“

Gemeinden wie Morávka gibt es in Tschechien zuhauf. Das hiesige Telekommunikationsamt (ČTÚ) führt eine Liste, in der aktuell über 1700 Orte genannt sind, die noch immer aufs Handynetz warten. Karel Holek arbeitet für die Behörde und sagt:

„Die sogenannten ‚weißen Flecken‘ sind Orte, an denen die Abdeckung durch die Provider nicht ausreichend ist. Das Kriterium ist, dass mindestens 97 Prozent der Bevölkerung dort kein Netz haben.“

Die Liste des Telekommunikationsamtes sei allerdings bei Weitem nicht vollständig, gesteht Holek:

„Mitunter geht aus den Simulationen hervor, dass es in einem Gebiet eigentlich Netz geben sollte, durch unsere Messungen stellen wir aber fest, dass dies nicht der Fall ist. Diese Orte ergänzen wir dann auf der Liste. Schließlich geht das Dokument an die Provider. Sie losen die Orte so unter sich aus, dass jeder ein Drittel erhält.“

Denn das Telekommunikationsamt hat die drei Mobilfunkprovider hierzulande im Zuge der Frequenzvergabe in diesem Jahr dazu verpflichtet, die Funklöcher zu stopfen. Bis 2030 müssen Vodafone, T-Mobile und O2 nun jeweils 200 Orte an das Netz anschließen. Viktor Filip arbeitet für das Unternehmen Cetin, das den Großteil des tschechischen Telekommunikationsnetzes verwaltet. Er betont, dass für das Aufstellen eines einzigen Funkmasts rund zwei Jahre ins Land gehen können. Die tatsächliche Bauzeit würde dabei nur 90 Tage betragen:

„Es sind zahlreiche Zustimmungen und Stempel nötig, und viele Grundstückseigentümer müssen ihr Einverständnis erteilen. Es geht nicht nur um die Besitzer des Grundstücks, auf dem der Mast stehen soll, sondern auch um die Flächen, unter denen Kabel verlegt werden müssen.“

Jiří Grund, der Chef des tschechischen Verbands der Mobilfunkprovider (APMS), verweist zudem auf eine weitere Hürde:

Jiří Grund | Foto: Milan Baják,  Tschechischer Rundfunk

„Naturschutzgebiete sind ein rotes Tuch. Wenn dort ein Sendemast gebaut werden soll, wissen wir, dass das auch in fünf Jahren nicht gelingen wird.“

Die weißen Flecken in Tschechien befinden sich vor allem in wenig besiedelten Gegenden und entlang der Grenze, wo sich der Ausbau finanziell nicht lohnt. Probleme macht mitunter aber auch die Topographie. So gibt es im Kreis Vysočina, im Erzgebirge und im Böhmerwald viele Orte, in die das Handynetz wegen der zahlreichen Hügel und Berge nicht gelangt.

Im EU-Vergleich steht das hiesige Netz aber nicht schlecht da. So meldete Tschechien zuletzt, dass 99 Prozent der Einwohner Zugang zum schnellen 5G-Standard hätten. Der Durchschnitt in der Europäischen Union lag Ende vergangenen Jahres nur bei 94 Prozent.

Autoren: Ferdinand Hauser , František Kuča | Quelle: Český rozhlas
abspielen