Bittere Pille: Motorrad-Grand Prix in Brünn findet ohne Zuschauer statt

Automotodrom Brno (Foto: Petr Tichý, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Ab diesem Freitag ist die südmährische Stadt Brno / Brünn wieder für 72 Stunden das Mekka des Motorradrennsports. Auf dem Masaryk-Ring unweit der Messestadt wird der dritte Renntag zur diesjährigen Weltmeisterschaft der Klassen MotoGP, Moto2 und Moto3 ausgetragen. Doch auch diese traditionsreiche Veranstaltung ist durch die Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt: Sie findet erstmals ohne Zuschauer statt.

Automotodrom Brno (Foto: Petr Tichý, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Der Grand Prix von Tschechien zählt zu den Zuschauermagneten der jährlichen WM-Serie im Motorradrennsport. Zu seinen besten Zeiten kamen 250.000 Zuschauer zu den Rennen, doch diesmal dürfen nur rund 3000 Leute die Eingangstore zum Masaryk-Ring passieren: die Fahrer mit ihren Teams, die Rennleitung mit all ihren Helfern, Verantwortliche des Motorrad-Weltverbands und des Promoters sowie Journalisten. Zuvor aber müssen sich alle Genannten direkt vor dem Areal in einer mobilen Klinik einem Corona-Test unterziehen und noch weitere Auflagen erfüllen, sagt der Sprecher des Automotodroms Brno, Petr Boháč:

„Alle Fahrer und deren Team-Mitglieder haben in ihren Handys eine spezielle App installiert, mit der sie unter anderem ihre Testergebnisse ablesen können. Zugleich dürfen sie sich während des Wochenendes nur auf direktem Wege zwischen der Rennstrecke und ihrem Hotel bewegen.“

Foto: Jiří Rotrekl, Pixabay / CC0

Während die Protagonisten der WM-Rennen und ihre Helfer also in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, werden Zuschauer gar nicht erst zugelassen. Dies war eine der alternativlosen Bedingungen, damit der Renntag in Brno / Brünn diesmal überhaupt stattfinden kann. Aufgrund der Vorkehrungen, die dazu getroffen werden müssen, gleicht das Automotodrom in diesem Jahr einer Festung: Alle Anreisenden, die keine spezielle Genehmigung haben, werden bereits an den Zufahrten zum Masaryk-Ring gestoppt. Doch es gibt noch mehr Einschränkungen, erläutert der Direktor der Polizei in Südmähren, Leoš Tržil:

„Im Umkreis des Automotodroms ist kein Parken möglich. Für alle Brünner gilt der Hinweis, dass keine Sonderbusse zum Masaryk-Ring fahren. Und alle Linienbusse, die hier verkehren, werden keinen Halt machen, sondern durchfahren.“

Ivana Ulmanová (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Damit die Motorradfans aber nicht ganz leer ausgehen, hatten die Gastgeber am Donnerstag eine Diskussionsrunde mit Persönlichkeiten des Motorsports im Brünner Kino Scala organisiert. Zudem wurde auf dem Mährischen Platz der Messestadt eine Ausstellung von historischen und zeitgenössischen Motorrädern gezeigt, und der langjährige tschechische WM-Fahrer Karel Abraham gab eine Autogrammstunde. Gast der Debatte in Kinosaal war auch die Direktorin des Automotodroms, Ivana Ulmanová. Zum Fehlen der Zuschauer sagte sie:

„Mir tut das leid. Auf der anderen Seite muss ich sagen: Als ich heute Morgen zur Strecke herausgefahren bin, konnte ich sehen, wie der Ring bereits ausgeschmückt ist, wie das Paddock voller Leben ist mit all den Trucks, Fahrern, Mechanikern und auch Medizinern. Auch das ist bereits eine Freude.“

Um nur einen Moment später hinzuzufügen:

Foto: Petr Tichý, Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Der Kummer kommt wohl erst in dem Moment, wenn beispielweise am Samstag das Qualifikationstraining beginnt. Denn dann hört man normalerweise den Lärm an der Strecke und den Aufschrei, wenn ein Fahrer stürzen sollte. Und am traurigsten wird es wohl zum Renntag am Sonntag werden. Diese Stimmung wird uns sehr fehlen.“

Schon jetzt sehr traurig sind alle Motorradsportfans, weil sie das Kultwochenende am Masaryk-Ring bei Brünn nicht wie gewohnt aus nächster Nähe mit ihren Idolen verbringen können. Eine gute Nachricht aber gibt es dennoch: Alle für dieses Rennwochenende im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für das WM-Rennen im kommenden Jahr. Dies ist auch fest eingeplant, denn MotoGP-Promoter Dorna hat den Brünner Veranstaltern den Renntag im WM-Kalender 2021 bereits zugesichert. Dies ist sicher auch eine Anerkennung dafür, dass die tschechischen Gastgeber die Ausrichtung des diesjährigen Wettbewerbs trotz der strengen Corona-Bedingungen schultern.

Autor: Lothar Martin
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