Bitteres Ende nach heldenhafter Leistung – Tschechiens Eishockeyspieler scheiden bei Olympia aus
Die tschechische Eishockeynationalmannschaft hat bei den Olympischen Spielen in Mailand fast für eine Sensation gesorgt. Schließlich unterlag sie jedoch im Viertelfinale dem favorisierten Team aus Kanada in der Extratime mit 3:4 und schied aus.
Viele Fans und Beobachter hatten dem tschechischen Eishockeyteam nach den Vorleistungen beim Olympischen Turnier nicht viel für das Viertelfinale zugetraut. Am Donnerstag überraschten die Spieler aber von Beginn der Begegnung mit Kanada an – und wohl nicht nur ihre Anhänger, sondern wohl auch ihren Gegner. In einem temporeichen und ausgeglichenen Spiel führten die Tschechen zweimal gegen den vermeintlichen Hauptfavoriten des Turniers – zuerst mit 2:1 und im letzten Drittel dann mit 3:2. Erst in der 57. Minute schoss Nick Suzuki das dritte kanadische Tor. Es folgte die Extratime. Auch da hatten die Tschechen bald eine große Chance, das Spiel zu entscheiden, doch Verteidiger Radim Šimek traf mit dem Puck nur den kanadischen Torhüter. Darauf folgte ein Angriff der Kanadier.
„Marner nähert sich und schießt das Tor, Kanada steht im Halbfinale“, kommentierte der Reporter des Tschechischen Rundfunks leicht geschockt. Mit dem Tor war das Spiel sofort beendet, die Tschechen schieden im Viertelfinale aus. Es war ein bitterer Schlusspunkt.
Der traurige Šimek, der zuvor noch die Chance für sein Team vergeben hatte, sagte im Tschechischen Rundfunk:
„Das wird vermutlich mein Albtraum sein. Hätte ich das Tor geschossen, wäre das der Treffer meines Lebens gewesen. Leider hat es nicht geklappt. Ich bin so verärgert und enttäuscht. Jetzt reisen wir nach Hause.“
Ähnlich äußerten sich auch weitere tschechische Eishockeyspieler. Denn es war zweifelsohne die beste Leistung des Teams bei den Olympischen Spielen. Umso mehr schmerzt die Niederlage. Roman Červenka, Kapitän der Nationalmannschaft:
„Wir haben alles gegeben, leider hat es nicht gereicht. Drei Minuten bis zum Spielende sind eine relativ kurze Zeit, beim Match gegen Kanada war das jedoch eine lange Zeit. Wir haben viel besser gespielt als in unserem Gruppenspiel gegen die Kanadier. Ich bin davon überzeugt, dass wir endlich gezeigt haben, welches Potenzial das Team hat. Dieses Potenzial war bis dahin im Olympia-Turnier ein wenig versteckt gewesen.“
Und NHL-Star David Pastrňák, der bei den Boston Bruins unter Vertrag steht, fügte hinzu:
„Die Kanadier waren nervös. Sie waren unter starkem Druck. Wir haben alle auf dieses Turnier gewartet. Das Halbfinale und der Kampf um Medaillen waren schon so nahe. Es hat jedoch nicht geklappt. Wir haben gewusst, dass es im Viertelfinale schon um alles geht und haben von der ersten bis zur letzten Minute gekämpft. Das ist das Schöne an unserem Team.“
Der berüchtigte Verteidiger der Anaheim Ducks, Radko Gudas, war sehr enttäuscht, lobte jedoch die Mannschaft.
„Wir waren eines der besten Teams des Turniers. Ich denke, dass wir auf das, was wir geleistet haben, stolz sein können. Ich meine, dass wir ein viel besseres Ergebnis verdient hätten. Ich traue mir zu sagen, dass wir zu Beginn besser waren und die Kanadier mit uns Probleme hatten. Leider hat es in der Extratime nicht geklappt, diese ist eben unberechenbar.“
Ein Mitspieler von Gudas in Anaheim ist der viel gelobte Torwart Lukáš Dostál. Er sagte, es sei richtiges Play-off-Eishockey gewesen.
„So werden Spiele gewonnen. Wir waren nur knapp fünf Minuten vom Sieg entfernt. Im Vergleich zu der ersten Begegnung, die wir gegen Kanada verloren haben, waren wir bedeutend besser. Uns ist eine echte Leistungssteigerung gelungen.“
Obwohl das tschechische Eishockeyteam seine Koffer packen musste, hat es mit seinem letzten Spiel in Mailand die Fans begeistert. Auf eine Olympia-Medaille ihrer Mannschaft müssen die Tschechen jedoch weiter warten. Die letzte gelang 2006 in Turin.







