Auf der Jagd nach der Medaille: Tschechisches Eishockeynationalteam der Frauen bei Olympia

Denisa Křížová (links) mit ihren Teamkolleginnen aus der Nationalmannschaft

Erst zum zweiten Mal überhaupt sind die tschechischen Eishockeyspielerinnen bei den Olympischen Spielen dabei. Doch die Vorzeichen haben sich seit der Premiere von 2022 verändert: Denn Tschechien hat sich vom Außenseiter zu einem heißen Medaillenkandidaten entwickelt.

Schon zweimal haben die tschechischen Eishockeyspielerinnen unter Beweis gestellt, dass sie mittlerweile zur Weltspitze gehören. 2022 und 2023 holten sie jeweils WM-Bronze. Dies geht zu großen Teilen auf das Konto von Nationaltrainerin Carla MacLeod. Die Kanadierin übernahm das Team im April 2022, kurz vor der damaligen Weltmeisterschaft. In einem Interview für das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen (ČT) schilderte MacLeod Anfang Dezember vergangenen Jahres, welche Entwicklung das Nationalteam seitdem genommen hat…

Nationaltrainerin Carla MacLeod | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wenn man das Team heute spielen sieht, dann ist es körperlich stärker, und wir versuchen auf eine etwas andere Art, zu Toren zu kommen. Da gibt es ein paar Schlüsselelemente auf dem Eis. Aber die größte Veränderung ist der Glaube der Spielerinnen an sich selbst und an das, was sie erreichen können“, so die Trainerin.

Und das hat auch die Ansprüche für Olympia wachsen lassen. Am Samstag ist das Team nach Mailand aufgebrochen, wo das olympische Eishockeyturnier ausgetragen wird.

Bereits Anfang Januar wurde der Kader nominiert. In Abwesenheit von MacLeod, die noch in ihrer Heimat weilte, wurde das Aufgebot von Nationalmannschaftsmanagerin Tereza Sadilová präsentiert. Bei der Pressekonferenz sagte sie:

Nationalmannschaftsmanagerin Tereza Sadilová | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Wenn ich die Lage von heute mit der vor den Spielen 2022 in Peking vergleiche, dann unterscheidet sie sich wie Tag und Nacht. Vor vier Jahren waren wir froh, dass wir uns auf den letzten Drücker noch für Olympia qualifizieren konnten. Und wir fuhren dann eher in der Rolle der Outsiderinnen nach China. Heute haben wir große Ambitionen, und wir geben offen zu, dass wir zu den Medaillenfavoriten gehören.“

Klare Aussagen – und das obwohl die Tschechinnen bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften keine Medaille geholt haben. Sie unterlagen jeweils im Spiel um Platz drei den Finninnen, und das ebenso im vergangenen Jahr zu Hause in České Budějovice / Budweis.

Dennoch rechnen auch die tschechischen Sportjournalisten mit der ersten Olympiamedaille der Puckjägerinnen ihres Landes. So erläutert Petr Kadeřábek vom Sportsender des Tschechischen Rundfunks:

Petr Kadeřábek | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

„An der Art, wie die Tschechinnen unter der Leitung der kanadischen Trainerin Carla MacLeod in internationale Begegnungen gehen – egal ob bei der Euro Hockey Tour oder den großen Turnieren –, ist klar zu sehen, dass sie sich der absoluten Spitze angenähert haben. Kanada und die USA sind zwar immer noch weit voraus im Frauen-Eishockey. Aber die Tschechinnen haben sich ihnen schon sehr angenähert. Meiner Meinung nach holen sie diesmal Bronze.“

Es ist der Blick auf den Kader, der den Experten zu diesem eindeutigen Tipp bewegt. Denn mittlerweile stehen die besten Tschechinnen in der nordamerikanischen Profiliga PWHL (Professional Women´s Hockey League) unter Vertrag.

„Im Vergleich zu den anderen Nationalmannschaften aus Europa hat Tschechien den größten Anteil an Spielerinnen aus dieser Liga, die der NHL bei den Männern entspricht. Es sind gleich acht – und so viele können weder Schweden noch Finnland oder die Schweiz aufbieten. Zu den tschechischen PWHL-Profis gehört zum Beispiel Kristýna Kaltounková, die im vergangenen Jahr von den New York Sirens an Nummer eins gedraftet wurde“, führt Kadeřábek an.

Kristýna Kaltounková | Foto: David Stevens,  ZUMA Press Wire / Shutterstock Editorial / Profimedia

Und Kaltounková reist als derzeit beste Schützin der PWHL zu Olympia.

Für die Tschechinnen startet die Mission Medaille bereits am Donnerstag, also einen Tag vor der feierlichen Eröffnung der Spiele. Da müssen die Schützlinge von Carla MacLeod gleich gegen die Mitfavoritinnen aus den USA ran. Denn das Turniersystem für die Eishockeyspielerinnen ist speziell. In der Vorrunde gibt es zwei unterschiedlich starke Fünfergruppen. In der Gruppe A mit Tschechien befinden sich die Spitzenteams, die alle fürs Viertelfinale qualifiziert sein werden. Aus der Gruppe B – mit unter anderem Deutschland – kommen hingegen nur die bestplatzierten drei Teams weiter.

Am Freitagnachmittag sind die Tschechinnen schon wieder in Aktion, sie treffen dann auf die Schweizerinnen. Es ist ein eng gestecktes Programm, wie auch Stürmerin Natálie Mlýnková findet:

Natálie Mlýnková kämpft im Halbfinale der Weltmeisterschaft mit Hilary Knight um den Puck | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Es wird sicher schwer. Wir haben zwei Spiele an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, dann einen Tag frei und wieder zwei Spiele hintereinander – davon eines sogar um neun Uhr abends. Aber wir haben vier Jahre lang darauf hingearbeitet, dass wir das meistern. Es geht darum, von Anfang bis Ende bereit zu sein. Ich bin mir sicher, dass wir unser Herz auf dem Eis lassen.“

Und das werden die Tschechinnen sicher auch ihrer Trainerin zuliebe. Denn Carla MacLeod gab im Dezember bekannt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist. Beim Medientag in der vergangenen Woche sagte Teamkapitänin Aneta Tejralová:

Aneta Tejralová | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

„Leider ist es jetzt, wie es ist. Aber sie ist eine starke Frau. Allein schon, dass sie hierhergekommen ist und wir gemeinsam nach Italien fliegen, halten wir für wichtig. Wir schätzen sie sehr, so wie sie ist.“

Und MacLeod betonte vor dem Abflug nach Mailand, dass in den kommenden zwei Wochen für sie nur das Eishockey zähle. Die Medaillenentscheidungen fallen am 19. Februar, wenn das Spiel um Platz drei und das Finale ausgetragen werden.

Tschechisches Eishockeynationalteam der Frauen | Foto: Zhang Fan,  Xinhua News / Profimedia
Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČT
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