Britischer Corona-Mutation will Tschechien mit FFP2-Masken begegnen

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Tschechien kämpft nun fast schon elf Monate lang mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. In den letzten Tagen ist eine neue Herausforderung hinzugekommen: Es wurde festgestellt, dass die hochansteckende britische Mutation des Virus auch hierzulande angekommen ist.

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Die britische Mutation des Coronavirus sei nicht gefährlicher als seine bisher bekannte Form, doch sie könne den Grad der Ansteckung wesentlich erhöhen. Und zwar um bis zu 40 Prozent, sagte Tschechiens Gesundheitsminister Jan Blatný (parteilos) am Montag vor Journalisten. Dieser Gefahr sei man sich durchaus bewusst und man werde entsprechend reagieren, ergänzte Blatný. Ein Mittel zur Vermeidung einer Ansteckung sei dabei das Tragen einer Atemschutzmaske an besonders exponierten Orten der Öffentlichkeit. Dazu sprach der Minister am Dienstag eine Empfehlung aus:

„Die Maske sollte zum Beispiel in allen medizinischen Einrichtungen getragen werden oder in den Schulen, wenn dort der Unterricht wieder aufgenommen wird. Auf alle Fälle ist der Schutz durch eine Atemschutzmaske vom Typ FFP2 weitaus besser als durch einen anderen Mund- und Nasenschutz.“

FFP2-Maske  (Foto: dronepicr,  Flickr,  CC BY 2.0)

Im Gegensatz dazu wird in Deutschland im Zuge des verlängerten Lockdowns eine FFP2-Maske überall dort zur Pflicht, wo sich viele Menschen begegnen, und zwar in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. In Tschechien bleibt es vorerst bei einer Empfehlung, auch wenn diese noch auf weitere Bereiche ausgedehnt werden sollte. Das sagte die Leiterin des zentralen Gesundheitsamtes, Jarmila Rážová, am Mittwochmorgen in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Den Appell, den Minister Blatný gestern ausgesprochen hat, unterstütze ich. Auch ich befürworte das Tragen von Atemschutzmasken an Orten, wo sich eine größere Anzahl von Personen versammelt, die sich nicht kennen. Das ist insbesondere in medizinischen oder sozialen Einrichtungen der Fall. Ganz bestimmt würde ich dies auch für den öffentlichen Nahverkehr empfehlen, denn die FFP2-Maske bietet mehr Sicherheit als ein die Mundschutz aus Baumwolle.“

Roman Havlík  (Foto: Archiv der Uniklinik in Olomouc)

Diese Empfehlung würde in seiner Einrichtung schon seit längerem umgesetzt, bestätigte am Mittwoch auch der Direktor der Uniklinik in Olomouc / Olmütz, Roman Havlík:

„Alle Ärzte, Schwestern und Pfleger bei uns tragen die Atemschutzmaske. Und soweit ich das beurteilen kann, ist das auch bei den Besuchern der Fall. Ich muss indes zugeben, dass jetzt relativ wenige Patienten zu uns kommen. Wir haben nämlich die Öffentlichkeit dazu angehalten, unsere Klinik nur in den Fällen aufzusuchen, wenn der soziale Kontakt besonders wichtig ist.“

Über den Verdacht, dass die britische Corona-Variante auch in Tschechien registriert wurde, hat das Staatliche Gesundheitsamt erstmals am vergangenen Samstag informiert. Am Dienstag hat die Behörde den Fund bestätigt. Am Mittwoch erklärte Amtschefin Rážová dazu:

Jarmila Rážová  (Foto: ČT24)

„Das Verfahren zur Bestimmung des Erregers wird jetzt intensiviert. Wir wollen, dass die positiven Befunde an das zentrale Referenzlabor geschickt werden. Dort wird dann die weitere Sequenzierung der Proben durchgeführt, weil bei weitem nicht alle Labore dazu in der Lage sind.“

Die Möglichkeit, Mutationen des Virus nachzuweisen, ist in Tschechien also begrenzt. Umso mehr werde man die Rückverfolgung der Kontaktpersonen zu den bisher bekannten Fällen intensivieren, versicherte Rážová. Einige Gesundheitsexperten brachten indes eine weitere Verschärfung des derzeitigen Lockdowns ins Gespräch. Es wurde sogar vorgeschlagen, zu den bisherigen fünf Warnstufen des Corona-Risikoindex noch eine sechste hinzuzufügen. Doch diesem Gedanken erteilte die Leiterin des Gesundheitsamtes eine Absage:

„In Tschechien gilt derzeit die fünfte und höchste Stufe, und das wird mindestens noch eine Woche oder länger so sein. Ich denke, diese Stufe ist derart wirksam, dass wir im zentralen Krisenstab vorerst nicht darüber nachdenken, noch strengere Maßnahmen einzuführen.“