ČEZ-Konzern erleichtert: Von Albanien erhält er 100 Mio. Euro für Investitionen zurück

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Wenn ein Unternehmer mit seinem Kapital ins Ausland geht, um dort zu investieren, dann will er in der Regel eine Sicherheit. Das ist die Garantie des jeweiligen Staates, dass seine Investition nicht irgendwo in dunklen Kanälen verschwindet. Wie wichtig es ist, die richtigen Partner zu haben, hat zuletzt auch der Energieversorger ČEZ in Albanien erfahren. In Tirana wurde ihm zu Beginn des Jahres 2013 die Lizenz zum Stromvertrieb entzogen. Daher musste der tschechische Konzern befürchten, dass ihm dort alle Felle wegschwimmen. Nun aber hat die albanische Regierung eingelenkt und sich mit ČEZ auf eine Millionenentschädigung geeinigt.

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Es war eine freudige Nachricht, die den Energiekonzern ČEZ noch am Montag aus Wien erreichte. Unter Aufsicht des Sekretariats der dortigen Energiegemeinschaft wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der der albanische Staat den Tschechen nun eine Kompensation für eine verlorene Investition zu zahlen hat. Der Entschädigungsbetrag liegt bei 100 Millionen Euro – eine Summe, die jedoch nur die Ausgangskosten der einstigen Investition decke, sagt der Analyst Bohumil Trampota von der Bank J & T:

Bohumil Trampota (Foto: ČT24)
„ČEZ hat zwar Ende 2008, Anfang 2009 die Rechte zur Stromversorgung in Albanien für 102 Millionen Euro gekauft. Die gesamten Investitionen von ČEZ waren indes fast doppelt so hoch.“

Zudem habe ČEZ bis zum Ende des Jahres 2012 in Albanien gut gewirtschaftet und dadurch auch Gewinne erzielt. Das alles aber sei kurz darauf zu Bruch gegangen, erklärt Trampota:

„Der Anfang des Problems geht auf den Beginn des Jahres 2013 zurück, als die albanische Regulierungsbehörde der Firma ČEZ die Lizenz zum Stromvertrieb entzog. Zugleich hat die Behörde wieder den staatlichen Netzbetreiber eingesetzt und so de facto den dortigen Markt beeinflusst.“



Daniel Beneš (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Die Gründe für den überraschenden Lizenzentzug waren aus Sicht von ČEZ offenbar sehr fadenscheinig, weshalb das Unternehmen schon kurz darauf ein internationales Schiedsgericht zur Lösung des Streitfalls einschaltete. Doch nun ist es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen, was auch ČEZ-Generaldirektor Daniel Beneš mit Freude zur Kenntnis nahm:

„Ich sehe die Unterzeichnung des Abkommens als einen Erfolg an.“

Diese Einschätzung teilt Analyst Bohumil Trampota und nennt den Grund:

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„Ich glaube, niemand am Markt hat damit gerechnet, dass ČEZ irgendwann auch nur etwas aus Albanien erhalten werde. ČEZ war in diesem Fall zwar vor ein internationales Schiedsgericht gezogen, aber es war unklar, wie lange das Verfahren dauern und welchen Ausgang es haben werde. Und eine weitere Frage war, wie sich Albanien verhalten würde, wenn dieses Urteil zugunsten von ČEZ gefällt worden wäre.“

Štefan Füle (Foto: Europäische Kommission)
Nun aber die plötzliche Wende, die Insider ganz klar auf eine logische Drohung aus Prag zurückführen: Ohne ein Einlenken des Balkanstaates wollte Tschechien die baldige Verleihung des EU-Kandidatenstatus an Albanien blockieren. Das bestätigte indirekt vor wenigen Tagen auch der tschechische EU-Kommissar Štefan Füle:

„Dieser Streit, der natürlich der EU-Kommission bekannt ist, muss so gelöst werden, dass das Vertrauen für Investitionen in Albanien wiederhergestellt wird. Diesbezüglich aber gibt es noch gewisse Reserven auf der albanischen Seite.“

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Laut Trampota war die Herbeiführung einer Einigung mit ČEZ eine der letzten wichtigen Bedingungen für Albanien, um in Brüssel die EU-Anwartschaft zu erhalten. Schon am Dienstag gab es die Bestätigung: Bei der Sitzung der Außenminister der 28 EU-Staaten in Luxemburg wurde bekanntgegeben, dass Albanien der Status zuerkannt werde. Für den ČEZ-Konzern aber ist das schon kein Anreiz mehr. Er ist froh, aus seiner fehlgeschlagenen „Unternehmung Albanien“ mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.