Corona-Pandemie: Gefahr von Engpässen in Krankenhäusern steigt

Illustrationsfoto: Milan Soldán, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Der neue Gesundheitsminister Roman Prymula ist gut eine Woche im Amt. Premier Babiš erhofft sich von ihm, wie er sagte, ein gutes Krisenmanagement in der Zeit der Epidemie mit dem neuen Typ des Coronavirus. Doch Prymula musste bereits erkennen, dass sich die Ausbreitung des Virus wohl nur noch mit strikten Maßnahmen stoppen lässt. Das ist nötig, weil sich die Behandlungskapazitäten in den Krankenhäusern immer mehr ihrem Limit nähern.

Illustrationsfoto: Jan Ptáček, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Am 28. September, der hierzulande ein Feiertag ist, war niemand zum Feiern zumute. Insbesondere nicht im Gesundheitswesen. Denn gegenwärtig werden in den Kliniken hierzulande insgesamt 802 Patienten behandelt, die an Covid-19 erkrankt sind. Das sind fünfmal mehr als zu Monatsbeginn. Bei 181 von ihnen liegt eine schwere Erkrankung vor, auch dies ist das Fünffache gegenüber Anfang September. Und schon ein paar Tage zuvor erklärte Prymula, dass man in den Krankenhäusern die Kapazitäten für Covid-19-Patienten erhöhen müsse. Die Betten mit Ventilatoren seien nämlich fast vollständig belegt, so der Minister.

Am Montag wurde schließlich über einen weiteren möglichen Engpass berichtet: Der Vorrat des amerikanischen Medikaments Remdesivir, das sich bei der Behandlung von Covid-19-Patienten bewährt hat, geht allmählich zur Neige. Vladimír Šrámek ist der Chefarzt der anästhesiologischen Abteilung in der Uniklinik U svaté Anny in Brno / Brünn:

Vladimír Šrámek (Foto: Archiv der Uniklinik U svaté Anny in Brno)

„Am Freitag haben wir den Bestand in unserer Klinik überprüft, wir müssen ganz Mähren und die Böhmisch-Mährische Höhe mit dem Medikament versorgen. Dabei mussten wir feststellen, dass der Vorrat noch für rund 30 Patienten reicht. Und das war schon für die drei folgenden Tage – das Wochenende und den sich anschließenden Feiertag – sehr knapp. Meinen Informationen nach soll aber am Dienstag oder Mittwoch eine neue Lieferung mit 2000 Ampullen in Tschechien eintreffen. Dann wird unser Vorrat wieder für zwei bis drei Wochen reichen.“

Remdesivir ist ein noch nicht zugelassenes Medikament, das von der amerikanischen Pharmaziefirma Gilead Sciences entwickelt wurde. Es basiert jedoch auf den guten Erfahrungen, die die Firma mit einem ähnlichen Wirkstoff bei der Bekämpfung des Ebolavirus gemacht hat. Im Frühjahr hat sich Tschechien daher entschlossen, die Arznei in besonders schweren Covid-19-Fällen einzusetzen. Anfang Mai wurde dann der erste Patient, der mit Remdesivir behandelt wurde, in häusliche Behandlung entlassen. Es war ein 53-jähriger Taxifahrer, dem der Wirkstoff zwischen Ende März und Anfang April intravenös verabreicht wurde.

Remdesivir (Foto: Archiv des Allgemeinen Fakultätskrankenhaus in Prag)

Die Remdesivir-Lieferung, von der Vladimír Šrámek gesprochen hat, ist die letzte, die Tschechien aufgrund eines Halbjahres-Vertrages mit der Firma Gilead Sciences zugesichert wurde. Und es ist auch die letzte, die von der Europäischen Union finanziert wird. Wurde beim Gesundheitsministerium in Prag also versäumt, eine weitere Bevorratung zu veranlassen? Gabriela Štěpanyová ist die Sprecherin des Ministeriums:

„Das Gesundheitsministerium hat rechtzeitig alle notwendigen Schritte unternommen, um weitere Lieferungen sicherzustellen. Diese werden jedoch auf der Ebene der Europäischen Kommission koordiniert, auf der Grundlage einer Einschätzung zur Entwicklung der Infektionszahlen in den einzelnen EU-Mitgliedsländern.“

Weitere Lieferungen aber muss Tschechien dann zum Teil oder komplett selbst bezahlen. Dazu sei nun ein neuer Halbjahresvertrag für die Zeit ab November nötig, sagte Vladimír Šrámek im Rundfunk. Gesundheitsminister Prymula bestätigte, dass die Verhandlungen dazu laufen. Er bezeichnete die Versorgung mit diesem Medikament aber nur als eine von vielen Prioritäten derzeit. Aller Voraussicht nach wird Prymula daher die Regierung ersuchen, den Notstand auszurufen, um viele notwendige Dinge schneller umsetzen zu können. Gegenüber dem Rundfunk sagte er, was ihn derzeit am meisten Sorgen mache:

Roman Prymula (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

„Wir müssen Maßnahmen durchführen, die den Reproduktionsfaktor wieder unter die Zahl eins drücken. Wenn uns das nicht gelingt, dann werden wir täglich weiter 2000 bis 3000 Neuinfektionen haben, und das ist einfach nicht hinnehmbar.“

In Prag sei die Bettenkapazität in den Krankenhäusern, die für Covid-19-Patienten vorgesehen war, schon nahezu ausgeschöpft, so Prymula. Daher sei es möglich, dass die Ärzte einige geplante Operationen auf später verschieben müssten, kommentierte der Gesundheitsminister die aktuelle Lage in der tschechischen Hauptstadt.