„Dank“ Corona: Massenlauf auf dem Prager Flughafen

In den zurückliegenden Wochen und Monaten wurde oft darüber berichtet, was alles wegen des Coronavirus eingeschränkt wurde. Doch es heißt auch: Not macht erfinderisch. Und diese Maxime haben sich die Veranstalter der Prager Massenläufe zu Eigen gemacht – sie haben für dieses Wochenende mehrere Laufwettbewerbe auf dem Prager Flughafen organisiert.

Carlo Capalbo (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Das wird eine Neuheit sein, und wir erwarten erneut Tausende Menschen.“

Diese Aussage traf Carlo Capalbo vor neun Tagen auf einer Pressekonferenz in Prag. Sie bezieht sich auf eine Laufveranstaltung, die am Samstag und Sonntag erst- und einmalig auf dem Prager Flughafen stattfinden wird. Capalbo ist der Präsident des Organisationskomitees für die großen Massenläufe in Prag – den Marathon, den Halbmarathon sowie alle dazugehörigen Läufe auf kürzeren Distanzen. In diesem Jahr aber wird keines der populären Marathonrennen ausgetragen – weder in Boston, Chicago noch in Prag. Der Grund ist der kleine, aber noch unergründete Erreger mit der verheerenden Ansteckungsgefahr: das Coronavirus. In Zeiten, in denen man voneinander Abstand halten sollte, sind aber gerade Massenläufe das genaue Gegenteil davon. Capalbo ist indes kein Mensch, der schnell aufgibt. Und so sei er auf eine ungewöhnliche Idee gekommen, sagt Tomáš Coufal, der Direktor der RunCzech-Läufe:

Illustrationsfoto: RemazteredStudio, Pixabay / CC0

„Im Organisationskomitee haben wir nach der Emil-Zátopek-Devise gehandelt: ‚Wenn es nicht mehr geht, dann setz noch ein drauf‘. Und es war natürlich niemand anderes als Carlo Capalbo, der als begeisterter Fahrgast im Prager Stadtverkehr ständig unterwegs ist. Zu tiefsten Corona-Zeit steuerte er dabei einmal den Flughafen an und bemerkte, dass dort absolut kein Betrieb herrscht. Capalbo kam zwar völlig deprimiert zurück, doch im Gespräch stellten wir plötzlich fest: ‚Das könnte genau das Areal sein, auf dem wir jetzt eine Laufveranstaltung durchführen können.‘ Denn in Corona-Zeiten ist der Flughafen teilweise geschlossen oder nur eingeschränkt im Betrieb. Und genau deswegen könnte es ausnahmsweise gelingen, dort zu laufen.“

Libor Varhaník (Foto: Ondřej Suchan, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Gesagt, getan – und die Idee erwies sich als Volltreffer. Das sieht auch der Vorsitzende des tschechischen Leichtathletik-Verbandes, Libor Varhaník, so:

„Ich denke, dass der Hunger der Langstreckenläufer auf ein Rennen mittlerweile groß ist. Das hat sich schon während der Pandemie gezeigt, als man sehen konnte, dass viele Menschen hierzulande verstärkt laufen gegangen sind. Zwar lief jeder für sich, doch ich spüre, dass die meisten von ihnen bereits genug haben von diesen virtuellen Läufen. Sie wollen wieder gemeinsam laufen. Das sehe ich auch an regionalen Laufveranstaltungen, die auf kürzeren Strecken bereits wieder organisiert werden.“

Aus diesem Grund sind die Wettbewerbe auf dem Prager Flughafen auf eine Streckenlänge von fünf Kilometern begrenzt. Es finden zwei Einzelkonkurrenzen über diese Distanz statt, und zwar der Sunset Run am späten Samstagabend und der Breakfast Run am Sonntagmorgen. Danach folgen noch zwei Familienläufe, die den Hauptwettbewerb der Veranstaltung umrahmen: einen Staffellauf zweier Profi-Teams. Und die ganze Veranstaltung stoße auf große Resonanz, informiert Coufal:

Prager Flughafen (Foto: David McKelvey, Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

„Der Sunset Run ist bereits ausgebucht, und auch für den Lauf am Sonntagmorgen haben wir nur noch wenige Plätze frei. Etwas besser sieht es bei den Familienläufen aus, da sind noch mehr Plätze vorhanden.“

Für alle Rennen ist das Starterfeld auf 900 Läufer begrenzt. Wer vielleicht noch als Teilnehmer hinzukommen möchte oder auch nur als Zuschauer, der kann sich über die Abläufe, die Startzeiten oder das Begleitprogramm auch im Internet informieren. Die dazugehörige Adresse lautet: www.runczech.com.

Autor: Lothar Martin
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