Demonstration der Lausitzer Sorben

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Die Mitglieder und Freunde des tschechisch-sorbischen Vereins hatten am Donnerstag vor den politischen und kulturellen Vertretungen Deutschlands zu einer Kundgebung gerufen, die das Interesse Tschechiens am Schicksal der Lausitzer Sorben demonstrieren wollte. Ob sie mit ihrem Anliegen erfolgreich waren, dazu mehr in einem Beitrag von Karin Schöne.

Unter dem Einfluss der Terorranschläge auf das New Yorker Welthandelszentrum wurde der Demonstrationszug, der von der Deutschen Botschaft über das Regierungsamt weiter zum Goethe-Institut ziehen sollte, offiziell abgesagt und so trafen wir am Donnerstag um 17 Uhr vor dem Prager Goethe-Institut nur rund 15 Mitglieder und Anhänger des 43-Mitglieder-zählenden Vereins, die sich zur Übergabe eines offenen Briefes versammelt hatten. Welches Ziel man mit der Übergabe des Briefes erreichen wollte und warum man sich gerade an das Goethe-Institut wendet, konnte uns einer der Initiatoren Hanus Härtel sagen:

Ich würde sagen, dass es hier um ein Treffen ging, das zum Ziel hatte, das Goethe-Institut über die Haltung der tschechischen Bürger insbesondere der Freunde des sorbischen Volkes sowie über die Ereignisse, die die sorbischen Schulen in der Lausitz betreffen, zu informieren. Es handelte sich hierbei nicht um einen Protest, sondern um einen Aufruf mit der Bitte um Zusammenarbeit. Wir wünschen uns, dass das Goethe-Institut uns dabei hilft, zusammen mit anderen Institutionen Druck auf die sächsische Regierung zu entwickeln, die den Unterrricht in der sorbischen Schule in Crostwitz blockiert.

Härtel betonte weiter, das er die Einschränkung des Unterrichts an einer von zwei sorbischsprachigen Schulen für eine ernsthafte Bedrohung der Existenz des Volkes der Lausitzer Sorben halte. Das sächsische Schulministerium hatte beschlossen, dass dieses Schuljahr am Crostwitzer Gymnasium keine fünfte Klasse eröffnet werden sollte, da sie mit 17 Schülern nicht der Mindestschülerzahl entsprochen hätte.

Während des ca 20 minütigen Gespräches in dem bekannten grünen Jugendstilgebäude am Masaryk-Ufer versprach der stellvertretende Leiter des Goethe-Institutes Herr Späth den Demonstranten, ihr Anliegen an Partner-Institutionen in Sachsen weiterzuleiten. Gleichzeitig wies er auf einige Projekte hin, die die Wahrnehmung des sorbischen Volkes und seiner Probleme in der Öffentlichkeit unterstützen könnten. Abschließdend versicherte er den Autoren des Briefes:

Während man sich gerade in der breiten Öffentlichkeit in Tschechien noch mehr Aufmerksamkeit für die Probleme eines der kleinsten slavischen Völker wünscht, hat sich das tschechische Schulministerium bereits zu ersten Schritten zur Unterstützung der Lausitzer Sorben entschlossen. Gegen Ende des Monats plant der tschechische Schulminister Eduard Zeman, leitende Vertreter des Dachverbandes der Sorben zu empfangen. Dabei will man gemeinsam über die Eckpunkte eines möglichen Treffens mit dem sächsischen Bildungsminister Rössler beraten.

Autor: Karin Schöne
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