In der kommunistischen Tschechoslowakei ignoriert, im Ausland gefeiert: Dirigent Rafael Kubelík

Rafael Kubelík

Rafael Kubelík (1914–1996) gilt als eine Dirigenten-Legende des 20. Jahrhunderts. Der Künstler verbrachte den Großteil seines Lebens im Ausland. Dabei tat er unglaublich viel für die tschechische Musik. Vor 30 Jahren, am 11. August 1996, verstarb Rafael Kubelík im Alter von 82 Jahren in Kastanienbaum in der Schweiz.

Rafael Kubelík | Foto: APF Tschechischer Rundfunk

Rafael Kubelík war vor allem Dirigent, aber auch Komponist und Geiger. Er war Sohn des berühmten Geigers Jan Kubelík (1880–1940). Der Vater förderte die musikalische Ausbildung seines Sohnes. Dieser studierte am Prager Konservatorium Violine, Klavier, Dirigieren und Komponieren. Mit 19 Jahren dirigierte Rafael Kubelík zum ersten Mal die Tschechische Philharmonie. In den Jahren 1939 bis 1941 war er Opernchef in Brno / Brünn. 1942 wurde er Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie. Den Posten behielt er bis 1948.

Erfolge in USA, London und Bayern

Kubelík eröffnete 1946 den ersten Jahrgang des Musikfestivals Prager Frühling. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Februar 1948 wurde dem Künstler klar, dass er sich an den Aktivitäten des Regimes nicht beteiligen wollte. Daher kehrte er zusammen mit seiner Familie von einer Reise nach Großbritannien nicht wieder in die Tschechoslowakei zurück. Kubelík wählte das Exil aus der Überzeugung, im Ausland mehr für die Tschechen und Slowaken bewirken zu können, als wenn er in der Heimat geblieben wäre.

Zunächst war Rafael Kubelík in den USA tätig. Drei Jahre lang leitete er als Musikdirektor das Chicago Symphony Orchestra. Anschließend war er beim Royal Opera House in London angestellt. Von 1961 bis 1979 war er Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und 1973/74 zudem Musikdirektor an der Metropolitan Opera in New York. Er wirkte als Gastdirigent bei den renommiertesten Orchestern der Welt und wurde zu einer Legende des Taktstocks. Ab 1973 hatte Kubelík die schweizerische Staatsbürgerschaft. In seiner ursprünglichen Heimat verschwieg das kommunistische Regime jedoch seine Erfolge.

Rückkehr nach mehr als 40 Jahren

Foto: Supraphon

Rafael Kubelík engagierte sich auch stark als Bürger und wurde zu einem der Symbole des ausländischen Widerstands gegen das kommunistische Regime. Laut dem Künstler übernahm der Kommunismus totalitäre Tendenzen und lernte von den Nationalsozialisten. Aus dem Grund lehnte er es ab, in Ländern mit einem totalitären Regime aufzutreten. Folglich besuchte er die Tschechoslowakei auch erst nach der Samtenen Revolution wieder.

Obwohl der Dirigent seine Karriere bereits Mitte der 1980er Jahre aus gesundheitlichen Gründen beendet hatte, ließ er sich von Präsident Václav Havel zum Auftritt beim Eröffnungskonzert des Prager Frühlings 1990 überreden. Das Programm wurde dann nochmals am Tag der ersten freien Parlamentswahlen – im Juni des Jahres – auf dem Altstädter Ring wiederholt. Im Oktober 1991 gab Kubelík sein letztes Konzert in Europa. Es war eine wohltätige Veranstaltung für die von Václav Havels Frau Olga gegründete Stiftung.

Rafael Kubelík starb am 11. August 1996 im Alter von 82 Jahren in Kastanienbaum in der Schweiz. Die Urne mit seiner Asche ist im Slavín-Mausoleum auf dem Prager Vyšehrad neben der seines Vaters Jan Kubelík beigesetzt.

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