„Design Pop up Shop“ für außergewöhnliche Weihnachtgeschenke – Tschechischer Dezember in Berlin

Foto: Archiv der Galerie Harddecore

Ein bekannter Theaterregisseur, ungewöhnliche Weihnachtsgeschenke, interessante Autoren oder ein finnischer Dokumentarfilm – das alles und noch viel mehr bereitet das Tschechische Zentrum Berlin in der Vorweihnachtszeit vor. Einzelheiten in unserer Sendereihe Avizo: Tschechische Kultur grenzenlos von der Programmdirektorin des Zentrums, Christina Frankenberg.

Petr Zelenka (Foto: Štěpánka Budková)
Frau Frankenberg, Weihnachten und damit auch das Ende des Jahres nähert sich. Sprechen wir also über den Jahresausklang im Tschechischen Zentrum Berlin. Und dann sind sie ja Veranstalter eines besonderen Events, der tschechische Regisseur Petr Zelenka ist zu Gast – aber nicht in Berlin, sondern in Hannover. Vielleicht könnten Sie dazu ein paar Worte sagen.

„In Hannover sind wir nicht der Hauptveranstalter, wir beteiligen uns dort nur an diesen zwei Veranstaltungen am Montag, dem 25. November. Der Regisseur Petr Zelenka wird, wie Sie schon gesagt haben, in Hannover sein. Er wird zum einen eine Vorführung des Films ‚Die Karamazovs“ besuchen, ein Film, der nach dem gleichnamigen Theaterstücks von Petr Zelenka entstanden ist. Er wird im Kino ‚Im Künstlerhaus’ in Hannover zu sehen sein. Am selben Abend, kurze Zeit später, geht es dann weiter mit einer szenischen Lesung. Da wird die Hannoveraner Schauspielerin Katja Gaudard zusammen mit Gästen ein Theaterstück von Petr Zelenka vorstellen, und zwar den ‚Schrottengel’ in deutscher Übersetzung von Simona Barazi.“

Roma-Autoren (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums Berlin)
Dann haben Sie am 26. November einige Roma-Autoren zu Besuch. Ein interessantes Projekt, denn die Autoren kommen nicht nur aus Tschechien. Was erwartet den Besucher da?

„Also dieses Projekt veranstaltet das Tschechische Zentrum zusammen mit dem Berliner Verein ‚Roma Trial“ und mit Partnern aus der Tschechischen Republik, aus Ungarn und aus der Slowakei. Die Veranstalter haben drei Autoren eingeladen, Gusztáv Nagy aus Ungarn, Eva Danišová aus der Tschechischen Republik und Maroš Balog aus der Slowakei. Sie werden erstmals in deutscher Übersetzung Erzählungen vorstellen, die alle verbunden sind durch Erinnerungen an die Großmutter. Die Großmutter ist sehr wichtig für Roma, sie nimmt einen zentralen Platz in der Familie ein und alle diese Autoren haben ihren Großmüttern ein literarisches Denkmal errichtet. Um diese Kindheitserinnerungen wird es in drei Lesungen gehen, die Autoren lesen am 26. November im Literaturhaus Berlin, am 27. November sind sie dann in Halle zu Gast. Zusammen mit dem Kunstverein Talstrasse wird eine Lesung in der Halle für Kunst ‚F2’ stattfinden. Und wieder einen Tag später, am 28. November, sind die Autoren dann im Literaturhaus ‚Villa Augustin’ in Dresden zu Gast.“

Foto: Archiv der Galerie Harddecore
Am 11. Dezember haben Sie da speziell etwas für Freunde von originellen Weihnachtsgeschenken im Angebot, den „Design Pop up Shop“. Worum handelt es sich dabei?

„Das wird eine Verkaufsaustellung sein von zwölf jungen Designern aus der Tschechischen Republik. Gerade in den letzten Tagen hat hier in Berlin eine Vorauswahl stattgefunden, wo wir zusammen mit Designexperten aus Deutschland eben die Designer aus Tschechien ausgewählt haben. Sie werden sich dann in der Verkaufsaustellung mit ihren einzigartigen Designprodukten vorstellen. Das sind Designer, die auf hohem professionellem Niveau arbeiten und Produkte aus kleinen Serien vorstellen, die es so in Deutschland nicht gibt, aber hier im Tschechischen Zentrum zu erwerben sind. Die Ausstellung wird am 11. Dezember eröffnet und ist vom 12. bis zum 14. Dezember für das Publikum geöffnet. Daneben wird es an diesen Tagen auch Workshops und Treffen mit den Designern geben und es sind Veranstaltungen für die Fachöffentlichkeit geplant. Wenn also jemand Interesse hat, die Designer und ihre Produkte kennen zu lernen, um sie eventuell auch in Deutschland zu vertreiben, hat er dazu hier die Möglichkeit.“

Natürlich gibt es auch im Dezember wieder einen Film zu sehen, in der Sendereihe Dokumontag. Sie versuchen ja, sich damit auch einem internationalen Publikum zu öffnen, es soll nicht nur um tschechische Filme gehen, sondern allgemein um europäische Werke. Was zeigen Sie im Dezember?

„Die Filmreihe läuft ja bereits seit Januar sehr erfolgreich. In den ersten Wochen und Monaten haben wir vor allem tschechische Dokumentarfilme vorgestellt, uns dann im Laufe des Jahres aber immer mehr dem europäischen Schaffen geöffnet. Dabei kooperieren wir regelmäßig auch mit den anderen europäischen Kulturinstituten in Berlin, die zusammen mit uns in der EUNIC organisiert sind. Am 9. Dezember, am letzten Dokumontag in diesem Jahr, zeigen wir einen finnischen Film, zusammen mit den Kollegen vom Finnland-Institut in Deutschland. Er trägt den englischen Titel ‚Finish Blood, Swedish Heart’. Es geht um die finnische Emigration nach Schweden in den 1960er und 1970er Jahren und diese Geschichte wird an einem ganz persönlichen Beispiel dargestellt. In dieser Art ‚Roadmovie’ reisen Vater und Sohn, die ihr Leben in Schweden verbracht haben, an die Orte ihrer Vergangenheit beziehungsweise an die Orte der Kindheit des Sohnes. Begleitet werden sie dabei von der Musik der Zeit und dabei unterhalten sich die beiden über Fragen wie zum Beispiel Heimatgefühl, Fremdheit etc. Zwar führt uns der Film nach Finnland und Schweden, beschäftigt sich aber mit Fragen, die generell für ein internationales Publikum interessant sind.“

‚Alois Nebel’
Das Jahr 2013 hat ja in den neuen Räumen des Tschechischen Zentrums in Berlin mit Alois Nebel angefangen und nun endet es auch mit Alois Nebel. Die ‚Kino-Tour mit Gästen’ kommt, was genau wird da passieren?

„Ja, Sie haben Recht, die erste Ausstellung, die wir hier im Januar 2013 eröffnet haben, war eine Exposition zum Comic ‚Alois Nebel’. Nun, zwölf Monate später, kommt auch der Film in die deutschen Kinos. Der offizielle Kinostart ist am 12. Dezember und anlässlich dieser deutschen Premiere wird es eine ‚Kinotour mit Gästen’ geben. Nach Berlin kommt die am 16. Dezember, und zwar ins Kino ‚Akut’. Dort wird dann der Film ‚Alois Nebel’ zu sehen sein, der ja auch als bester animierter Spielfilm 2012 mit dem europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Zur Story des Films muss ich wohl nichts mehr sagen, darüber haben wir ja schon häufig gesprochen.“